„Es reicht nicht, die Löhne in der Altenhilfe anzuheben“

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 Peter Wittmann , Sprecher des Vorstands der Stiftung Sankt Elisabeth.
Peter Wittmann , Sprecher des Vorstands der Stiftung Sankt Elisabeth. (Foto: Felix Kästle/St. Elisabeth-Stiftung)
Schwäbische Zeitung

Die St. Elisabeth-Stiftung fordert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, um mehr Menschen für eine Tätigkeit in der Pflege zu gewinnen. „Es reicht nicht, die Löhne in der Altenhilfe anzuheben“, sagt Peter Wittmann, Sprecher des Vorstands der St. Elisabeth-Stiftung. „Was wir wirklich brauchen, ist eine spürbare Verbesserung der Betreuungsschlüssel und damit mehr Zeit für die uns anvertrauten Menschen.“

Die Pflegekommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern hatte am 28. Januar empfohlen, dass der Mindestlohn für qualifizierte Pflegehilfskräfte von heute 10,85 Euro im Osten und 11,35 Euro im Westen vereinheitlicht und in mehreren Schritten bis zum 1. April 2022 auf 13,20 Euro angehoben werden soll. Laut Pressemitteilung soll es ab 1. Juli 2021 zudem erstmals einen Mindestlohn für Pflegefachkräfte von 15 Euro geben. Dieser soll zum 1. April 2022 auf 15,40 Euro steigen.

Arbeitsbedingungen sind schlecht

Grundsätzlich befürworte Peter Wittmann laut Pressemitteilung einen Mindestlohn und die Anhebung der Löhne in der Altenhilfe „Eine gute Bezahlung ist Ausdruck der Wertschätzung der Arbeit der Menschen, die in der Altenhilfe tätig sind“, sagte Wittmann. Ein Mindestlohn allein löse aber das Problem nicht, dass in der Pflege bundesweit viele Tausend Arbeitskräfte fehlen, so Wittmann. „Die St. Elisabeth-Stiftung bezahlt den Tarif der Caritas. Selbst ein Berufsanfänger verdient bei uns bereits jetzt 16,69 Euro in der Stunde. Mitarbeitende, die schon einige Jahre für uns tätig sind, verdienen noch einmal mehr“, sagt der Vorstand. „Wir tun uns trotzdem schwer Stellen zu besetzen. Die Hauptursache dafür ist nicht die Bezahlung. Es sind die Arbeitsbedingungen. Was wir brauchen, ist mehr Zeit für pflegebedürftige Menschen. Diese Zeit ist durch die gesetzlichen Vorgaben zu stark limitiert.“

Bessere Betreuungsschlüssel wirken sich positiv aus

Mehr Personal und damit bessere Betreuungsschlüssel für Pflegeeinrichtungen, das fordert Wittmann „Wir können aus unserer eigenen Erfahrung belegen, wie positiv sich bessere Betreuungsschlüssel auswirken“, sagt er. „Wir können ganz konkret beobachten, dass bei besseren Arbeitsbedingungen die Mitarbeiterzufriedenheit höher und der Krankheitsstand niedriger ist. Und wir tun uns viel leichter, unter den besseren Bedingungen Personal zu finden.“

Die Konsequenz: „Bessere Arbeitsbedingungen werden nur mit mehr Geld im System Pflege zu erreichen sein“, sagt der Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung und betont gleichzeitig: „Es muss aber klar sein, dass dieses zusätzliche Geld nicht von den Pflegebedürftigen oder ihren Angehörigen kommen kann. Diese sind mit ihrem Eigenanteil an den Kosten eines Pflegeheimplatzes bereits am Limit.“ Ein konkretes Beispiel: Im Pflegeheim des Wohnpark St. Josef, den die St. Elisabeth-Stiftung in Altshausen betreibt, liegt der Eigenanteil schon über 2800 Euro pro Monat. Für Wittmann ist klar: „Wenn wir die Kosten für verbesserte Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte auf Pflegeheimbewohner abwälzen, werden wir keine Akzeptanz finden.“

Umgestaltung der Finanzierungsstruktur

Stattdessen plädiert die St. Elisabeth-Stiftung zusammen mit den anderen Mitgliedern in der Initiative „Pro Pflegereform“ (www.pro-pflegereform.de) für den sogenannten „Sockel-Spitze-Tausch“: Bisher ist der Betrag, den die Pflegeversicherung für einen Platz im Pflegeheim bezahlt, fest geschrieben - die Pflegebedürftigen oder ihre Angehörigen müssen den Rest der Kosten tragen. „Pro Pflegereform“ will das umdrehen: Der Eigenanteil für Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen soll festgeschrieben sein und der Rest aus Mitteln der Pflegeversicherung oder aus Steuermitteln finanziert werden. „Wir brauchen diese Umgestaltung der Finanzierungsstruktur“, sagt Peter Wittmann. „Und wir sind gespannt, was Herr Spahn vorlegen will.“

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