Fitte Senioren: „Alter ist keine Einschränkung“

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 Die „DAV Senioren Montagsradler“ fahren im Sommer viele Kilometer, so wie hier vom Eselsburger Tal zur Brenzquelle und zurück d
Die „DAV Senioren Montagsradler“ fahren im Sommer viele Kilometer, so wie hier vom Eselsburger Tal zur Brenzquelle und zurück durchs Wental. (Foto: Franz Graf)
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Viele Bad Waldseer Senioren halten sich bewusst fit. Wie? Das haben sie der „Schwäbischen Zeitung“ anlässlich Wolfgang Heyers Selbstversuch im Alterssimulationsanzug („Plötzlich 70: Wie Alltägliches zur Herausforderung wird“, 3. Mai) berichtet und wiederlegen damit eindrücklich die beschriebenen körperlichen Einschränkungen.

Der 74-jährige Karl Weber aus Gaisbeuren hält sich beispielsweise mit Tischtennis fit. Seit 45 Jahren geht er seinem Hobby recht erfolgreich nach und nimmt an Europa- und Weltmeisterschaften teil. Im Juli geht es zur EM in Budapest und 2020 zur WM in Bordeaux. „Wenn mein Meniskus nicht zwickt, gehe ich zum Joggen. Unter zehn Kilometer mach ich`s nicht. Zwei bis dreimal Training in der Woche sind dann obligatorisch. Bis 2018 habe ich beim Waldseer Lauffieber die Sonntagmorgenläufe geleitet. Immer zwischen circa 12 bis 17 Kilometer. Sonntag für Sonntag. Ohne Pause über zehn Jahre“, schreibt Weber. Über etliche weitere Laufereignisse kann Weber berichten, und so weiß er aus sportlicher Erfahrung: „Wenn man positiv denkt, körperlich aktiv bleibt und sich auch mit jungen Menschen umgibt – im Sport leicht möglich – dann ist das Alter Nebensache, jedenfalls für mich. Wenn ich nicht jedes kleine Zipperlein beachte, dann kann ich noch hoffentlich sehr lange viel für meine Gesundheit tun. Sehen mit Brille geht normal. Hören trotz Tintus auf einem Ohr kein Problem. Handicaps gibt`s für mich nicht. Mit der richtigen Lebenseinstellung ist alles möglich, auch mit 74 Jahren.“

Doktor Werner Bader beschreibt es so: „Fitness im Alter hat nun mal die Grundvoraussetzung von weitgehender Gesundheit – dies ist im Normalfall kein Zufallsprodukt, sondern Folge der Lebensweise – Gesunderhaltung – Salutogenese. Prävention bedeutet hier möglichst frühzeitig und anhaltende positive Einflüsse auszuüben. Ziel sind nicht nur mehr Lebensjahre, sondern auch gute Lebensqualität. Die Ernährung allein wirkt sich mit 70 Prozent auf unsere chronischen Zivilisationserkrankungen wie Gefäßerkrankungen und Krebs aus. Sport kann das Herzinfarktrisiko halbieren und das Leben um circa fünf Jahre verlängern.“ Der Experte gibt diese Tipps: 1. Je früher man eine gesunde Lebensweise praktiziert, umso größer sind die Erfolge. 2. Es ist trotzdem (fast) nie zu spät. 3. Kontinuität kommt vor Quantität – auch kleine tägliche Maßnahmen haben Effekte, beispielsweise 20 bis 30 Minuten gut bewegen. 4. Denken Sie an den Motivationsfaktor Spaß – nicht quälen. Und 5. Wenn der innere Schweinhund nicht will: Stellen Sie sich positive Bilder vor.

„Lauter kniegeschädigte Bergler“

Senior Franz Graf aus Ehrensberg hält sich mit den „DAV Senioren Montagsradlern“ fit. „Eine Gruppe mit sechs bis acht Personen lauter kniegeschädigter Bergler machen den ganzen Sommer – von April bis November – Fahrradtouren mit dem E-Bike. Ihr Radius ist enorm“, schreibt Graf. Vom Bodenseee bis Oberstdorf, Füssen und Schwäbische Alb bis hin zum Lautertal. Höhepunkte mit circa 900 Höhenmetern Tagesleistung sei eine Fahrt zum Schachenhaus gewesen. Der Höhenweg im Montafon zum Kristberg und eine Silvretta Runde würden von den Fahrern Kondition und bei der Abfahrt fahrerisches Geschick verlangen – vor allem durch das Alter von 70 bis 86 Jahren. „Diese Touren zeigen, Alter ist keine Einschränkung. Es verlangt nur Training und Wille, etwas zu tun“, betont Graf.

Gisela Teschner leitet die Gruppe „Tanzen erhält Körper, Geist und Seele gesund“, bei der jeden Donnerstagabend bis zu 24 Damen im Wohnpark im Schloss zusammen sporteln. „Die aktiven Seniorinnen zwischen 64 und 82 Jahren tanzen unter dem Motto ,Tanzen einmal anders’ verschiedene Tänze aus aller Welt. Dabei geht es auch darum, beim Tanzen soziale Kontakte in fröhlicher Gemeinschaft zu pflegen, kurzum Lebensfreude und Lebensqualität zu erhalten oder gar zu erhöhen. Dazu gehören Gedächtnistraining, Konzentration und Koordination sowie Herz-Kreislauf- und Muskeltraining“, teilt die ausgebildete Tanzleiterin des Bundesverbandes Seniorentanz mit. Sie kennt die Vorteile des Tanzes: „Tanzen ist eine Verbindung von Musik und Bewegung und Körperhaltung. Schritte, Drehungen und Choreografie – viele Entscheidungen sind beim Tanzen zu treffen. Diese Bewegung bringt dem Leben mehr Jahre, aber vor allem: mehr Leben in die Jahre.“ Ihre Teilnehmerinnen sind jedenfalls begeistert bei der Sache.

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