Fachkräfte sichern durch Weiterbildung

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Henry Schwedt (von links), Franz Schairer und Andy Stephan von der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg informierten in Bad Wa
Henry Schwedt (von links), Franz Schairer und Andy Stephan von der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg informierten in Bad Waldsee regionale Unternehmensvertreter über Fördermöglichkeiten in Sachen Fachkräftesicherung. (Foto: Agentur für Arbeit Konstanz Ravensburg)
Schwäbische Zeitung

Für Unternehmen wird es aufgrund des digitalen Wandels und der demografischen Entwicklung immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden und gleichzeitig die eigenen Beschäftigten auf einen aktuellen Wissensstand zu bringen. Aus diesem Grund veranstaltete die Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg in Kooperation mit der Stadt Bad Waldsee und dem Versandhaus Walz einen Informationsabend rund um das Thema „Fachkräftebedarf – Mitarbeiter suchen, finden, qualifizieren“. Rund 40 regionale Unternehmer und Personalverantwortliche informierten sich aus erster Hand über Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten in Sachen Mitarbeiterqualifizierung, heißt es in einer Pressemitteilung der Agentur für Arbeit.

Tiefgreifende Veränderung in der Berufswelt

Die Digitalisierung bringe eine tiefgreifende Veränderung für bestehende Berufe und einen Wandel der Berufsbiografien mit sich, prognostizierte Franz Schairer von der Agentur für Arbeit. Im Zuge einer zunehmenden Komplexität von Qualifikationsprofilen seien neue, agile Arbeits- und Führungsstrukturen erforderlich. Hierarchische Strukturen würden abgebaut und durch ein Miteinander-Planen und -Umsetzen ersetzt. „Dies stellt ganz andere Ansprüche an Mitarbeiter und Chefs“, wird Schairer in dem Schreiben zitiert. Seriöse Prognosen rechnen durch den Technologiewandel mit einem Wegfall von 1,3 Millionen Arbeitsplätzen, so Schairer weiter. 89 Prozent der Tätigkeiten eines Metallhelfers beispielsweise würden künftig durch Automatisierung abgedeckt. Im Gegenzug werden rund 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze mit neuen Profilen entstehen. Aktuell gebe es im Arbeitsagenturbezirk über 319 500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr – Tendenz steigend. Schairer: „Die Arbeit wird uns künftig nicht ausgehen, aber sie wird sich verändern.“

„Die Arbeit wird uns künftig nicht ausgehen, aber sie wird sich verändern.“ Franz Schairer von der Agentur für Arbeit

Henry Schwedt von der Agentur für Arbeit appellierte an die Unternehmensvertreter, rechtzeitig mit der Suche nach Fachkräften anzufangen. Hierbei spielen Angebote wie ÖPNV-Fahrscheine oder E-Bike-Leasing eine zunehmend größere Rolle, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Als Alternativen zur Fachkräftegewinnung empfahl Schwedt, Ausbildungsstellen zu schaffen und das Potenzial der eigenen Belegschaft zu erkennen. „Sie können durch eine strategische Personalentwicklung viel bewirken“, so Schwedt gemäß dem Bericht und verwies auf Umschulungen oder berufliche Weiterbildung der Mitarbeiter. Die Arbeitsagentur biete vielfältige Beratung und Unterstützung bei der Mitarbeiter-Rekrutierung und Personalentwicklung.

Mehr Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für Qualifizierung, ergänzte Andy Stephan von der Agentur für Arbeit. Durch das Qualifizierungschancengesetz stünden deutlich mehr Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung als bisher. So können Beschäftigte unabhängig von Alter, Qualifikation und Betriebsgröße Zugang zu einer Weiterbildungsförderung erhalten, wenn ihre Tätigkeit durch neue Technologien ersetzt werden kann oder sie in sonstiger Weise vom Strukturwandel betroffen sind. Auch für Beschäftigte ohne verwertbaren Berufsabschluss sei eine geförderte Weiterbildung beziehungsweise Umschulung möglich, so Stephan. Die Zuschüsse für Lehrgangskosten und für das Arbeitsentgelt während der Weiterbildung variieren je nach Betriebsgröße und sind nur an wenige Bedingungen gebunden. „Ziel der Weiterbildungsmaßnahmen ist es, das Qualifizierungsniveau der Beschäftigten auf den aktuellen Wissensstand zu bringen“, wird Stephan in der Pressemitteilung widergegeben.

Von ihren positiven Erfahrungen in Sachen Mitarbeiterqualifizierung und einer kompetenten Unterstützung durch die Arbeitsagentur berichteten abschließend Lothar Kimpfler, Geschäftsführer von Bohrtechnik Kimpfler in Bad Wurzach, und Roland Haug, Einrichtungsleiter des Spitals zum Heiligen Geist in Bad Waldsee. Franz Schairer appellierte abschließend an die Unternehmensvertreter, sich als „Fachkräfte-Macher“ zu engagieren: „Wir von der Agentur für Arbeit wollen als Partner gemeinsam mit Ihnen individuelle Strategien zur Fachkräftesicherung entwickeln.“

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