Hajo Leuter hält bei der WM 2018 die Bad-Waldsee-Flagge hoch

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Freie Redakteurin

Nicht nur Bundestrainer Joachim Löw ist vor der am Donnerstag in Russland beginnenden WM in „freudiger Erwartung“. Auch die Fußball-Fans in der Kurstadt bringen sich in Stellung und sind gespannt auf das erste Spiel der deutschen Mannschaft am Sonntag. Zumal dann im Moskauer Stadion eine große Bad-Waldsee-Flagge zu sehen sein wird, die Hajo Leuter in die Menge hält. Der Waldseer fliegt am Donnerstag in Richtung Osten und möchte auch dieses Mal das komplette Turnier bis 15. Juli vor Ort live verfolgen – wie auch in früheren WM-Jahren.

Die Waldseer kennen das Spiel schon von den vergangenen Weltmeisterschaften: Leuter sichert sich in den Fußballstadien dieser Welt die besten Plätze und zückt dort jedes Mal die Waldsee-Fahne für ein bisschen internationale Werbung zugunsten des Kurorts daheim. „Dieses Mal habe ich eine neue, noch größere nähen lassen – sie ist jetzt fünf Meter breit und 1,20 Meter hoch“, lacht der Fußballfan. „Genehmigt von der Fifa und der russischen Konföderation, damit auch alles seine Ordnung hat“, sagt Leuter. Dann müsse er die Fahne in Russland wenigstens nicht unter seiner Bekleidung in die Spielstätten hineinschmuggeln, wie er das zuletzt 2014 in Brasilien tat.

Auf Jogi ist Verlass

Mit Sicherheit eine sinnvolle Maßnahme, zumal im diesjährigen Gastgeberland ohnehin mit restriktiveren Maßnahmen zu rechnen sein dürfte als in Südamerika. „Die Kontrolle für uns Fans wird größer sein als wir das bislang gewohnt waren und unsere ’Fan-ID’ wird eine Überwachung ermöglichen“, weiß Leuter. Untergebracht ist der 55-Jährige samt Freundeskreis aus dem Raum Stuttgart gemeinsam mit 300 anderen Fans im DFB-Camp auf einem Holiday-Inn-Komplex im Moskauer Norden. „Und ab dem Achtelfinale sehen wir dann, wie und wo es für uns weitergeht. Das hängt von der Mannschaft ab, die individuell zwar gute Spieler hat, aber leider noch nicht richtig in Form ist“, unterstreicht der Oberschwabe. „Aber auf Jogi konnte man sich bei Turnieren noch immer verlassen und so wird es auch in Russland sein!“

Auch die daheimgebliebenen Waldseer Fußballfans rüsten sich und halten sich die Termine der Deutschland-Spiele frei von Fußballtraining und anderen Beschäftigungen. „Ja, klar, wir freuen uns auf spannende Begegnungen. Aber so richtig emotionalisiert wie bei früheren WMs bin ich dieses Mal noch nicht. Das mag am unterkühlten Gastgeber liegen, wo politisch doch einiges bedenklich ist, wenn wir an die Menschenrechte denken zum Beispiel“, mutmaßt Rebecca Miller. Sie kommt als erste weibliche Schiedsrichterin beim SV Reute zum Einsatz und gehört dem Vorstand an. Nach ihrer Einschätzung ist die Löwsche Truppe „zwar gut aufgestellt, aber ich denke, ein Titelgewinn wird dieses Mal richtig schwer, weil Frankreich, Spanien und Brasilien sehr stark sind“. Die junge Mutter wird die Übertragungen daheim mit der Familie oder Freunden anschauen. „Public Viewing bietet sich mit einem Kleinkind nicht so an“, so die 28-Jährige.

Benedikt Bretz, Jugendtrainer beim SV Haisterkirch, ist „schon ziemlich gespannt“ auf den ersten Auftritt der deutschen Spieler am Sonntag. „Ich bin eigentlich guter Dinge, dass sie gegen Mexiko gewinnen werden, weil man in die Aufstellung des Bundestrainers einfach Vertrauen haben kann“, ist der 21-Jährige aus Osterhofen überzeugt. Einige Begegnungen während der WM möchte er mit den SV-Jugendlichen gemeinsam verfolgen und die Trainingszeiten werden im Bedarfsfall dann verlegt. Was das Gastgeberland betrifft, beschleichen den jungen Trainer „gemischte Gefühle. Da war Brasilien sicher einfacher von der ganzen Ausstrahlung her. Wer geht schon gerne nach Russland?“

Ein Gottesdienst in Bad Waldsee wird für ein WM-Spiel in Russland zwar nicht verschoben. „Aber der Fußball wird im weiteren Verlauf des Turniers sicherlich auch einmal ein Predigtthema im weiteren Sinne werden“, kündigt der fußballbegeisterte Pfarrer Stefan Werner an. Weil der Waldseer Seelsorger daheim keinen Fernseher hat, verfolgt er wichtige Fußballspiele traditionell bei Freunden oder in den Kneipen der Stadt. „Gemeinsam guten Fußballsport schauen, das hat was für mich!“

Glück gehört dazu

Und seine Prognose für den Verlauf der WM 2018? „Also die Vorrundenspiele werden sie wohl gewinnen, wie es weitergeht, ist schwierig einzuschätzen. Neben dem sportlichen Können gehört eben auch eine gute Portion Glück dazu. Ich hoffe natürlich, dass sie weit nach vorne kommen“, betont der 49-Jährige. Wer weiß, vielleicht bekommen Löws Männer ja etwas Beistand von oben.

Auch Andrea Geist vom Jugendleitungsteam des FV Bad Waldsee freut sich auf die Übertragung aller WM-Begegnungen mit deutscher Beteiligung. „Wir schauen im Freundeskreis und auch im Spital ist Fußball während der WM für die Bewohner ein Thema“, erzählt die 53-Jährige, die im städtischen Pflegeheim tätig ist. Sie zweifle zwar daran, dass die deutsche Mannschaft neuerlich Weltmeister werden könnte. „Zwei Mal hintereinander scheint mir unrealistisch zu sein. Aber spannend und unterhaltsam ist für mich grundsätzlich jedes WM-Spiel unserer Mannschaft“, unterstreicht Geist.

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