Für Angler sind Fischbisse in hiesigen Seen „absolute Ausnahmen“

 Der Uferbereich am Waldseer Stadtsee lädt an heißen Tagen dazu ein, die Beine im Wasser baumeln zu lassen – Angler raten jedoch
Der Uferbereich am Waldseer Stadtsee lädt an heißen Tagen dazu ein, die Beine im Wasser baumeln zu lassen – Angler raten jedoch davon ab, weil hier Hechte mit spitzigen Zähnen und andere Fische ihre Unterstände haben und sich bedroht fühlen könnten. So wurde eine Frau im Sommer 2020 im Waldseer Stadtsee von einem Fisch gebissen. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Leben Badegäste in oberschwäbischen Seen gefährlich? Mit Sicherheit nicht, auch wenn der Biss eines Hechtes kürzlich im Aulendorfer Naturfreibad dies vielleicht vermuten ließe. Auch im Waldseer Stadtsee hat vor zwei Jahren ein Fisch kräftig zugebissen und den Fuß einer Frau verletzt, die entspannt ihre Beine im Wasser baumeln lassen wollte. Passionierte Angler und Kenner dieser Süßgewässer sind dennoch überzeugt davon, dass es sich bei diesen Fällen um „absolute Ausnahmen aufgrund besonderer Umstände“ handelte.

Wie berichtet, erwischte es diesen Sommer einen Schwimmer im Aulendorfer Steegersee, der sich am Steg aufhielt und seine Füße an der Leiter ins Wasser hängen ließ. Die nicht allzu schlimme Wunde wurde nach Aussage von Bademeister Dieter Eisele mit einem kleinen Verband versorgt und der Badegast sei später vorsorglich zum Arzt gegangen. Heftiger getroffen wurde im Juli 2020 im Waldseer Stadtsee eine Frau. Nach der SZ-Berichterstattung über den aktuellen Fall in der Nachbarstadt meldete sie sich jetzt nochmals bei der Lokalredaktion.

Biss, Blut, Notaufnahme

Nach ihren damaligen Schilderungen wurde sie im Uferbereich von einem größeren Fisch attackiert, der ihren Fuß ins Maul genommen und zugebissen habe. „Ich musste nach diesem Biss mit stark blutender Wunde sogar die Notaufnahme besuchen und hatte noch wochenlang Beschwerden und Arztbesuche“, schreibt die Leserin, die weiterhin anonym bleiben möchte. Bis heute schwimme sie deshalb nicht mehr in Seen und sie wolle andere Badegäste nochmals auf dieses Problem aufmerksam machen.

Es ist eben doch nicht so selten und nicht auszuschließen.

Das Tier war nach Angaben der Betroffenen „ein Meter lang und 20 Zentimeter breit“.

Wie sieht's nun also aus mit den Fischen in unseren Weihern? Welche schwimmen hier herum und greifen sie Menschen „einfach so“ an oder nur wenn vermeintlich „Gefahr im Verzug“ ist? Beim Landratsamt, wo auch das „Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen“ angesiedelt ist, läuft eine SZ-Anfrage urlaubsbedingt ins Leere, weil die zuständigen Amtsstuben noch ausgedünnt sind. Nach Angaben von Behördensprecherin Selina Nussbaumer könne die Kreisverwaltung deshalb aktuell keine genaueren Angaben machen zum Fischbestand in den 1400 Seen im Landkreis Ravensburg. „Das kann eigentlich nur der Fischereirechtsinhaber oder -pächter selbst machen, weil er den Besatz und in der Regel auch die Fangzahlen über die ausgegebenen Angelkarten hat“, so das Landratsamt dazu.

Diese Fische schwimmen im Stadtsee

Deshalb weiß auch der neue Vorsitzende des 39 Mitglieder starken Fischereivereines Bad Waldsee in dieser Sache gut Bescheid. „Im Stadtsee und Schlosssee finden sich vor allem Hecht, Zander, Wels, Karpfen, Brachse, Aal, Rotauge und -feder“, zählt Erich Kibler die nach seiner Überzeugung harmlosen heimischen Fischarten auf. „Im Normalfall beißen die keine Menschen – und wenn doch, dann waren das über Jahrzehnte hinweg gesehen absolute Ausnahmen“, weiß der passionierte Angler zu berichten.

Er rät Schwimmern dennoch vorsichtshaber dazu, die Füße am Ufer oder in der Nähe von Seerosen oder Schilfgras nicht im Wasser baumeln zu lassen. „In diesen Bereichen haben Fische ihre Unterstände und könnten sich bedroht fühlen, wenn sich plötzlich etwas bewegt oder wenn vielleicht ein Zehenring oder Fußkettchen an der Wasseroberfläche glitzert“, gibt Kibler zu bedenken. Im „Normalfall“ habe jedoch „eher der Fisch Angst vor dem Mensch“ und deshalb könne man in hiesigen Gewässern „völlig bedenkenlos“ seinem sommerlichen Badespaß nachgehen.

Warum beißt ein Fisch zu?

In der Fachliteratur ist beschrieben, dass Fische nur aus drei Gründen zubeißen: zur Nahrungsaufnahme, aus Reflex und vielleicht noch aus Neugier. Dies bestätigt der SZ auch ein erfahrener Waldseer Angler, der als 13-Jähriger das erste Mal seine Angel auswarf und daher den Stadtsee kennt wie seine eigene Westentasche. Und diesen übrigens als „grandioses Naturjuwel mitten in der Stadt“ ansieht und wertschätzt. „Hier summt's und brummt's überall, auch der Biber kommt mal vorbei – und ja, da schwimmen auch große Welse drin, die inzwischen über zwei Meter lang sein dürften, da ich einige schon vor 20 Jahren hier drin entdeckt habe“, betont Armin Palubitzki, ausgebildeter Gewässerwart des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg.

Er pflichtet Kibler bei, indem er die hier lebenden Wasserbewohner als „absolut friedfertig gegenüber Menschen“ bezeichnet. Die genannten Fischbisse von 2020 und 2022 seien „absolute Zufälle, die es äußerst selten gibt“. Dennoch könne so etwas 'mal vorkommen, da insbesondere der Hecht, wie im Aulendorfer Fall geschehen, „visuell leicht reizbar“ sei, „als Stellungsjäger wahnsinnig schnell reagiert“ und „gezielte Attacken reitet“, weiß Palubitzki. Und er stützt die These Kiblers, dass der Fisch im Steegerseebad unterhalb des Steges seinen Unterstand gehabt haben könnte oder dass das Tier am Jagen gewesen sei und sein eigentliches Ziel kurz aus den Augen verloren habe. „Das könnte den pfeilschnellen Angriff auf den Fuß des Badegastes erklären.“

Am Waldseer Fischbiss im Sommer 2020 sei aber mit Sicherheit kein Wels beteiligt gewesen, wie damals vermutet wurde. Palubitzki: „Wenn Blut floss, kann es nur ein Hecht gewesen sein, weil er sehr spitzige, scharfe Zähne hat.“

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