Diskriminierungsvorwurf bei Ferienprogramm

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Die Mutter einer behinderten Tochter in Bad Waldsee ist der Meinung, ihre Tochter wurde beim Kinderferienprogramm schlecht behan
Die Mutter einer behinderten Tochter in Bad Waldsee ist der Meinung, ihre Tochter wurde beim Kinderferienprogramm schlecht behandelt. (Foto: Patrick Pleul/dpa)

Es sind Sommerferien und Hunderte Kinder nehmen wieder am Ferienprogramm der Stadt Bad Waldsee (Jugendkulturhaus Prisma) teil. So auch die achtjährige Tochter von Ramona La Fortune aus Bad Waldsee, die beim Programmpunkt „Besuch bei der Polizei“ mitgemacht hat. In einem Schreiben an die „Schwäbische Zeitung“ kritisiert La Fortune den Umgang mit ihr und ihrer behinderten Tochter.

Was war passiert? Unter dem Titel „Die Inklusionslüge“ beschreibt La Fortune wie ihre Tochter („sie ist behindert, körperlich recht fit, in der Entwicklung etwas hinterher, sehr aufgeweckt und neugierig“) in den Sommerferien nicht nur daheim herumsitzen, sondern auch „etwas erleben“ wolle. Daher habe sie sich im Online-Portal des Ferienspaßes Bad Waldsee registriert, um das Mädchen für den Besuch bei der Polizei anzumelden. Sie habe alle „verlangten Angaben zur Behinderung“ ihrer Tochter gemacht sowie Handynummer und E-Mail-Adresse hinterlegt. Für ein Vorab-Gespräch bezüglich der Behinderung habe sich jedoch niemand bei ihr gemeldet.

Behindertes Mädchen bekommt kein Armband

Als sie ihre Tochter vom „Besuch bei der Polizei“ abholte, sei die Sechsjährige aufgebracht gewesen, da alle Kinder ein Armband bekommen hätten, „nur meine Tochter nicht. Meinen missbilligenden Blick bemerkend, bequemte sich der anwesende Polizist schließlich, ihr noch eines zu holen“.

Zuhause angekommen, habe sie einen Anruf von „einer Dame vom Prisma“ bekommen. „Sie beschwerte sich über meine Tochter, sie würde nicht hören, dass sie so nicht an Ferienprogrammen teilnehmen könne und ich müsse sicherstellen, dass sie Anweisungen sofort Folge leistet.“ Die Prisma-Mitarbeiterin habe ihr dann gesagt, sie müsse ihr Kind künftig begleiten.

La Fortune kritisiert: „Ist das der Sinn einer Ferienfreizeit für Kinder, dass die Mutter teilnehmen muss und das Kind dadurch noch weiter ausgegrenzt wird? Da kann ich doch grad selber einen Ausflug mit ihr machen. Die Kinder sollen mal mit anderen Kindern was erleben dürfen. Warum hat vorher niemand nachgefragt, welche Auswirkungen ihre Behinderung konkret hat? Warum hat mich beim Abholen niemand direkt angesprochen? Dann soll in die Beschreibung geschrieben werden, dass sie nur völlig gesunde und 100-prozentig normale Kinder wollen! PS: Die hören auch nicht immer.“

Stadtverwaltung relativiert Vorwürfe

Die SZ hat bei der Stadtverwaltung nachgefragt, wie sich die Situation aus ihrer Sicht dargestellt hat: „Die Kinder haben von der Polizei unterschiedliche Präsente erhalten. Manche ein Armband, andere ein Polizeikomikheft. Dabei ging es nach Zufall. Nachdem das Mädchen gerne anstatt des Erhaltes eines anderen Präsentes auch ein Armband wollte, wurde ihr dieses gegeben“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Bei den Ferienprogrammangeboten handele es sich um externe Angebote beispielsweise von Vereinen, Polizei, Feuerwehr. „Die Besuche unterliegen je nach Inhalten besonderen Abläufen und Regeln, an die sich die Kinder halten sollten. Dies ergibt sich auch aus den Anmeldebestätigungen. Oft sind daher auch Eltern dabei. Jugendhausmitarbeiter übernehmen auch eine gewisse Aufsicht. Diese bezieht sich in der Regel vor allem aus Ermahnungen oder Hinweisen an die Kinder“, so die Stadt weiter.

Im konkreten Fall sei es so gewesen, dass das Mädchen beim Besuch der Polizei immer wieder auf „ein gewisses Verhalten“ hingewiesen worden sei. „Nach dem Besuch wurde festgestellt, dass es eine weitere Anmeldung bei der Feuerwehr gab. Daraufhin hat die Kinder- und Jugendbeauftragte die Mutter angerufen, den Fall bei der Polizei geschildert und sie darum gebeten, dass sie die Tochter begleiten sollte. Auch bezüglich der Verhaltensproblematik aufgrund der Behinderung wäre dies besser. Das war ein gutgemeinter Hinweis und keine Beschwerde. Daraufhin war die Mutter erbost und legte auf“, so die Stadtverwaltung weiter. „Der Vorgang bei der Polizei war nicht so gravierend, dass ein unmittelbares Gespräch als notwendig erachtet wurde. Der Anruf erfolgte nur wegen der Anmeldung bei der Feuerwehr.“

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