Der Narrengilde Reute steht Jubiläumsjahr bevor

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Schwäbische Zeitung

Eine Lilie, aus der vier Fasnetsmasken hervorgehen - dieses Logo wird 2013 nicht nur den Bürgern von Reute immer wieder vor Augen sein. Das Logo zeigt die Masken der Narrengilde Schussentäler, die im bevorstehenden Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Kara Ballarin hat mit Gildemeisterin Sonja Münsch und mit Uwe Wolfgang, Chronist der Narrengilde, über die bewegte Vergangenheit und die anstehenden Feierlichkeiten gesprochen.

SZ: Vor solch einem Jubiläumsjahr gibt es eine Menge zu planen, organisieren, vorzubereiten. Seit wann laufen die Arbeiten?

Sonja Münsch: Seit gut einem Jahr. Wir haben eher sogar vor eineinhalb Jahren mit den Überlegungen begonnen und einzelne Teams festgelegt.

SZ: Teams?

Münsch: Die für unterschiedliche Bereiche zuständig sind. Es gibt speziell für das Jubiläumsjahr Teams, die für die Ausstellung, für die Festschrift, für das Programm zuständig sind, das Bewirtungs- und Küchenteam und dann wie immer noch das Kreativteam und das Team für die Kindertanzgruppe.

SZ: Auf die Ausstellung und die Festschrift kommen wir gleich noch zu sprechen. Wie häufig treffen sich die Verantwortlichen?

Uwe Wolfgang (lacht): Mittlerweile gibt es kaum einen Abend ohne. Wir haben ziemlich bald festgestellt, dass der Vierwochenrhythmus nicht reicht. Es wurden immer mehr, je näher wir dem Jubiläum kommen.

Münsch: Und dazu kommen noch viele E-Mails und Telefonate.

SZ: Und nicht nur interne Sitzungen, sondern auch welche mit Behörden...

Münsch: Wir hatten bereits eine Sitzung mit der Polizei, der Feuerwehr, den Ortsvorstehern und dem Hausmeister der Schule und der Halle.

SZ: Heißestes Thema dabei?

Münsch: Der Hauptpunkt war der Umzug. Es kommen sehr viele Gruppen, fast 100 Zünfte, von denen die Hälfte dem Alemannischen Narrenring angehören. Gemeldet sind zirka 5300 Maskenträger - das hängt auch vom Wetter ab. Wir erwarten zwischen 85 und 90 Bussen. Die große Frage war: Wo parken die alle, wo leiten wir sie hin? Welche Straßen geben wir für die Busse frei?

Wolfgang: Dabei haben wir frühzeitig festgelegt, dass die Ortsdurchfahrt von Reute ab 12 Uhr gesperrt wird, bevor der Umzug um 13.30 Uhr beginnt. Die vielen Busse sind schon ein Problem. Es kommen weit mehr Besucher, als Reute und Gaisbeuren Einwohner haben.

SZ: Der Jugendschutz war bestimmt auch Thema.

Münsch: Mit der Polizei haben wir natürlich auch über das Thema Jugend und Alkohol gesprochen.

Wolfgang: Vor unserem Festzelt haben wir wieder Security, die niemanden reinlassen unter 18. Da sind wir schon hart, aber es hat sich bewährt.

SZ: Also alles organisiert?

Münsch: Ja. Die Feuerwehr sperrt die Straßen ab und lenkt den Verkehr beim Umzug.

Wolfgang: Und wir haben eine klare Zusage von den Ortsvorstehern, dass die Wege frei bleiben werden, falls es schneien sollte.

SZ: Sie haben ein volles Programm für die Fasnet zusammengestellt (siehe Kasten). Was ist in diesem Jahr anders?

Wolfgang: Besonders ist die Ausstellung zur 50-jährigen Geschichte der Schussentäler Narrengilde im Pfarrhaus Reute, die ab 12. Januar zu sehen sein wird. Freitags haben wir sonst kein Programm, aber 2013 gibt es an diesem Tag die Jubiläumsparty mit "Herz-Ass" in der Durlesbachhalle. Neu am Samstag ist der Jubiläumsabend in der Durlesbachhalle mit Programm.

Münsch: Das Programm gestalten wir gemeinsam mit befreundeten Zünften. Außerdem ist die Messe am Sonntag früher als sonst, schon um 9 Uhr, denn im Anschluss daran ist der Zunftmeisterempfang in der Begegnungsstätte des Klosters.

SZ: Und auch die Festschrift ist etwas Besonderes...

Wolfgang: Dank Sponsoren ist sie gänzlich kostenlos. Vorgestellt wird sie am 6. Januar den geladenen Gästen beim Ehrengastempfang. Ab dem 7. Januar gehen die Narren dann von Haus zu Haus in Reute und Gaisbeuren und verteilen die Festschrift. Dabei können die Bürger auch die Pins für den Umzug kaufen. Sie sind durchnummeriert, der Hauptpreis der Verlosung ist eine Ballonfahrt.

SZ: Ein Blick zurück: Wie lange sind Sie beide schon im Verein?

Münsch: Seit 1977 bin ich dabei, seit '91 Gildemeisterin und seit '96 Vorstandvorsitzende.

