Hat ihre Ziele fest vor Augen

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Die einstige Profisportlerin Kathrin (Ka) Lehmann mit (von links) Roland Weinschenk sowie Anton Sproll, Franz-Daniel Pfaff und
Die einstige Profisportlerin Kathrin (Ka) Lehmann mit (von links) Roland Weinschenk sowie Anton Sproll, Franz-Daniel Pfaff und Bernhard Schultes von der Bildungsstiftung Bad Waldsee. (Foto: Sabine Ziegler)
Schwäbische Zeitung
Freie Redakteurin

Die ehemalige Spitzensportlerin, Dozentin und Unternehmerin Kathrin Lehmann aus München ist am Donnerstag in Bad Waldsee zu Gast gewesen bei „Wirtschaft im Gespräch“ im Haus am Stadtsee. Auf Einladung von Stadt und Bildungsstiftung sprach die gebürtige Schweizerin vor knapp 100 Unternehmern, Pädagogen und Kommunalpolitikern über die Verbindung von Spitzenleistung und sozialer Kompetenz. Das Thema ihres Vortrages lautete: „Sind die Besten schlechte Menschen?“ Die 36-Jährige plauderte dabei 30 Minuten lang aus dem Nähkästchen eines aktiven, zielorientierten Lebens und gab ihren Zuhörern einige Impulse. Eine Antwort auf die Eingangsfrage blieb sie ihnen aber schuldig.

In rhetorischer Hinsicht hat Lehmann etwas auf dem Kasten. Die ehemalige Profisportlerin benötigte für ihre Ausführungen weder Skript noch Power Point und erzählte anschaulich vier Episoden. Im Saal war es dabei mucksmäuschenstill. Ihre bisherige Vita ist zweifelsohne beeindruckend, zumal sie ihre vielen Talente allesamt unter einen Hut brachte. Und das nicht nur im Sport, der ihr in einem sportiven Elternhaus in die Wiege gelegt wurde. „Mein Ziel war es immer, gegen die Besten zu spielen: angefangen als 14-jährige Zahnspangenträgerin bis zur Kapitänin einer Olympiamannschaft“, so Lehmann.

Dieses Ziel habe sie nie aus den Augen verloren, auch wenn sie habe Lehrgeld zahlen müssen: sei’s, weil sie ihrer Kapitänin frech den angestammten Platz in der Umkleidekabine blockierte und sich als „Strafe“ in der miefigen Dusche umziehen musste. „Als ich plötzlich der Depp war in der Kabine, beherrschte ich die Regeln und wurde später selbst Kapitänin.“ Oder als sie leichtfertig über eine Mannschaftskollegin lästerte, die weniger auf die Waage brachte als sie selbst, in der „Muckibude“ aber schwerere Gewichte „drückte“. Lehmann: „Der Trainer fand das nicht in Ordnung und ich wusste: Wer andere führt und kommandiert, der muss selbst absolut korrekt sein. Daran wird man gemessen vom Team.“ Im Profisport sei diese „Korrektness“ gleichzusetzen mit absoluter sportlicher Fitness und höchster Leistungsbereitschaft. „Ohne Loyalität und Vertrauen geht das nicht“, weiß Lehmann, die sich selbst habe „regelrecht hochdienen“ müssen. „Schweizer gelten im Ausland als teuer und arrogant und das habe ich in Schweden erlebt. Also lernte ich das notwendige Vokabular mit einer Lehrerin direkt auf dem Fußballplatz – das hat mir zu Bonuspunkten verholfen.“

Eine Antwort auf die Eingangsfrage könne sie nicht geben, bekannte Lehmann abschließend. „Nur soviel: Leistung ist ein permanenter Prozess, man ist angewiesen auf die Menschen um einen herum und man sollte sich selbst immer wieder den Spiegel vorhalten und sein Handeln reflektieren“, riet die Referentin. Tagsüber hatte sie bereits vor 500 Schülern im Bildungszentrum Döchtbühl und in der Eugen-Bolz-Schule referiert. Den Neunt- und Zehntklässlern empfahl sie ebenfalls, an eigenen Ideen festzuhalten und sich nicht beirren zu lassen, sollte es auch einmal „Gegenwind“ geben.

Konstruktiver Dialog

Mit der Einladung ins Haus am Stadtsee haben Stadt und Bildungsstiftung für „Wirtschaft im Gespräch“ erstmals einen „größeren Rahmen“ gesucht und gefunden. Bürgermeister Roland Weinschenk und Bernhard Schultes betonten, dass mit Veranstaltungen in dieser Reihe der „konstruktive Dialog“ zwischen Stadtverwaltung, Kommunalpolitik und Unternehmen auf gutem Niveau gehalten werden soll. „Eine Art vorbeugender Klimaschutz für das globale Ökosystem Bad Waldsee“, betonte Schultes. Bürgermeister Weinschenk informierte über aktuelle Themen und gab bekannt, dass der millionenschwere Sauna- und Wellnesstempel bei der Waldsee-Therme am 26. März mit einem Tag der offenen Türe vorgestellt wird.

Großen Beifall gab es für das Rahmenprogramm, das von Schülern bestritten wurde. Im Foyer sorgte das Trio „Akkustik“ mit Theresa Schmid, Maya Vögel und David Miller für angenehme Hintergrundmusik. Auf der Bühne begeisterte das Schulorchester des Gymnasiums unter Leitung von Hans-Georg Hinderberger mit zwei Stücken. Und die Diabolo-Vorführung von vier Realschülern ließ Stimmen im Saal laut werden, wonach man diese Truppe von Lehrer Dirk Klippel gerne noch häufiger sehen würde.

Im Gesamturteil der Besucher ist die Auftaktveranstaltung 2017 von „Wirtschaft im Gespräch“ positiv ausgefallen – zumal das moderne Bürger- und Gästehaus dafür den ansprechenden Rahmen bot. Wohl auch deshalb diskutierten die Gäste bei einem Getränk und kulinarischen Häppchen im Foyer noch eine ganze Weile weiter, ließen die Thesen Lehmanns „sacken“ und arbeiteten an ihren eigenen Netzwerken.

Zur Person

Pendlerin zwischen Gras und Eis: Die Schweizerin Kathrin (Ka) Lehmann nimmt mit ihrer Leidenschaft für Fußball und Eishockey eine Sonderstellung ein im internationalen Sport. Gut 20 Jahre lang war die gebürtige Züricherin im Profisport aktiv und Mitglied in beiden Schweizer Nationalteams. Als einzige Sportlerin gewann sie sowohl im Eishockey als auch im Fußball den höchsten europäischen Pokalwettbewerb. In der Frauenfußball-Bundesliga war die studierte Germanistin und Betriebswirtin unter anderem beim FC Bayern München aktiv. Parallel dazu organisierte sie Eishockey- und Fussballtrainingslager für den Nachwuchs und arbeitete als Trainerin. Beruflich ist sie seit dem Ende ihrer sportlichen Karriere als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU München (Lehrstuhl Sportpädagogik) und Dozentin an der ETH Zürich tätig. 2005 gründete sie ihre Agentur „kasports“ und zuletzt die „Sportbusiness Campus GmbH“.

Weitere Infos unter www.kathrinlehmann.com.

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