Die Goiß bekommt gehörig den Kopf gewaschen. (Foto: Dietmar Hermanutz)
Schwäbische Zeitung
Dietmar Hermanutz

Während der fünften Jahreszeit in Reute werden die üblichen Grußformeln durch ein lautstarkes „Wa muine’r – Ha wellaweag“ ersetzt. Das Jubeljahr zum 50-ten Bestehen der Narrengilde sollte aber nach Meinung des Präsidenten Hermann Sommer auch beim Narrenspruch besonders gewürdigt werden, weshalb er bei der traditionellen Goißawäsch am vergangenen Samstag im Reutener Sternensaal die Jubiläumsnarrenspruchvariante vorstellte. „Wa muinert’r – Ha wellaweag“ und dann „50 Jahre Narrengilde – Hey“. Bei den rund 150 anwesenden Narren rannte er mit diesem Motto offene Türen ein und gleich beim ersten Einsatz ertönte einstimmig und lauthals der erweiterte Antwortruf „Hey“.

Schmissig, laut und voll guter Laune war der Auftakt des Abends mit den Durlesbachschalmeien aus Reute. Im Gegensatz dazu die melodischen Schunkelmelodien mit Quetschkommode, Klarinette und Trompete vom Reutener Zigeunervolk, welches mit einer großen Kiste das närrische Parkett betrat. Mit närrischen Reimen animierte Zigeunervater Hermann Sommer seine Schar, doch endlich das Geheimnis der Schatzkiste zu lüften und den Schalknarren, heuer erstmals dargestellt durch Jan Wolfgang, aus seinem langen Schlaf zu wecken. Frisch aufgewacht verteilt dieser dann auch sofort die närrischen Gewänder und Insignien, die ebenfalls in der Kiste die fasnetslose Zeit überdauerten.

Bevor nun aber die Maskenträger raus auf die Straße dürfen und an Umzügen und Sprüngen teilnehmen können, ist noch der namensgebende Aspekt der Veranstaltung zu bewerkstelligen – die Goißa müssen gewaschen werden. Die haben jedoch ganz anderes im Sinn, doch dem gestrengen Auge von Manfred Borsutzky entgeht nichts und die Bauern schaffen es schließlich den widerspenstigen Tiere unter dem Brunnen den Kopf zu waschen. Der Jubiläumsfasnet 2013 steht ab sofort nichts mehr im Wege und bereits am gestrigen Sonntag war die Narrengilde beim ersten Auswärtssprung in Oberkochen.

Nur drei Musikstücke

Mit der schwäbischen Eisenbahn dampfen Bauer und Geiß davon, und beim anschließenden Einzug des Fanfarenzugs Reute meint man aus dem Trommelwirbel noch einmal das rhythmische Stampfen der Dampflokomotive heraus zu hören. Wie alle anderen Musikdarbietungen an diesem Abend darf auch der Fanfarenzug nur drei Stücke spielen, wofür Sommer um Verständnis bittet. In einer erfrischend unkomplizierten Art und Weise moderiert Sommer durch das abwechslungsreiche Programm. Als die Vorstellungrunde bei der Kindertanzgruppe schließlich zu seinem eigenen Sohn kommt, antwortet dieser auf die Namensfrage nicht ganz unberechtigt „des woisch du doch!“ Dass er Julian heiße, erfuhren die Narren aber schließlich doch noch, nach dem die spontane Lachsalve wieder abgeklungen war. Die Kindertanzgruppe unter der Regie von Birgit Wolfgang und Rosi Lorenz hatten zum Jubiläum einen Geburtstagstanz vorgeführt. Ebenfalls tänzerisch aktiv war die Teeniegruppe „Five and one“, die nicht nur Sommer, sondern den ganzen Saal mit einer trendigen Tanzshow begeisterten.

Für die Gildemeisterin der Schussentäler, Sonja Münsch, ist es eine Selbstverständlichkeit selber aktiv am Programm mitzuwirken. Gleich dreimal steht sie an diesem Abend auf der Bühne. Zunächst tritt sie in der Solorolle der Petronella Knörzer auf, ein spätes Mädchen das mit den Widrigkeiten des Lebens, also der Familie, den Männern und der Arbeit kämpft.

Mit Anne Mayer und Münsch finden sich zwei Tratschtanten, deren Kalauergeschichten hauptsächlich von Männern und Ärzten handeln. Als besenschwingende Putzteufel mit roten Haaren tanzen die beiden dann auch noch zur großen Freude der Narren über die Bühne. Ebenfalls tänzerisch beeindruckend war der Auftritt der „Bergatreuter Mädle“, eine perfekte Charlie-Chaplin-Performance . Wolfgang Zwicknagl, weitgereister Bayern-Schorsch, berichtete kurzweilig und amüsant von einer anderen Narretei, nämlich dem Besuch des Oktoberfestes. Im Narrenrat wurde mit Wohlwollen und Begeisterung registriert, das erstmals eine Abordnung der Musikkapp-elle Reute-Gaisbeuren am Programm zur Goißawäsch mitwirkte. Die Lum-penkapelle „Urbachl“ heizte mit Hits wie „Westerland“ im Saal nochmals ein, bevor sich die Hupfdohlen der Narrengilde als fesche Saloongirls einen Cowboy als Mann wünschten und mit einer Polonäse durch den Saal das Programm beendeten.

Ein Bildergalerie finden Sie unter www.schwaebische.de

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