Der Waldseer Frauenverein will Kindern in Namibia eine Chance fürs Leben geben

Lesedauer: 6 Min
Gruppenbild der Kinder aus Namibia
Die Spendengelder kommen den Kindern in Namibia zugute. (Foto: Boabab-frauenverein)
Redaktionsleiter

Der Baobab-Frauenverein Bad Waldsee unterstützt seit knapp 20 Jahren Kinder in Namibia. Die Spenden aus Bad Waldsee sind überlebenswichtig. Das zeigt das Engagement der drei Bad Waldseerinnen.

Wie die drei Verantwortlichen, Annemarie Keppelmayr, Claudia Frick und Doris Fitz, erklären, war es ein gutes Jahr für die Kinder in Namibia – auch dank der Spenden. Der Baobab-Frauenverein unterstützt zwei Kindergärten. Einerseits „Feed my lambs“ in Kappsfarm in der Nähe von Windhoek und andererseits den Kindergarten „Morning Sun“ in Katutura.

Die meisten Eltern haben keine Arbeit

„Der Kindergarten in Kappsfarm hat nach langen Jahren mühsamer Arbeit unsererseits und vielen Rückschlägen nun endlich doch eine stabile Grundlage“, berichten sie. Die Erzieherin sei fleißig, zuverlässig und ehrlich und kümmere sich intensiv um die 19 Kinder, die fast ausnahmslos aus sozial sehr schlechten Verhältnissen stammen.

Die meisten Eltern seien arbeitslos oder alkoholabhängig und die Kinder seien oft verwahrlost, viele hungrig und würden kaum ein Wort Englisch sprechen. „Englisch ist aber die Grundbedingung für den Schulbesuch, der Unterricht findet in dieser Sprache statt“, heben die Vereinsmitglieder die Krux an der Sache hervor.

 Doris Fitz, Annemarie Keppelmayr und Claudia Frick (von links) haben den Baobab-Frauenverein vor knapp 20 Jahren gegründet.
Doris Fitz, Annemarie Keppelmayr und Claudia Frick (von links) haben den Baobab-Frauenverein vor knapp 20 Jahren gegründet. (Foto: SZ-Archiv)

Mithilfe der Spenden des Baobab-Frauenvereins könne die Erzieherin Maismehl, Makkaroni, Reis, Gemüse und Obst für die Kinder einkaufen. Denn oftmals hätten die Eltern kein Geld fürs Essen.

Auch das Mindestgehalt der Erzieherin, die von Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr arbeitet, übernehmen die Bad Waldseerin mithilfe von Spenden. Wenn Arbeitsmaterial fehlt oder Kinder krank werden und zum Arzt müssen, wird der Baobab-Frauenverein ebenfalls benachrichtigt.

Der,,Morning-Sun“-Kindergarten sei eine große Freude für Keppelmayr, Frick und Fitz. Die Leiterin mache einen sehr guten Job. Und „seit wir ihren Kindergarten 1989 gegründet haben, ist aus einer einfachen Wellblechhütte ein Kindergartenareal entstanden – mit mehreren Gebäuden aus Zementbauteilen und Klassenzimmern für jede Altersstufe von 3 bis 6 Jahren. Plus einem eigenen Raum für Babys und Kleinstkinder“, betonen die drei Frauen die positive Entwicklung. Die Gebäude wurden mit den Bad Waldseer Spenden realisiert.

l05 Kinder besuchen diesen Kindergarten. Eine Betreuerin bezieht ihr Gehalt ebenfalls vom Frauenverein.

„Auch für Arbeitsmaterial und Schulausflüge sind wir noch zuständig, regelmäßig zu jedem Schuljahresbeginn ist ziemlich viel Geld für Arbeitsmappen, Hefte, Bücher und Schreibmaterial fällig“, berichten die drei Frauen. Und so werden die Kinder hier schulreif gemacht.

Die Eltern, die großteils selber keine Schule besucht haben, sehen keinen Grund, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Etwas anders stellt sich die weitere Situation in Kappsfarm dar. „Die Eltern, die großteils selber keine Schule besucht haben, sehen keinen Grund, ihre Kinder in die Schule zu schicken“, zeichnen die Vereinsmitglieder ein düsteres Bild. Dabei hat sich schon viel verbessert.

Als der Kindergarten 2001 vom Baobab-Frauenverein gegründete wurde, gab es unzählige Kinder zwischen 6 und 15 Jahren, die herumlungerten. Eine Schule in unmittelbarer Nähe gab es nicht. „Also haben wir schon 2001 nach einer Internatsschule gesucht und diese auch gefunden: Die Bloukrans-Schule, 68 Kilometer vom Dorf entfernt, am Ende der Welt.

Die Schulleitung erklärte sich bereit, die Kinder aus Kappsfarm aufzunehmen, sofern wir die Schul- und Internatskosten übemehmen. Das tun wir seither. Jeden Januar bezahlen wir, dieses Jahr für 55 Kinder“, zeigen Keppelmayr, Frick und Fitz ihre vielfältige finanzielle Unterstützung auf.

Taxifahrer engagiert

Damit die Kinder einmal pro Monat ein Wochenende bei ihren Eltern verbringen können, wurde ein Taxifahrer engagiert. Er kostet monatlich 4600 namibische Dollar, das sind umgerechnet rund 300 Euro. Aus Erfahrung – der langen und nicht ausgebauten Wegstrecke sowie dem hohen Spritpreis geschuldet – wissen die Frauen, dass der Preis gerechtfertigt ist.

Trotz schwierigen Voraussetzungen und erschwertem Lernen haben einige Schüler ihren Weg gemacht und anschließend einen Job gefunden.

„Ohne Kindergarten und Schule hätten die Kinder keinerlei Chance“, betonen die drei und hoffen auf weitere Spenden, um den „Kindern in Namibia eine Chance fürs Leben zu geben und damit auch zu verhindern, dass sie denken, woanders auf der Welt sei ein besserer Platz für sie. Wir möchten, dass sie in Namibia bleiben und ein lebenswertes Leben führen können.“

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen