Eltern vom Frauenberg sorgen sich um ihre Schulkinder

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 Viele Kinder müssen täglich den Zebrastreifen an der Richard-Wagner-Straße in Bad Waldsee überqueren, im Juli wurde dort eine
Viele Kinder müssen täglich den Zebrastreifen an der Richard-Wagner-Straße in Bad Waldsee überqueren, im Juli wurde dort eine Erstklässlerin angefahren. Viele Eltern fordern deshalb Tempo 30 und eine Ampel. Das Bild zeigt Ben Jäggle und Leander Neumann (vorne von links), Yannis Kupsch und Quirin Neumann (zweite Reihe von links) und dahinter Lara Hirsch (links) und Line Jäggle. Fürs Foto begleitet werden sie von den Müttern Jutta Jäggle (hinten links) und Jana Neumann sowie vom Elternbeiratsvorsitzenden der Döchtbühlschule, Marcel Kupsch. (Foto: Karin Kiesel)

Die „Schwäbische Zeitung“ startet zusammen mit der Verkehrswacht zum 23. Mal die Aktion „Sicherer Schulweg“. Wichtiger Bestandteil ist die kostenlose Sicherheitskarte für Erstklässler: Neben dem Namen des Kindes sind auf der Karte Adresse und Telefonnummer der Eltern oder anderer Ansprechpartner vermerkt. Wer möchte, kann auch auf Vorerkrankungen, chronische Krankheiten oder Allergien aufmerksam machen. Sollte sich das Kind auf dem Heimweg verlaufen oder gar in einen Unfall verwickelt werden, liefert die Sicherheitskarte Helfern wichtige Informationen. Die Anforderungscoupons für die Sicherheitskarten werden am ersten Elternabend durch die Klassenlehrer der Erstklässler verteilt. Eltern können die Sicherheitskarte auch ab heute unter www.schwäbische.de/schulanfang2018 anfordern.

Wenn die Grundschüler Leander und Quirin Neumann, Lara Hirsch und Line Jäggle den rund zehnminütigen Fußweg vom Neubaugebiet Frauenberg VI zur Döchtbühlschule laufen, gehen sie die meiste Zeit durch verkehrsberuhigte Seitenstraßen. „Eigentlich wäre es ein entspannter und kurzer Schulweg“, sagt Mutter Jana Neumann. Eigentlich. Wäre da nicht der Zebrastreifen an der Richard-Wagner-Straße. Für mehrere Eltern eine kritische Gefahrenstelle, denn erst im Juli ist dort eine Erstklässlerin von einem Auto angefahren worden. Die Eltern fordern daher Tempo 30 oder eine Ampel und kritisieren die Stadt, die auf mehrfachen Wunsch hin nichts unternehme. Die Verwaltung entkräftet die Vorwürfe, der Zebrastreifen sei ein Gefahrenschwerpunkt.

Der Schulweg für die Kinder beginnt zunächst recht idyllisch: Vorbei an gepflegten Gärten, auf der Straße schnurrenden Katzen und durch nahezu autofreie Spielstraßen geht’s auf der Strecke von der Franz-Liszt-Straße, der Habsburger Straße, der Anton-Bruckner-Straße weiter durch die Conradin-Kreutzer-Straße und die Gustav-Mahler-Straße: Hier müssen die Kinder zum ersten Mal richtig schauen und die Straße kreuzen.

Über die Lotzingstraße geht es weiter Richtung Richard-Wagner-Straße. „Man möchte die Kinder ja dazu erziehen, dass sie möglichst selbstständig sind. Aber sie sollen auch sicher sein. Der Zebrastreifen ist ein Grund, dass wir Eltern jeden Tag Angst haben“, sagt Jutta Jäggle. Das finden auch die Mütter Jana Neumann und Anna Hirsch.

Das Problem an dem Zebrastreifen sei, dass die meisten Autofahrer nach Ansicht der Eltern „einfach drüber rauschen“, zu spät anhalten oder nicht ganz zum Stehen kommen. „Die Kinder haben jedoch im Kindergarten oder von uns Eltern gelernt: Erst über den Zebrastreifen laufen, wenn alle vier Räder still stehen. Daran halten sich aber die Autofahrer meistens nicht – und das macht die Kinder nervös“, empört sich Hirsch. Zudem kritisieren die Eltern, dass viele der Autofahrer den Kindern ungeduldig zuwinken und die Grundschüler damit verunsichern. „Es wird wild gestikuliert und gereizt gehupt, das passiert täglich. Die Kinder wissen dann gar nicht mehr, was sie tun sollen – laufen oder stehen bleiben“, sagt Jäggle.

„Muss erst ein Kind schwer verletzt werden?“

Mehrmals hätten daher Eltern an die Stadtverwaltung geschrieben und auf die Gefahrenstelle aufmerksam gemacht. „Die Stadt sagt, man könne hier nichts machen“, sagt Jäggle und bringt die Verzweiflung der Eltern zum Ausdruck, die sich in ihren Sorgen nicht gehört fühlen. Unterstützung bekommen sie vom Elternbeiratsvorsitzenden Marcel Kupsch, der dafür ebenfalls kein Verständnis hat, zumal im Juli erst ein Mädchen angefahren wurde. „Das Auto ist ihr auf dem Zebrastreifen über den Fuß gefahren. Es ist zum Glück nichts Schlimmeres passiert“, sagt Kupsch. „Muss erst ein Kind schwer verletzt oder tot gefahren werden, damit die Stadt etwas unternimmt?“, empören sich die Mütter Hirsch, Neumann und Jäggle.

Bei der Stadtverwaltung, bei der nach eigenen Angaben drei Benachrichtigungen besorgter Eltern eingegangen seien, wird die Situation in der Richard-Wagner-Straße weniger kritisch eingeschätzt. Sie verweist auf die Unfallstatistik der Polizei, demnach gab es am Zebrastreifen seit 2009 einen Unfall – und zwar den im Juli. „Ein Autofahrer übersah ein Kind und streifte es. Dieser bedauerliche Unfall führt jedoch noch nicht zu einer Einstufung als Unfallschwerpunkt“, teilt die Stadt auf SZ-Anfrage mit.

Polizei kündigt verstärkte Präsenz an

Zudem habe eine Überprüfung des Zebrastreifens durch die Straßenverkehrsbehörde und eines Sachverständigen des Polizeipräsidiums Konstanz keine Mängel ergeben. Außerdem seien „in verhältnismäßig kurzem Abstand“ drei Fußgängerüberwege ausgewiesen, weshalb keine Ampel erlaubt sei. „Aus Sicherheitsgründen ist die nahe Aufeinanderfolge von Ampeln und Zebrastreifen verboten“, heißt es aus dem Rathaus weiter. Die Polizei habe jedoch angekündigt, den Zebrastreifen in den kommenden Wochen im Rahmen der Aktion „Sicherer Schulweg“ verstärkt zu überwachen.

Auch dem von Eltern gewünschten Tempo 30 erteilt die Stadtverwaltung eine Absage. Zwar könne laut Straßenverkehrsordnung Tempo 30 im Bereich von Schulen neuerdings zu erleichterten Bedingungen umgesetzt werden. Grundvoraussetzung dafür sei jedoch, dass die Schule einen direkten Zugang zu genau der Straße haben muss, für die Tempo 30 gelten soll – und der direkte Zugang sei eben nicht die Richard-Wagner-Straße, sondern der Döchtbühlweg .

Darüber hinaus dürfen nach Angaben der Stadt „Beschränkungen des fließenden Verkehrs“ nur angeordnet werden, wenn eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Verkehrsrisiko in erheblichem Maße übersteigt. Der erforderliche Nachweis eines Unfallschwerpunkts liege „glücklicherweise nicht“ vor. Zudem kämen Zonen-Geschwindigkeitsbeschränkungen nur dort in Betracht, wo der Durchgangsverkehr von geringer Bedeutung ist.

Die Stadt will dennoch tätig werden und kündigte zu Schuljahresbeginn Geschwindigkeitskontrollen in der Richard-Wagner-Straße an.

Ampel bei der Frauenbergkapelle im Blick

Als einen weiteren Gefahrenpunkt sehen manche Eltern, deren Kinder vom Ballenmoos zum Schulzentrum auf dem Döchtbühl laufen, die Ampel auf der Frauenbergstraße, berichtet Marcel Kupsch, Elternbeiratsvorsitzender der Döchtbühlschule. Wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt, sei dazu lediglich ein Bürgerhinweis eingegangen. „Es wurde bemängelt, dass die Grünphase zu kurz sei“, so die Stadt. Da es sich um einen Schulweg handele, sei die Fußgängergrünphase bereits vor Jahren auf zehn Sekunden verlängert worden.

Die Unfallstatistik der Polizei weise an dieser Ampel in der Zeit von 2010 bis heute zwei Unfälle unter Beteiligung von Fußgängern auf, teilt die Stadt weiter mit. Eine Einstufung als Unfallhäufungsstelle sei daher nicht gegeben. Die Ampel soll jedoch mit der Polizei und dem Straßenbaulastträger erneut überprüft werden.

Die „Schwäbische Zeitung“ startet zusammen mit der Verkehrswacht zum 23. Mal die Aktion „Sicherer Schulweg“. Wichtiger Bestandteil ist die kostenlose Sicherheitskarte für Erstklässler: Neben dem Namen des Kindes sind auf der Karte Adresse und Telefonnummer der Eltern oder anderer Ansprechpartner vermerkt. Wer möchte, kann auch auf Vorerkrankungen, chronische Krankheiten oder Allergien aufmerksam machen. Sollte sich das Kind auf dem Heimweg verlaufen oder gar in einen Unfall verwickelt werden, liefert die Sicherheitskarte Helfern wichtige Informationen. Die Anforderungscoupons für die Sicherheitskarten werden am ersten Elternabend durch die Klassenlehrer der Erstklässler verteilt. Eltern können die Sicherheitskarte auch ab heute unter www.schwäbische.de/schulanfang2018 anfordern.

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