Der Retter des Baldrians zu Gast beim Ortsgespräch

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Gute Laune beim Quiz um die lateinischen Pflanzennamen – erst als Dr. Roland Schaette (rechts) den geschriebenen Namen lesen dur
Gute Laune beim Quiz um die lateinischen Pflanzennamen – erst als Dr. Roland Schaette (rechts) den geschriebenen Namen lesen durfte, verstand er, was Dirk Haselbacher sagen wollte (Foto: Dietmar Hermanutz)
Dietmar Hermanutz

Als Doktor der Pharmazie ist es schon fast eine Selbstverständlichkeit, das der Gast des 12. Ortsgesprächs in der Alten Mälze in Bad Waldsee alles, was da blüht und wächst, mit (lateinischem) Namen benennen kann. Den Beweis lieferte Dr. Roland Schaette zum einen mit einer Spontan-Analyse des bunten Blumenstraußes, den er überreicht bekam. Er glänzte aber auch sehr zur Freude der rund 70 Besucher bei einem Quiz. Auch wenn die Lateinkenntnisse des Gastgebers, Dirk Haselbacher, offenkundig an der Aussprache scheiterten.

Anlass für die Einladung zum Ortsgespräch war das 100-jährige Jubiläum seiner Firma. Über die Grenzen Bad Waldsees hinaus machte sich die Firma Dr. Schaette unter seinem Wirken im Bereich Phytotherapie, Anthroposophie und Homöopathie in der Veterinärmedizin einen Namen. 2015 wurde die „Dr. Schaette GmbH“ mit dem Tochterunternehmen PlantaVet zur SaluVet GmbH zusammengeführt.

Äußerst humorig waren Komponenten des Ortsgesprächs, in dem die Vita und Visionen von Schaette zur Sprache kamen und die er selber in einem knappen Schlussplädoyer komprimierte. „Habt Interesse zum Leben. Habt Interesse an den Menschen. Das ist spannend“, so Schaette. Spannung durch das Erkennen von Gesetzmäßigkeiten des Lebens hält die Grundidee der Anthroposophie für einen wie Schaette bereit.

Von Haselbacher gefragt, ob der denn seinen Namen tanzen könne, wischte Schaette diese Persiflage der anthroposophischen Idee beiseite und setzte stattdessen als wesentliche Inhalte das Staunen und das Erkennen von Gesetzmäßigkeiten in Stoffen und Prozessen dagegen. Diese Strukturen gäbe es in Mineralien, in Pflanzen, in Tieren, aber auch in der Welt der Töne. Dieser „Heilschatz der Natur“ wurde vom Vater und Onkel vor 100 Jahren gehoben, um in einer Zeit, in der die tiermedizinische Versorgung noch rudimentär war, den Landwirten Heilmittel in die Hand zu geben, mit denen Alltagsplagen der Nutztiere behandelt werden konnten. „Hätten die Mittel nicht gewirkt, würden die Bauern es nicht seit hundert Jahren nehmen“, erklärte Schaette und bemerkte so nebenbei, dass sich selbst im aktuellen Sortiment der Nachfolgefirma SaluVet noch immer zehn Produkte finden, die bereits in der ersten Preisliste von 1919 enthalten waren.

Gegründet wurde die Firma vom Vater Adolf und Onkel Karl in München, wo Schaette auch seine Kindheit und Jugend verbrachte und zweisprachig aufwuchs. Nicht nur Bayrisch, sondern auch Schwäbisch beherrscht er, denn nach dem Krieg war die Firma aufgrund der Zonenwirtschaft gezwungen, in Rossberg eine Filiale zu eröffnen. Die Liebe zu Pflanzen wuchs bei Schaette bereits im großen Garten des Elternhauses, der vom Vater mit viel Sachverstand gepflegt wurde. Es war zwar die Zeit der Studentenunruhen, als Schaette in München Pharmazie studierte, „aber das zog wie ein Film an uns vorüber“.

Mit Engagement widmete sich Schaette dann 1971 seiner Doktorarbeit über den Baldrian, eine Pflanze die Anfang der 70er-Jahre vom Arzneimittelmarkt zu verschwinden drohte. Er würdigte und belegte die Vorzüge und Eigenschaften von Baldrian. Zu Recht ist Schaette stolz darauf, dass „diese Arzneipflanze noch heute Nr. 1 als Beruhigungs- und Einschlafmittel ist“.

Die Firma Dr. Schaette allerdings legte in den 100 Jahren ihren Schwerpunkt auf die Tiermedizin. Bis 1985 waren aber auch immer wieder humanmedizinische Produkte im Sortiment, denn nach Heilungserfolgen beim Tier, keimte beim Kunden der Wunsch nach Vergleichbarem für den Menschen auf. Man denke nur an die „Pferdecreme, mit der sich ganz Waldsee den Rücken einschmiert“, so Schaette. Vielleicht lässt sich die Erfolgsgeschichte der Firma auf die Grundtugenden Nachhaltigkeit und Demut begründen. Konkret also bereits „heute an die Schritte von morgen denken“ und als „Diener den Bedürfnissen der Landwirtschaft“ begegnen.

Engagement zeigt Schaette auch mit der Unterstützung der Initiative „Sekem“, die in Ägypten nachhaltige Agrarwirtschaft fördert und vor Ort als Mitglied des Vereins SoLawi (Solidarische Landwirtschaft), denn mit Blick auf die deutsche Landwirtschaft bemängelte Schaette, „dass die Verbraucher nicht bereit sind, die Qualität zu bezahlen, die der Landwirt gerne produzieren würde“.

Man musste nicht zwingend die Strukturen der Töne erkennen, um die Musik des Ponticelli Ensembles zu genießen. Das Streicherquartett rundete das gelungene Ortsgespräch am vergangenen Samstag musikalisch ab.

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