Erwischt: Stadtsheriffs ertappen Müllsünder auf frischer Tat

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 Die Kontrollen fanden in der Lortzingstraße, im Heurenbacher Weg, in der Eschlestraße und in der Steinstraße statt.
Die Kontrollen fanden in der Lortzingstraße, im Heurenbacher Weg, in der Eschlestraße und in der Steinstraße statt. (Foto: Wolfgang Heyer)
Redaktionsleiter

Die Stadt Bad Waldsee hat unangekündigte Kontrollen an den Wertstoffsammelstellen durchgeführt, um Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen und anzeigen zu können. Insgesamt 35 Stunden legten sich die Stadtsheriffs auf die Lauer und konnten dabei zehn Personen der illegalen Müllentsorgung überführen.

Die zuständige Fachbereichsleiterin Margit Geiger berichtete dem Verwaltungsausschuss in seiner Sitzung am Dienstagabend von den Kontrollen der Mitarbeiter des städtischen Gemeindevollzugsdienstes. „Es ging darum, Müllsünder zu finden, eine Anzeige zu schreiben und ans Landratsamt, das zuständig ist, weiterzuleiten“, erklärte Geiger. So wurden in den vergangenen drei Monaten insgesamt 32 Kontrollen veranlasst. „Zehn Müllsünder wurden auf frischer Tat ertappt“, bilanzierte Geiger. Außerdem seien drei Adressen ausfindig gemacht worden. Somit veranlasste die Stadt 13 Anzeigen.

Bürgermeister Roland Weinschenk bezeichnete die Kontrolle als Spezialregelung und hob nochmals hervor, dass die Zuständigkeit beim Thema Müll eigentlich beim Landratsamt und nicht bei der Stadt liegt. „Die Kontrollen hatten eine mäßigen Erfolg“, lautete das Fazit des Stadtoberhaupts und er wurde noch deutlicher: „Der Aufwand war sehr hoch und der Ertrag minimal. Da kann man den Vollzugsdienst auch effektiver einsetzen. Das ist zwar bedauerlich, aber es ist so.“ Es gebe eben kein Allheilmittel gegen die Müllsünder.

Florian Becker (FW), der das Thema des wilden Mülls in den Sitzungen immer wieder mal aufbrachte, konterte die Kritik des Bürgermeisters: „Ich bin der Meinung, dass man das nicht nur mit Aufwand und Ertrag messen darf. Die Kontrollen schaffen ein Bewusstsein. Und das wird sich herumsprechen.“ Becker zeigte Verständnis dafür, dass eine Stadt mehr Bußgelder einnimmt, wenn beispielsweise Parksünder kontrolliert werden, „aber das ist nicht die einzige Aufgabe der Stadt“.

Weinschenk forderte dazu auf, das Thema differenzierter zu betrachten. Schließlich seien die Stadtsheriffs für andere Aufgaben eingestellt worden. „Ich hätte diese Aufgabe gerne dort, wo sie hingehört“, sagte der Bürgermeister und meinte damit das Landratsamt. Becker stimmte zu und lobte die Eigeninitiative der Stadt. Dieses Lob gab es fraktionsübergreifend. Wilhelm Heine machte sich für eine öffentlichkeitswirksame Mitteilung der Kontrollen stark.

Der Aufwand war sehr hoch und der Ertrag minimal. Da kann man den Vollzugsdienst auch effektiver einsetzen. Das ist zwar bedauerlich, aber es ist so. Bürgermeister Roland Weinschenk

„Es kann doch nicht sein, dass überall jeder seinen wilden Müll hinwerft“, sagte der CDU-Stadtrat. Rita König (SPD) sah die unangekündigten Kontrollen ebenfalls als „Bewusstseinsschaffende Maßnahme“ an. Stefan Senko (FW) würdigte die Aktion im Sinne einer sauberen Stadt: „Ich finde es klasse, dass etwas gemacht wird. Den Kontrolldruck aufzubauen ist gut. Das wird sich herumsprechen.“

Thomas Manz, Erster Beigeordneter der Stadt, dachte laut über mögliche Maßnahmen in der Zukunft nach. „Könnten sie sich damit anfreunden, die Anzahl der Wertstoffsammelstellen zu reduzieren. Denn wenn man reduziert, kann man auch die Kontrollen besser bündeln“, meinte Manz und regte die Stadträte damit zum Nachdenken an.

Bereits im Ausschuss für Umwelt und Technik wurde am Montagabend über die Problematik des wilden Mülls diskutiert. Robert Ettinger (SPD) brachte das Thema auf. Zuletzt hatte er in der Steinstraße eine größere Müllansammlung gesehen. „Das sah aus – unter aller Kanone“, sagte er und berichtete unter anderem von einer achtlos entsorgten Matratze. Er fragte nach, ob eine Video-Überwachung möglich ist. Weinschenk verneinte vehement: „Das ist aus rechtlichen Gründen nicht zulässig. Punkt.“ Nachdem Ettinger mehrsprachige Hinweisschilder einforderte, fand das Stadtoberhaupt eine schöne Formulierung für die bereits getesteten Schriftzüge: „Das hatte mäßigen bis saumäßigen Erfolg.“

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