Fürs Durchhalten gibt es Bonbons, Schwarzwurst und Heu

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Fürs Durchhalten gibt es Bonbons, Schwarzwurst und Heu
Schwäbische Zeitung
Dagmar Brauchle

Eisschrankkälte? Ha wellaweag! Die Narrengilde und ihre Gäste haben trotz Minusgraden viel Spaß.

„Wir sollten noch schnell die Leute aus den Häusern rausschreien“, meinte Uwe Wolfgang, Chronist der Narrengilde Schussentäler Reute. „Die haben vielleicht noch nicht mitgekriegt, dass heut schönes Wetter ist.“ Doch, das haben sie. Von seinem Fenster ganz am Anfang des Umzugs, wo er zusammen mit Sven Stimmler, dem Zunftmeister der Vogter Heufresser, den Narrensprung kommentierte, standen zwar tatsächlich kaum Zuschauer, aber schon ein Stückchen weiter sah es richtig gut aus.

Weder Frostgrade noch eisiger Wind im Gesicht, weder kalte Füße noch klamme Hände trotz dicker Socken und Handschuhe hielten das närrische Volk davon ab, den Höhepunkt der Fasnet in Reute hautnah mitzuerleben und den fast 70 Narrenzünften und Musikgruppen eine lebendige Kulisse zu bieten. Bei strahlendem Sonnenschein bot sich dem Publikum denn auch ein lustiger, farbenfroher und abwechslungsreicher Umzug und 80 Minuten ließen sich so gerade aushalten.

Auch die Instrumente hielten der Kälte stand, so dass die zahlreichen Musikanten mit flotten Rhythmen einheizen konnten. Um in Bewegung zu bleiben, wurde im Takt der Musik gewippt, gehüpft und geklatscht und um die Zunge geschmeidig zu halten, bewährte sich einmal mehr das Schreien der Narrenrufe: „Etz guggat au – ha lass me gau“ oder „Knocha krachet – Goischter lachet“, kurz und knapp „Zapfa – Duschder“ oder nicht ganz so einfach „Lass d’ Finger von dr Fehl – sonscht juckt dr da Deifel an d’ Kehl“ und viele Sprüche mehr waren zu hören.

Fürs Durchhalten und Mitmachen bedankten sich die Hästräger mit Bonbons oder einem Rädle Schwarzwurst, mit einer Handvoll Papierschnipsel oder Heu im Haar oder auch mit einer gekonnten akrobatischen Einlage. Das zweifelhafte Vergnügen, unter einer Meute wild gewordener Hexen auf der Straße oder immerhin einer Matratze zu liegen, blieb glücklicher Weise jenen vorbehalten, die dieses Erlebnis tatsächlich so schlecht nicht finden.

Generalprobe für Jubiläumsumzug

Die anderen freuten sich am Übermut der Berger Tobel-Hexa, die ihrem Narrenruf „Lasset’s fetza“ alle Ehre machten. Rutschten sie doch mir nichts dir nichts im Sonnenschein auf ihrem Hexenhosenboden den verschneiten Klosterbuckel herunter. Ein närrisches, heiteres Treiben. Die Hosen und Röcke trockneten danach in der Halle oder in einem der Lokalitäten hoffentlich schnell wieder.

Der gestrige Narrensprung in Reute war mit seinem um eine halbe Stunde vorverlegten Beginn quasi die Generalprobe für den Jubiläumsumzug im kommenden Jahr. Dann feiert die Narrengilde Schussentäler Reute nämlich ihren 50. Geburtstag und lädt aus diesem Anlass am 3. Februar zum großen Freundschaftstreffen des Alemannischen Narrenrings (ANR) ein.

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