Die langjährige Gemeindereferentin der Gemeinde St. Peter Bad Waldsee ist gestorben

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 Anneliese Lehn an der Haustüre zu ihrer Waldseer Wohnung am Gut-Betha Platz 10.
Anneliese Lehn an der Haustüre zu ihrer Waldseer Wohnung am Gut-Betha Platz 10. (Foto: Dietmar Hermanutz)
Dietmar Hermanutz

Anneliese Lehn ist am letzten Samstag im Alter von 77 Jahren nach langer Krankheit friedlich entschlafen. Lehn war 25 Jahre lang in Bad Waldsee als Gemeindereferentin tätig und hatte das soziale Miteinander innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinde St. Peter wesentlich geprägt.

Als Lehn 1979 als Gemeindereferentin ihren Dienst in der Kirchengemeinde St. Peter begann, war dieses Berufsbild noch unbekannt. Das änderte sich aber schnell, denn Lehn engagierte sich mit ihrer geselligen und weltoffenen Art in den sogenannten Grunddiensten einer Gemeinde. Zum Glaubensdienst gehörte der Religionsunterricht an der Realschule in Bad Waldsee. Bei ihr im Unterricht hospitierte seinerzeit Matthias Stöhr, der sich noch gerne an die persönliche Unterstützung erinnert. Lehn übernahm auch die geistige Begleitung der Pfadfindergruppe vom Stamm Don Bosco, für deren Belange sie stets ein offenes Ohr hatte.

Im Liturgiedienst wirkte Lehn bei den Gemeindegottesdiensten mit. Sie begleitete das Team für die Kleinkindergottesdienste und das Team für Kinder- und Familiengottesdienste. Gleich mehrere Wegbegleiter erinnern sich noch an die Liturgischen Nächte für die Jugend vor Ostern, an deren Umsetzung Lehn maßgebend beteiligt war.

Der diakonische Dienst bildete bald einen Schwerpunkt in der Tätigkeit von Lehn, dessen strukturelle Basis in Bad Waldsee der Sozialausschuss der Kirchengemeinde darstellte. Es entstanden die Gruppe Rebzweige (Eltern mit behinderten Kindern), die Nachbarschaftshilfe wurde auf die Beine gestellt und der Seniorenbesuchsdienst gegründet. In einem Interview mit der SZ anlässlich ihres Dienstendes in Bad Waldsee erklärte Lehn, dass gemäß dem Motto „alles zu seiner Zeit“ sich ihr Engagement von der Jugend- auf die Altenarbeit verlegte.

Ihre Rolle im Club der älteren Generation ging ab 2004 auf Uschi Hirsch über, die sich noch gerne an die natürliche Gelassenheit und den trockenen Humor von Lehn erinnert. Diesen und ihren enormen Einfallsreichtum brachte Lehn auch bei den Fasnetsbällen der Gemeinde ein, bei denen sie als graue Kirchenmaus humorvoll die eine oder andere Anekdote präsentierte.

In ihrer Waldseer Zeit – die langjährige Freundin Anna Stöckler bezeichnet sie als die „Besten Jahre“ – war Lehn auch für all die Vikare, die in St. Peter Station machten, eine vertraute Ansprechpartnerin. Thomas Maria Renz, der später in Rottenburg zum Weihbischof geweiht wurde, erinnert sich „Sie war für mich als Neuling in Bad Waldsee 1987 eine enorme Stütze und als Mitarbeiterin im Pastoralteam die gute Seele mit einem großem Herzen für alle. Für mich war sie immer das freundliche, sympathische Gesicht der Gemeinde St. Peter nach innen und nach außen“. Genauso wie Josef Scheerer hielt auch Renz über die Waldseer Zeit hinaus den engen Kontakt zu Lehn aufrecht. Er blieb ein Wegbegleiter bis zum Schluss.

Wie Lehn ihren Dienst in der Gemeinde verstanden hat, erläuterte sie 2004 gegenüber der SZ mit folgenden Worten: „Ich habe meine Tätigkeit immer so verstanden, als ob ich mit den Leuten ein Stück Weg gehen würde. Egal ob Jugendliche oder Ältere – ich begleite sie ein Stück auf ihrem Lebensweg. Das war manchmal nur ein ganz kurzes Stück oder auch über einen langen Zeitraum. Wenn sich die Wege wieder trennten, konnte der andere wieder seinen eigenen Lebensweg weiter gehen. So habe ich am Leben der Gemeinde teilgenommen – durch Zeit mit dem Einzelnen und durch Mitfeiern des Kirchenjahres.“ Ihr Lebensweg endete am 9. März 2019.

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