Frauen als Pfarrer: 50 Jahre Gleichstellung

Lesedauer: 4 Min
 Die Pfarrerinnen Sonja Bredel, Barbara Vollmer, Ulrike Hermann und Birgit Oehme haben den Gottesdienst miteinander vorbereitet.
Die Pfarrerinnen Sonja Bredel, Barbara Vollmer, Ulrike Hermann und Birgit Oehme haben den Gottesdienst miteinander vorbereitet. (Foto: Christoph Leopold)
Schwäbische Zeitung

Mit einem berührenden Abendmahlsgottesdienst hat der Evangelische Kirchenbezirk Ravensburg am vergangenen Sonntag, kurz vor dem Reformationsfest, das 50. Jubiläum zur Gleichstellung von Frauen im pfarramtlichen Dienst gefeiert. Ökumenische Gäste aus nah und fern feierten mit.

Die Pfarrerinnen Sonja Bredel, Ulrike Hermann, Birgit Oehme und Barbara Vollmer hatten den Gottesdienst miteinander vorbereitet. Im Zentrum stand das Pauluswort: „In Christus gibt es weder Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt eins in Christus Jesus“, das der Apostel um das Jahr 50 an die Gemeinden in Galatien geschrieben hatte. Die vier Pfarrerinnen legten in einem jeweils kurzen Predigtteil dazu ihren Schwerpunkt.

Ulrike Hermann zog die Parallele zum Schöpfungsbericht: Wie Gott am Anfang den Menschen als Mann und Frau schuf, so postuliert Paulus eine neue, freilich daran anknüpfende Schöpfung in Christus. Bei ihm und vor ihm sind alle Christenmenschen gleichrangig. Birgit Oehme betonte unter anderem, dass Frauen schon zur Zeit der ersten Christen Leitungsämter innehatten und beklagte, dass die ersten Christen leider sehr schnell wieder zu alten patriarchalen Gewohnheiten zurückkehrt sind.

Angesichts dessen fragte Barbara Vollmer grundsätzlich, wie ernst Christenmenschen das Evangelium überhaupt nehmen und wie viel sie davon umsetzen, nicht nur, was die Stellung der Frau betrifft, sondern auch im Umgang mit Armut und Reichtum, mit Kranken, Notleidenden oder Ausländern. Sonja Bredel predigte von der Freiheit, die Christus, die das Evangelium den Menschen bringt; eine Freiheit von allen Festlegungen, von jeglichem Schubladendenken und gesellschaftlichen Konventionen. Eine Freiheit zur Gleichberechtigung aller Menschen.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es bei einem Stehempfang Grußworte von kirchlicher und kommunaler Seite. Der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp bedankte sich für die Selbstverständlichkeit, mit der alle zum Abendmahl eingeladen waren, und wünschte sich dies auch von seiner katholischen Kirche. Dabei beklagte er die jüngsten Vorgänge um die „Ravensburger Vereinbarung“. Auch Sabine Bumüller-Frank, katholische Hochschulseelsorgerin, wünschte sich das Weiheamt für Frauen.

Bei einem anschließenden Fest im Matthäusgemeindehaus klang das gelungene Jubiläum bei anregenden Gesprächen, leckeren Suppen und feiner Livemusik von den Pfarrerskollegen Martin Henzler-Hermann (Saxofon und Gesang) und Stefan Brückner (Klavier) aus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen