Ein Novum: Frauen tragen erstmals Himmel und Monstranz

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Der Gottesdienst auf der Wiese vor dem Krankenhaus ist am Fronleichnamstag zwar ausgefallen, eine Prozession durch die Waldseer Altstadt mit rund 400 Gläubigen gab es dennoch. Eine Prozession mit gleich mehreren Premieren. Erstmals kam der neue und leichte „Schlechtwetterhimmel“ zum Einsatz. Getragen wurde er von je zwei Männern und zwei Frauen – ein Novum. Auch die Monstranz, die bislang traditionellerweise vom Pfarrer getragen wurde, befand sich dieses Jahr in den Händen von Gemeindereferentin Sandra Weber und von Leonie Frosdörfer, die ihr Praxissemester auf dem Weg zur Gemeindereferentin in St. Peter verbringt.

Pfarrer Stefan Werner erklärte diese Neuerungen im Gottesdienst als Waldseer Variante der Fraueninitiative „Maria 2.0“. Die Idee stamme von ihm, erklärt Werner im Gespräch mit der „SZ“. Es sei aber gar nicht so einfach gewesen, beim Frauenbund und im Kirchengemeinderat Himmelsträgerinnen zu finden. Sandra Weber, eine der beiden Monstranzträgerinnen, sieht diese Premiere unter einem anderen Blickwinkel. Für Weber ist es vielmehr ein weiterer Schritt, der ihre Aufgabe und Funktion in der Kirchengemeinde bestätigt. „Ich fühle mich in meiner Funktion als Gemeindereferentin in der Gemeinde angenommen. Diese Wertschätzung fand ihren Ausdruck darin, dass ich heute die Monstranz getragen habe, und das hat sich gut und stimmig angefühlt“, erklärt sie nach der Prozession.

Den Gottesdienst, der traditionellerweise auf der Wiese vor dem Krankenhaus am See stattfindet, haben die Verantwortlichen dieses Jahr in die Kirche verlegt. Morgens um 7 Uhr gingen über Bad Waldsee ein kurzes Gewitter und 15 Minuten Regenschauer nieder. Danach war die Wiese zu nass, um darauf mit 500 Gläubigen den Gottesdienst zu feiern, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates Maria Hirthe auf Nachfrage.

Die Kirche St. Peter füllte sich vollständig und Pfarrer Stefan Werner freute sich, dass alle an den Tisch des Herrn gekommen sind – alle, das waren in diesem Fall die Musiker der Stadtkapelle unter der Leitung von Blasius Sigg, die Ministranten, die Erstkommunionkinder, die Mandatsträger von Kirchen- und Gemeinderat, die Trachtenträger der Schloßseer und die Gläubigen. Am Fronleichnamstag gedenken die Katholiken des letzten Abendmahls, in dem Jesus Christus die Feier der Eucharistie begründete: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, heißt es im Lukasevangelium.

Werner und Weber konzentrierten sich in ihrer gemeinsamen Predigt auf die Wandlung als zentralem Element der Eucharistiefeier. Wandlung geschieht nicht nur von Brot in den Leib Christi, sondern auch von Schuld in Vergebung, von Schwermut in Freiheit, erklärten die beiden. Nach dem Gottesdienst begab sich die Gemeinde noch auf eine kurze Prozession durch Bad Waldsees gute Stube. Vor dem Spital war ein Altar aufgebaut, wo die Gläubigen Fürbitte hielten und Werner den Segen spendete. Angesichts des Spitals für alle Kranken und Pflegebedürftigen, angesichts des Rathauses für alle politischen Entscheidungsträger, angesichts der Restaurants für alle Armen, angesichts der Polizei für Sicherheits- und Schutzbedürftige, angesichts der Hochstatt für alle, die das Miteinander und die Geselligkeit pflegen, und angesichts der Einzelhandelsgeschäfte für gute Arbeitsbedingungen weltweit.

Zurück an der Pfarrkirche begann das Gemeindefest im Klosterhof. Die Kollekte am Fronleichnamstag erfolgte zugunsten der Renovation der evangelischen Kirche in Bad Waldsee.

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