Flüchtlinge demonstrieren vor dem Rathaus

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Rund 60 Flüchtlinge machten in Bad Waldsee auf ihren Unmut aufmerksam.
Rund 60 Flüchtlinge machten in Bad Waldsee auf ihren Unmut aufmerksam. (Foto: Privat)
Wolfgang Heyer

Rund 60 Flüchtlinge aus der Notunterkunft in der Stadthalle haben am Dienstagmittag vor dem Rathaus in Bad Waldsee demonstriert. Wie Stadt und Polizei in ihren Pressemeldungen mitteilen, machten die Asylbewerber bei der sogenannten Spontanversammlung auf ihre Probleme aufmerksam.

Es habe sich um Klagen gegen die Unterbringung gehandelt, ist aus den Pressemitteilungen zu lesen. Detaillierte Informationen dazu gibt es derzeit nicht. „Die Klagen konnten nicht spezifiziert werden“, erklärt Simone Demuth, Heimleiterin der Johanniter in der Notunterkunft.

Schriftlich hätten die Flüchtlinge ihre Kritikpunkte und Anliegen mitteilen wollen, diese lagen am Mittwochnachmittag allerdings weder der Stadt, noch dem Landkreis, noch den Johannitern vor.

Essensangebot kritisiert

Demuth selbst sei von den Bewohnern der Stadthalle nicht über die Versammlung informiert worden und auch im Vorhinein habe es keine Vielzahl an Beschwerden gegeben. Hier und da sei mal das Essensangebot kritisiert worden sowie die allgemeine Situation in der Stadthalle: „Aber, und das möchte ich betonen, es handelt sich eben um eine Notunterkunft, die nur für eine begrenzte Zeit geplant ist und die mit einer Anschlussunterkunft nicht vergleichbar ist.“

Auch sei ihr zu Ohren gekommen, dass die Bearbeitung der Asylanträge und das Warten auf Termine beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus Sicht der Flüchtlinge sehr lange dauern würden und für Unmut sorgen. „Das liegt aber außerhalb unseres und auch des städtischen Zuständigkeitsbereichs“, verdeutlicht die Heimleiterin.

Flüchtlinge in Hungerstreik getreten

Obgleich Demuth von der Aktion überrascht wurde, zeigt sie sich gesprächsbereit. „Wir sind gerne bereit, in Abstimmung mit der Stadt und dem Landkreis, auf Forderungen einzugehen, wenn wir sie bekommen.“ Bis dahin sei es gleichwohl schwierig, etwas zu verändern oder anzupassen.

Wie im Zuge der Demonstration auch bekannt wurde, sind einige Flüchtlinge in Hungerstreik getreten. „Ja, die gibt es“, bestätigt Demuth. Sie vermutet, dass auch diese Aktion mit der Spontanversammlung und den Unmutsbekundungen zu tun haben könnten.

Friedlich und störungsfrei

Wie die Stadt mitteilt, hatten die Flüchtlinge auch Plakate dabei, auf denen sie sich schriftlich bei der Regierung und der deutschen Bevölkerung bedankten. Laut Polizeibericht verlief die Spontanversammlung friedlich und störungsfrei. Nach einer halben Stunde habe sich die Versammlung aufgelöst und die Asylbewerber seien größtenteils wieder in die Stadthalle zurückgekehrt.

Die Ordnungs-und Sozialamtsleiterin Gerlinde Buemann sprach mit den Flüchtlingen und fragte nach ihren Problemen.

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