„Es geht um echte Gleichberechtigung“

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„Immer wieder stößt man an die Mauern des Kirchenrechts“, stellte Moderator David Bösl bei der Podiumsdiskussion zum Thema Fraue
„Immer wieder stößt man an die Mauern des Kirchenrechts“, stellte Moderator David Bösl bei der Podiumsdiskussion zum Thema Frauen in der katholischen Kirche fest. (Foto: Seelsorgeeinheit Bad Waldsee)
Schwäbische Zeitung

Die Kirchengemeinde St. Johannes Haisterkirch hat ihr diesjähriges Gemeindefest unter das Motto „Maria schweigt nicht“ gesetzt. Damit werde eine Thematik aufgegriffen, die derzeit die Kirche in Deutschland und vor allem die Frauen in dieser Kirche bewegt, teilt die Seelsorgeeinheit Bad Waldsee mit.

Den ersten Akzent dazu setzte der Festgottesdienst am Morgen, in dem auch die Aufnahme der neuen Ministranten gefeiert wurde. In der Predigt gab es ein „Himmels-Gespräch“, das stimmlich von Kerstin Ploil und Tim Scheifele umgesetzt wurde. Darin unterhielten sich Maria und Josef über die aktuellen Streitthemen und kommentierten pointiert, was aus der Sicht des Himmels notwendige Schritte wären: die Achtung und der Respekt voreinander, die Einheit in der Vielfalt, das Vertrauen, dass Gott auch in schwierigen Zeiten die Kirche begleitet, das Entdecken des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen – Schlagworte, Lösungsansätze des himmlischen Paares, die alle auch in der Podiumsdiskussion am Nachmittag im Gemeindesaal benannt wurden.

Mitreden, Mitdiskutieren, Mitbeten

Unter der Moderation von David Bösl, Diakon und Gemeindeleiter einer Züricher Stadtgemeinde und wohnhaft in Haisterkirch, kamen sechs Frauen zu Wort, die sich laut Mitteilung alle in die Reihe derer einreihen können, die nicht länger schweigen wollen oder können und haupt- oder ehrenamtlich in der Kirche engagiert sind, als Diözesanrätin, als Gemeinde- oder Pastoralreferentin, als Kirchenmusikerin oder als Vorsitzende des hiesigen Frauenbundes. Gaby Merk, Kerstin Ploil und Sandra Weber haben sich etwa mit vier weiteren Frauen aus der Seelsorgeeinheit zur Aktionsgemeinschaft „Maria schweige nicht“ zusammengeschlossen. Sie laden ein, mitzureden, mitzudiskutieren, mitzubeten und zu singen.

Das Gespräch verlief nach dem methodischen Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“, wobei auch Fragen und Meinungen der Zuhörerschaft einbezogen wurden. Warum sind Frauen in der Kirche strukturell benachteiligt? Wo ist der Zusammenhang zwischen der Frauenfrage und dem Missbrauchsskandal? Wieviel Gleichberechtigung verträgt die katholische Kirche? Mit diesen Fragen sei Margret Kehle seit vielen Jahren unterwegs. Und sie scheue sich nicht, damit immer wieder auch auf Konfrontation mit Bischof Gebhard Fürst zu gehen. 98 Prozent der Männer im Diözesanrat, so ihre Aussage, unterstützen das Anliegen der Frauen nach Öffnung der Ämter auch für Frauen.

„Priesterbild nicht idealisieren“

Die Diskutantinnen seien sich darin einig gewesen, dass das Priesterbild an sich in den Blick genommen werden sollte und nicht weiter überhöht und idealisiert werden dürfe. Das Weiheamt für die Frauen wäre keine Lösung für den Priestermangel, denn bloße „Lückenfüller“ wollen die Frauen nicht sein. Es gehe um echte Gleichberechtigung und darum, ernst zu machen mit einer Orientierung an Charismen und Talenten.

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