Eva Hofmann läuft bei Ultra-Marathon aufs Treppchen

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Eva Hofmann ist Dritte beim Ulmer Ultra-Marathon geworden – ihr erster über 100 Kilometer.
(Foto: pr)
Kara Ballarin

Eva Hofmann ist das Glück noch anzumerken. Freitagnacht ist sie bei der 5. Ulmer Laufnacht beim Ultra-Marathon erstmals über die 100 Kilometer gestartet und als dritte Frau nach genau elf Stunden, 20 Minuten und 14 Sekunden wieder in Blaustein über die Ziellinie gelaufen. „Die 100 Kilometer wollte ich schon vor ein paar Jahren laufen, das ist seit Jahren ein Traum von mir“, sagt sie. Damals kam eine Verletzung dazwischen, und auch dieses Mal gab es vorher Komplikationen.

Zwei Wochen vor dem Bad Waldseer Lauffieber hat sich Hofmann einer Zahn-OP unterziehen müssen. „Ich bin mit dicker Backe den Marathon mitgelaufen. Da hatte ich schon zu kämpfen“, sagt sie. Da der Zahn bereits vorher Probleme gemacht hatte, musste sie ihr Training beschränken. „Meine Haupttrainingszeit war im Winter“, berichtet Hofmann – und das sieht dann so aus: Jeden Morgen steht sie vor 4 Uhr auf und läuft zwischen 20 und 60 Kilometer, abhängig davon, ob sie anschließend zur Arbeit muss. So kann es sein, dass sie am Wochenende die 60 Kilometer läuft, frühstückt und danach noch drei Stunden auf dem Ergometer trainiert. „Wenn mich morgens jemand mit Stirnlampe, Stöcken und Rucksack sieht, dann sollen sie wissen: Ich bin nicht durchgeknallt, ich trainiere“, sagt sie lachend. Die Jugendlichen, die am Wochenende morgens von der Disko heimlaufen, sparen sich mittlerweile dumme Kommentare, sondern gehen ihr aus dem Weg. „Die kennen mich schon“, so Hofmann.

Seit sie 18 ist läuft sie. „Damals hab’ ich noch eine Schachtel Kippen am Tag geraucht.“ Kurz nachdem die heute 35-Jährige von München nach Waldsee gezogen ist, hat sie 2007 die ersten Runden um den Stadtsee gedreht und ein halbes Jahr später an ihrem ersten Halbmarathon teilgenommen. „Ich war total fertig. Aber damals hab’ ich die ersten Berichte über Ultra-Läufe gelesen und seitdem träume ich davon“, sagt sie.

Trotz eingeschränkten Trainings war es endlich in Ulm soweit. „Ich hab’ gedacht, wenn ich es nicht schaffe, steige ich nach 50 Kilometern aus.“ Einen Motivationsschub gab es bei den großen Streckenabschnitten. Dort stand Hofmanns Mann Oliver, spornte sie an, vergewisserte sich, dass es ihr gut geht. Nach 60 Kilometern wurden die Beine schwer, Kilometer 93 bis 99 ist sie nur noch schnell gegangen. „Da war’s bei mir aus“, so Hofmann. Ihre Zielzeit von zehn Stunden hat sie nicht erreicht – umso überraschender die Ansage des Moderators beim Zieleinlauf, dass sie die dritte Frau sei. „Das hätte ich nie gedacht“, sagt sie.

Ganz wichtig bei dem Sport: „Man muss aufpassen auf sich und auf seinen Körper hören!“ Das will sie auch weiterhin tun, mit Blick auf die nächsten Herausforderungen: zunächst im August der Allgäu-Panorama-Ultramarathon in Sonthofen, ein Berglauf über 70 Kilometer und 3000 Höhenmeter. „Wenn ich den auch schaffe, möchte ich nächstes Jahr beim Zugspitz-Ultratrail starten“ – eine Strecke über 100 Kilometern und 5400 Höhenmeter. All das sind Schritte auf dem Weg zum Traumlauf: dem Ultra-Trail du Mont-Blanc über 168 Kilometer, mehr als 9000 Höhenmeter und einem Zeitlimit von 46 Stunden. „Das heißt fast zwei Tage und Nächte laufen“, so Hofmann. Bis zu ihrem 40. Geburtstag möchte sie diesen Lauf angehen.

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