Freibad-Öffnungszeiten müssen nicht eingeschränkt werden

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Diese vier Fachangestellte für Bäderbetriebe rocken das Waldseer Freibad im Sommer zusammen mit Aushilfskräften (von links): An
Diese vier Fachangestellte für Bäderbetriebe rocken das Waldseer Freibad im Sommer zusammen mit Aushilfskräften (von links): Ann-Katrin Arnold, Hans-Peter Moser, Marc Steiner und Eugen Golschin, der seit Dienstag das Team verstärkt. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Landauf, landab herrscht in Frei-, Hallen- und Spaßbädern Personalnot, weil in der Branche seit Jahren zu wenig ausgebildet wird. Mehrere Kommunen mussten deshalb die Öffnungszeiten der Freizeiteinrichtungen einschränken. Im Waldseer Freibad wird ein solcher Schritt dank einer Neueinstellung zum 1. Juli und eines guten „Aushilfe-Pools“ in der laufenden Saison nicht notwendig. Aber auch hier ist beim Aufsichtspersonal alles auf „Kante genäht“. Nur wenn keiner aus der Stammbelegschaft ausfällt, können die Öffnungszeiten gehalten werden, wie Walter Gschwind vom verantwortlichen Fachbereich Wirtschafts- und Kulturraum der Stadt einräumt.

Das „Hallo“ war am Dienstag groß, als Eugen Golschin seinen Dienst als Fachangestellter für Bäderbetriebe im Freibad aufnahm. Der 26-Jährige hatte hier bereits seine Ausbildung durchlaufen und kehrt nach zweijährigem Einsatz in der Waldsee-Therme zurück an seinen ursprünglichen Arbeitsplatz unter blauem Sommerhimmel. „Die Aufgaben im Freibad sind sehr vielfältig, weil neben der Badeaufsicht auch viel an technischem Wissen eingefordert wird. Mir macht der Beruf unheimlich Spaß und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen“, gibt ein entspannter Golschin der SZ zu Protokoll.

Auch Betriebsleiter Hans-Peter Moser sowie seine beiden hauptamtlichen Kollegen Marc Steiner und Ann-Katrin Arnold konnten die personelle Verstärkung zum 1. Juli kaum erwarten. Zumal jüngst eine Mitarbeiterin aus dem Stammteam gekündigt hat, um eine zweite Ausbildung zu beginnen. „Zum Glück haben wir einen guten ,Aushilfe-Pool’ mit 450-Euro-Kräften, die uns auch in diesem Sommer zur Verfügung stehen. Teilweise sind das Abiturienten, die über den DLRG-Rettungsschein verfügen und die Zeit bis zur Aufnahme eines Studiums als „Ferienjob“ nutzen. „Aber hauptamtliche Kräfte zu finden ist ein reines Glückspiel, weil zu wenig ausgebildet wird und der Markt an Fachangestellten leergefegt ist“, weiß Moser.

Dennoch hofft er, dass die eben frei gewordene Position der Kollegin zu Beginn der neuen Badesaison 2019 besetzt werden kann. „Bad Waldsee hat ein attraktives Bad, weil die Stadt hier Jahr für Jahr große Summen investiert. Die Resonanz der Gäste aus einem großen Einzugsbereich auf unsere Einrichtung ist jedenfalls rundum positiv“, freut sich der Betriebsleiter und verweist auch auf die anstehende Modernisierung der Freibad-Gastronomie, mit der im Herbst begonnen werden soll.

Doch auch in der Kurstadt fehlt es an Auszubildenden. „Früher hatten wir jedes Jahr drei Lehrlinge, derzeit ist es gerade noch einer“, schildert Moser das Problem bei den Azubis, die später als Fachangestellte am Beckenrand notwendig gebraucht würden. „Zum Glück haben wir aktuell noch zwei weitere Bewerbungen zum Ausbildungsstart im September bekommen.“ Voraussetzung für die dreijährige duale Ausbildung im Freibad mit Theorieunterricht in Lindau ist laut Moser ein Haupt- oder Werkrealabschluss. „Bewerber sollten Interesse haben am Bereich Technik, aber auch an der notwendigen Grünpflege. Und natürlich sollte man offen auf Badegäste zugehen können und einfach gerne mit Menschen arbeiten.“ Dass die Kandidaten Rettungsschwimmer sein (oder werden) müssen, versteht sich von selbst.

Die im Sommer verlorengegangene Freizeit können die Mitarbeiter im Winter nachholen. Dann werden die angesammelten Überstunden abgebaut und es bleibt Zeit zum Skifahren oder für Reisen in warme Länder. „Darauf muss man sich dann eben einlassen und etwas umdenken“, so Moser. Und wer zu wenig Überstunden hat, weil er erst im Juli startet wie Golschin, der ist in der kalten Jahreszeit in der Waldsee-Therme oder in der Saunawelt am Start. „Das ist das Schöne in Bad Waldsee, dass es dank des Kurbetriebes mehrere Bäder gibt mit verschiedenen Einsatzmöglichkeiten für unsere Mitarbeiter.“

Auch Rüdiger Vinzelberg, Personalchef der Stadt Bad Waldsee, macht Werbung für eine Ausbildung in Badebetrieben: „Der Beruf bietet gute Weiterbildungsmöglichkeiten an - auch ein Meister kann sich anschließen.“ Ein solcher „Meister“ ist Marc Steiner vom Freibadteam – und zugleich inzwischen auch Vertreter Mosers. „Alles ist machbar in diesem Beruf – ich kann es jungen Leuten nur empfehlen, sich zu informieren oder bei einem Praktikum ’mal hineinzuschnuppern in den Job.“

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