Grüne fordern bessere Agrarpolitik in Europa und Bad Waldsee

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Informierten in Bad Waldsee über die EU-Agrarpolitik (von links): Maria Heubuch, grüne Europaparlamentsabgeordnete, Grünen-Sprec
Informierten in Bad Waldsee über die EU-Agrarpolitik (von links): Maria Heubuch, grüne Europaparlamentsabgeordnete, Grünen-Sprecher Ulrich Köpfler und die ehemalige baden-württembergische Tierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. (Foto: Anja Halder)
Schwäbische Zeitung

Unter dem Titel „Europa und das Suppenhuhn“ haben sich über 20 Besucher am vergangenen Dienstag im Zukunftsladen der Grünen eingefunden, um sich über die Landwirtschaftspolitik der EU und ihre Folgen für die bäuerliche Landwirtschaft und die Umwelt zu informieren. Zudem tauschten sie sich darüber aus, welche Konsequenzen Verbraucher und lokale Politik daraus ziehen sollten, teilen die Grünen mit.

Nach der Begrüßung und Hinführung durch Grünen-Sprecher Ulrich Köpfler stellte Maria Heubuch, Landwirtin in Leutkirch und grüne Abgeordnete des Europäischen Parlaments, das System der Agrarförderung durch die EU vor. Dieses bestehe aus zwei Säulen, den Direkthilfen, die im Wesentlichen nach der Anzahl der Hektar landwirtschaftlicher Fläche berechnet werden, und den Agrarsonderprogrammen, mit denen besondere Programme wie die Regionalförderung, biologische Landwirtschaft, Tierwohl und Artenschutz finanziert werden.

Im neuen Förderzeitraum 2021/27 sollen die Direkthilfen, die bereits über zwei Drittel der Subventionen ausmachen, weiter gestärkt werden, was Heubuch kritisierte. Dadurch würden große Höfe noch mehr profitieren, Maßnahmen, die auf mehr Biodiversität und den Schutz der natürlichen Ressourcen zielen, aber geschwächt, was insbesondere den Klimaschutzzielen 2030 widerspreche. Aufgrund der Europawahl konnte das Konzept für den neuen Förderzeitraum noch nicht verabschiedet werden, weshalb Heubuch hoffe, dass die Wahl Mehrheiten hervorbringt, die das verhindern können.

Tierschutzbeauftragte spricht über intensive Landwirtschaft

In einem zweiten Kurzreferat stellte Cornelie Jäger, bis 2017 Tierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, ihr Buch „Die Sache mit dem Suppenhuhn vor“, in dem sie die Folgen intensiver Landwirtschaft, insbesondere die übermäßige Belastung der Böden und damit des Grundwassers etwa mit Nitrat, die Belastung des Klimas mit CO2 und Methan, aber auch die zum Teil unhaltbaren Zustände für Nutztiere darstellte.

Sie zeigte ebenso Wege auf, wie mit verhältnismäßig geringem Aufwand und Kosten umweltschonendere Wege beschritten werden können, etwa wenn auf mineralischen Dünger verzichtet würde und stattdessen der organische Mist, der in manchen Gegenden übermäßig anfällt, an anderer Stelle eingesetzt wird. Das würde zudem die zusätzliche Belastung des Klimas mit CO2 bei der Düngerherstellung vermeiden. Eine bedeutende Rolle komme auch dem Handel zu, den Jäger zu einer (tier-)gerechten Preisgestaltung und zur Abkehr von Billigfleischangeboten aufforderte. Allerdings wurde laut Mitteilung in ihrem Vortrag auch klar, dass die Konsumgewohnheiten sich verändern und weniger Fleisch und Milchprodukte konsumiert werden müssen, was, so die Autorin, auch Gesundheitsexperten seit Langem fordern.

Im anschließenden Podiumsgespräch zwischen Heubuch, Jäger und Köpfler sowie der abschließenden Fragerunde wurden die Möglichkeiten der Politik vor Ort in den Fokus genommen. Denn auch der Kreistag und der Gemeinderat haben laut den Grünen agrarpolitische Möglichkeiten, um Klima, Natur und Tiere besser zu schützen, etwa die strikte Verpachtung ihrer Flächen unter ökologischen Vorgaben, die bessere Ausstattung der Landwirtschaftsämter mit Personal oder die Entscheidungen, welche Nahrungsmittel und Produkte für Schulmensen, Kitas, Krankenhäuser, Veranstaltungen und Verwaltung beschafft und verwendet werden. Wie die Konsumenten haben auch die Kommunen als Verbraucher viele Möglichkeiten, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, heißt es abschließend.

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