„Hallenplanung in Bad Waldsee ist eine Verwaltung des Mangels“

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 Heiko Stein (links) und Markus Fürst: „Die ehrenamtlich geleistete Arbeit verdient mehr Anerkennung.“
Heiko Stein (links) und Markus Fürst: „Die ehrenamtlich geleistete Arbeit verdient mehr Anerkennung.“ (Foto: Sabine Ziegler)
Sabine Ziegler

Die Sporttreibenden in Bad Waldsee sehnen eine zeitnahe Überbauung des wenig genutzten Hartplatzes beim Gymnasium mit einer Halle („Rucksacklösung“) herbei. Damit soll eine Entlastung der stark frequentieren Sportstätten in der Kurstadt erreicht werden. Die Stadtverwaltung möchte jedoch zuerst ihre Schulentwicklungsplanung abschließen (wir berichteten), bevor eine Entscheidung getroffen wird. Darüber sprach Sabine Ziegler für die SZ mit Markus Fürst und Heiko Stein vom Vorstand der Sportgemeinschaft Bad Waldsee.

Wie bewerten Sie das Vorgehen der Stadt, die „Rucksacklösung“ trotz eines Antrags der Ratsfraktionen nicht voranzutreiben?

Stein: Ich bin verwundert, wie viel Zeit sich die Stadt nimmt. Aber das passt ins Bild: Die „Rucksacklösung“ war wie andere Punkte Bestandteil der Ziele und Empfehlungen des Sportentwicklungsplans vom Februar 2017 und auch unserer Prioritätenliste. Im Gemeinderatsbeschluss zum Sportentwicklungsplan vom Juni 2018 wurde die Kommune mit der Skizzierung von Maßnahmen zur Reduzierung der Hallenengpässe beauftragt.

Und was geschah daraufhin?

Stein: Weil scheinbar nicht viel passierte, folgte im Dezember 2018 der ausdrückliche Antrag auf Machbarkeitsprüfung. Nun entdeckt man die Schulentwicklungsplanung als Hinderungsgrund. Wenn das der Fall ist: Wieso lässt man alle Beteiligten von 2014 bis 2017 Hunderte Stunden ehrenamtlicher Arbeit in einen Sportentwicklungsplan investieren, obwohl man doch weiß, dass Schulentwicklung Vorrang hat?

Was halten Sie von der Koppelung der Sportentwicklungs- mit der Schulentwicklungsplanung?

Markus Fürst: Natürlich ist es sinnvoll, Schul- und Vereinssport gemeinsam zu betrachten. Schließlich nutzen alle dieselbe Infrastruktur. Aber das ist keine neue Erkenntnis. Aus diesem Grund wurde doch auch die Sportentwicklungsplanung 2015 ins Leben gerufen, um die Interessen aller Beteiligten in Einklang zu bringen. Alle relevanten Vertreter saßen gemeinsam am Tisch und haben über Monate hinweg an den Ergebnissen gearbeitet. Die Diskussion jetzt zeigt meines Erachtens ein tieferes Problem.

Welches?

Fürst: Solange der Prozess von den Beratern des Instituts für kooperative Planung und Sportentwicklung betreut wurde, lief es sehr wertschätzend, strukturiert und zielgerichtet ab. Seit der finalen Sitzung der Planungsgruppe reagiert die Verwaltung im Rathaus aber fast ausschließlich auf Druck.

Und das scheint die Sportvereine auf die Palme zu bringen.

Fürst: Unsere Vereine bieten ein breites Sport- und Freizeitangebot und sie betreiben eine intensive Kinder- und Jugendarbeit in Bad Waldsee. Dies alles geschieht überwiegend auf ehrenamtlicher Basis. Meiner Meinung nach verdient diese Arbeit mehr Anerkennung. Deshalb wünschen wir uns die Fortsetzung des offenen Dialogs aus der kooperativen Phase der Sportentwicklungsplanung.

Wie akut ist im kommenden Winter die örtliche Sportstättensituation?

Stein: Gerade plane ich die Wintersaison. Vereine haben Wartelisten im Kinder- und Jugendbereich, Übungsgruppen trainieren mit teilweise deutlich reduziertem Umfang. An neue Angebote ist gar nicht zu denken. Bad Waldsee war als „Landesstützpunkt Volleyball“ im Gespräch, mangels Hallenkapazitäten musste die Turngemeinschaft leider ablehnen.

Hört sich nach Frust an.

Stein: Dadurch orientieren sich eben auch ambitionierte Trainer neu. Die Software zur Hallenbelegung kann den planerischen Aufwand zwar reduzieren, neue Sporthallen entstehen dadurch aber keine. Ein Kunstrasenplatz trägt zur Entspannung im Winter bei. Unterm Strich jedoch ist die Hallenplanung in Bad Waldsee eine Verwaltung des Mangels.

Bei der Hauptversammlung haben Sie eine Änderung der Ehrenamtsförderung bei Sportvereinsjubiläen angeregt. Wie sieht diese aus?

Stein: Wir haben eine Staffelung der finanziellen Jubiläumsgabe von 200 bis 500 Euro in Abhängigkeit von der Vereinsgröße beschlossen.

Und Sie planen eine neue Geschäftsstelle, um die Vereine zu entlasten?

Fürst: Die Bindung und Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionsträgern stellt das größte Problem für Vereine dar. Ein Hindernis dafür ist der hohe bürokratische Aufwand. Dieses Problem betrifft zunehmend auch die Waldseer Sportvereine. Ein Ehrenamt muss jedoch im Verein ausgeübt werden und nicht hinter dem Schreibtisch. Deshalb erarbeiten wir aktuell einen Fragebogen, mit dessen Hilfe wir den Bedarf der Vereine erfassen und Kooperationsmöglichkeiten aufzeigen können.

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