Monika Scheeff
Monika Scheeff (Foto: Scheeff)
Schwäbische Zeitung

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich Monika Scheeff aus Reute für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ein. Die Gründerin des Vereins „Hüdde & Mehr“ engagiert sich außerdem in der Solidarischen Gemeinde Reute-Gaisbeuren für die Pater-Berno-Stiftung Temeswar und war von 2009 bis 2014 fünf Jahre lang als Ortschaftsrätin engagiert. Die Mutter von vier Kindern hat als Krankenschwester und als Sozialdienst einer Altenhilfeeinrichtung gearbeitet – gesellschaftliche Bereiche, in denen das Ehrenamt eine große Rolle spielt. Im Gespräch mit Karin Kiesel hat die 55-Jährige erläutert, warum ehrenamtlicher Einsatz wichtig ist und welche Probleme dabei auftreten.

Frau Scheeff, seit wann sind Sie ehrenamtlich engagiert?

Seit meiner Kindheit, ich kenne das auch gar nicht anders, denn in meiner Familie wurde das so vorgelebt. Mein Vater war 30 Jahre lang im Gemeinderat, mein Opa hat den Kirchenchor geleitet und war Organist, auch meine Mutter war ehrenamtlich tätig. Bei mir fing es mit den Ministranten an, ich war in der Jungen Union aktiv, war Organistin und Lektorin und später im Elternbeirat aktiv. Das Ehrenamt ist durchgehend in meinem Leben präsent. Durch meine katholische Erziehung war es für mich schon immer normal, dass man sich ehrenamtlich engagiert.

Warum ist Ihrer Meinung nach der Einsatz fürs Gemeinwohl wichtig?

Weil es für mich dazu gehört, dass man sich für seine Mitmenschen interessiert und sich für sie einsetzt. Es ist wichtig, Rückgrat zu zeigen. Wir Menschen sind ja nicht als Einsiedler oder Einzelkämpfer geboren. Man kann nicht durchs Leben gehen und sich für nichts interessieren und sagen, ist mir doch alles egal. Die Strukturen von früher, als die Familie alles aufgefangen hat, gibt es heute nicht mehr. Ob Krankheit, Alter oder Einkommensdefizite – heute muss das von der Gesellschaft ausgeglichen werden. Ohne Ehrenamt sind viele Bereiche wie beispielsweise die Altenhilfe nicht zu stemmen, weil es nicht bezahlbar ist.

Geben ohne eine Gegenleistung zu erwarten: Wie erfüllend kann ehrenamtlicher Einsatz sein?

Gebraucht zu werden ist ein wichtiger Faktor, das vermittelt ein gutes Gefühl. Durch ein Ehrenamt steigen zudem die sozialen Kontakte und man lernt immer etwas dazu. Das alles bereichert mich persönlich. Und ich kann mein im Beruf erworbenes Wissen einsetzen und Neues ausprobieren.

Was stört Sie am Ehrenamt?

Wenn man einmal drin ist, kommt man oft nicht mehr raus. Das ist die Problematik des Ehrenamts. Wer sich engagiert, wird oft von anderen Leuten wieder für andere Projekte angesprochen, nach dem Motto: Hier gibt es Bedarf, könntest du nicht noch? Der moralische Druck, der da manchmal ausgeübt wird, und die Zeitfrage halten viele Menschen ab, sich zu engagieren. Man sollte viel öfters projektbezogen arbeiten. Von dem alten Bild des Ehrenamts ,Jemand tut etwas Gutes und tut es bis an sein Lebensende’ sollte man sich verabschieden. Vielmehr sollte man die Leute aktiv ansprechen und sie fragen: Worauf hast du Lust, in welchem Bereich würdest du dich gerne engagieren? Und nicht nur Löcher stopfen, wo gerade jemand dringend gebraucht wird.

Das Ehrenamt als Werte-Spiegel betrachtet: Welche Werte und Tugenden drücken sich im sozialen Engagement aus und sind Ihrer Ansicht nach wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Wenn ich mich für jemanden ehrenamtlich engagiere, sehe ich, dass Hilfe oder Unterstützung notwendig ist, das heißt, ich habe Empathie für meine Mitmenschen. Außerdem respektiere ich sie, sonst würde ich mir nicht die Mühe machen, mich zu engagieren. Respekt und Mitgefühl sind der Grundstein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst’, ohne Gegenleistung zu erwarten.

Wenn Sie nicht engagiert wären: Was würden Sie stattdessen in Ihrer Freizeit tun?

(lacht) Lesen und entspannen.

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