Wolfgang: Ich bin seit '92 im Verein und seit '99 Chronist.

SZ: Gibt es auch noch aktive Gründungsmitglieder?

Münsch: Ursprünglich waren es 66 Gründungsmitglieder, heute leben noch 33, von denen noch einige aktiv sind. Sie werden auch alle zum Brauchtumsabend eingeladen.

SZ: Und wie hat alles begonnen?

Münsch: Das war am 7. Dezember 1963 im Gasthaus "Hirsch". Angefangen hat alles mit den Schussentälern. Sie haben ältere, urige Kleider angezogen. Das war ein wilder Räuberhaufen, hauptsächlich aus Durlesbach. Damals hießen sie noch Schwarze Veri. Als der Verein 1974 dem Alemannischen Narrenring beitrat, musste sich die Gruppe umbenennen, weil es die Schwarzen Veri schon in Ravensburg gab. So haben sie sich in die Schussentäler umbenannt.

Wolfgang: Die erste Schussentäler Maske gab es 1974. Die allererste im Verein war die Goiß 1971.

SZ: Wie kam es dazu?

Münsch: Die Kümmerazhofener haben immer einen kleinen Wagen gebaut, in dem Jahr einen Zug. Und Josef Knörle meinte, zu einem Zug gehört doch eine Geiß, wegen der "Schwäb'sche Eisebahne".

SZ: Und die Riedrälle?

Wolfgang: Die hießen zuerst Riedmeckeler, aber auch diesen Namen gab es im Narrenring schon. Also benannten sie sich 1974 um.

Münsch: Die Riedrälle stammen aus Möllenbronn und hatten zunächst keine Masken. Sie trugen Haare aus Hanf und grüne Umhänge. Wenn man dem Narrenring beitritt, gibt es Vorgaben für das Häs.

SZ: Wann kam die Schwaaz Ageth dazu?

Münsch: Die kam viel später dazu, erst 2001. Wir wollten eine eher gemütliche Maske für die, die nicht mehr so springen können. Historisch gesehen kommt die Figur auch aus der Räuberbande der Schwarzen Veri.

SZ: Und dann gibt es da noch die Zigeuner...?

Münsch: Die hat es schon vor der Narrengilde gegeben. Wir sind heute zwischen 25 und 30 Leute, die sich, wie schon immer, als Zigeuner verkleiden. Wir holen auch das Narrenrecht im Rathaus ab.

SZ: Und was tun die "Schnurrer", wie sie auch genannt werden?

Münsch: Am Donnerstagfrüh treffen wir uns, ziehen zur Bank, zu den Kindergärten und befreien dann die Schüler. Es geht weiter nach Gaisbeuren, wo wir mit dem Schnurren beginnen. Die Spenden, die wir einsammeln, verwenden wir für Bonbons und Wurst und Wecken für die Schüler.

Wolfgang: Wobei wir das umgestellt haben auf Leberkäswecken, Wurst ist bei den Kindern heute nicht mehr so in.

SZ: Ihr Höhepunkt in der Fasnetszeit?

Münsch: Der Kindernachmittag in der Durlesbachhalle. Die Eltern kommen auch mit und genießen die Ruhe...auch wenn es in der Halle sehr laut ist. Denn die Kinder haben Bewegungsfreiheit und spielen. Der schönste Anblick ist, auf der Bühne zu stehen und runterzuschauen. Alle sind verkleidet, und es ist so schön bunt. Das ist mein Highlight nach meiner größten Leidenschaft, dem Schnurren.

SZ: Können eigentlich nur Bürger aus Reute und Gaisbeuren bei der Narrengilde mitspringen?

Wolfgang: Nein, aus Bergatreute springen einige mit und auch welche aus Haisterkirch und Baindt. Es gibt keine Beschränkungen, man kann mit einem Leihhäs anfangen.

SZ: Wieviele Mitglieder hat der Verein?

Wolfgang: Der Verein ist relativ klein, wir haben mehr als 100 aktive Hästräger und rund 450 Mitglieder. Da muss jeder mitschaffen, gerade am Fastnetswochenende - den Boden in der Halle verlegen, dekorieren...

SZ: Gibt es auch Hilfe von anderen Zünften?

Münsch: Wenn man in den Narrenring eintritt, braucht man Zünfte, die Pate stehen. Für uns sind das Ravensburg und Baienfurt, aber wir sind auch selbst für sechs Vereine Paten. Mit diesen ist man am engsten befreundet. Einige von ihnen beteiligen sich am Programm, Bergatreute hilft beim Plakettenverkauf und auch Michelwinnaden und Zollenreute werden uns unterstützen.

SZ: Ein Wunsch für die Feierlichkeiten zum Jubiläum...

Münsch und Wolfgang (zeitgleich): Gutes Wetter.

Wolfgang: Früher haben andere Zünfte zu uns gesagt: "Zu Euch kommen wir immer, Ihr habt so tolles Wetter." Jetzt war es ein paar Jahre sehr kalt, vergangenes Jahr minus 20 Grad. Das könnte dieses Jahr besser sein.

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