Der barocke Hochaltar in St. Peter ist mit einem Stahlgerüst gesichert

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Peter Bohner führt durch die Waldseer Pfarrkirche.
Peter Bohner führt durch die Waldseer Pfarrkirche. (Foto: Rudi Heilig)
Rudi Heilig

Trotz herrlicher Frühjahrssonne fanden sich am Samstag genau zehn Personen zu einer Kirchenführung der Pfarrkirche St. Peter in Bad Waldsee ein. Eingeladen hatte der Freundeskreis St. Peter zusammen mit der Kurseelsorge. Die kostenfreie Führung übernahm Peter Bohner vom Freundeskreis St. Peter. Sein großes Wissen über die ehemalige Stiftskirche der Augustiner-Chorherren ist gepaart mit der Liebe zu „seiner“ Pfarrkirche: „Hier wurde ich getauft, habe die erste heilige Kommunion empfangen und bin hier auch gefirmt worden“, so der 54-jährige Bohner aus Mittelurbach.

Erste Aufzeichnungen der Kirche stammen aus dem Jahre 1181. Am 9. März 1479 erfolgte dann die urkundlich belegte Grundsteinlegung als dreischiffige Basilika. Im Jahre 1757 stürzte der gotische Staffelgiebelturm ein, hierbei kam ein Mensch ums Leben. Diese „Katastrophe“ wurde zu einer gravierenden Erweiterung der Kirche genutzt. Es konnte jetzt eine barocke Doppelturmfassade mit 60 Meter hohen Türmen geplant und gebaut werden. Auch wurde das Kirchenschiff auf der Westseite um acht Meter verlängert.

Der „Marmor“ ist farbiger Gips

Nach diesen fundamentalen Daten und Fakten führte Bohner durch das Mittelschiff zum Chorraum. Mit einem Schmunzeln erwähnte er dabei den vielen „Marmor“: „Es ist ganz einfach oberschwäbischer Marmor, farbiger Gips“. Natürlich fiel den Besuchern das Fehlen der Kanzeltreppe auf. Sie wurde nämlich bei der Renovierung im Jahre 1979 entfernt. Gerne erinnert man sich in Bad Waldsee, dass der frühere Pfarrer Richard Schitterer zur Fasnetspredigt die Feuerwehrleiter anforderte. Dieses ist heute nicht mehr notwendig, für diesen Fasnetsbrauch steht heute Pfarrer Stefan Werner eine „Hymer-Leiter“ zur Verfügung.

Jetzt stand der barocke Hochaltar im Fokus. Er stammt, wie auch das Chorgestühl, von Dominikus Zimmermann. Er ist sieben Meter breit und elf Meter hoch. Erst vor drei Jahren wurde dieser Altar auf dessen Rückseite aus Sicherheits- und feuerpolizeilichen Gründen mit einem stabilen Stahlgerüst umgeben. Somit kann der Kirchenmesner gefahrlos auch die Beleuchtung warten. In der Beichtkapelle angekommen, wurde der „Eiserne Mann“, Jörg Truchsess von Waldburg (gestorben am 10. März 1467), bestaunt. Von den vier Beichtstühlen, die sich alle gleichen, hat aber einer davon ein anderes Innenleben. Durch einen Wandausbruch in Richtung Sakristei viel größer, konnten alle Besucher gemeinsam hier Platz finden. Damit kann dieser jetzt als „Beichthaus“ dienen.

Monstranz mit 333 Kristallen

In der Sakristei dominieren mehrere überdimensionierte barocke Paramentenschränke aus den Jahren 1712 bis 1718. Hier wird auch der „Himmel“ aufbewahrt. Es handelt sich hier um einen Baldachin aus rotem indischem Samt mit wertvoller Goldstickerei. Am Hochfest Fronleichnam wird dieser (bei schönem Wetter) durch die Straßen getragen. Die Maria-Hilf-Kapelle ist auch dem Gedächtnis der seligen Guten Beth von Reute gewidmet. Über der Sakristei befindet sich seit dem Jahr 1994 das Kirchenschatzmuseum. Ins Auge fällt hier eine vergoldete Monstranz mit 333 Kristallen aus dem 19. Jahrhundert.

Zum letzten Teil der Führung ging es die Treppen empor zur Orgel. Bohner berichtete, dass diese erst im letzten Jahr nach umfänglicher Sanierung neu eingeweiht wurde. Auf der aufgeräumten Kirchenbühne ist jede Menge Platz für Aufbewahrung. So befinden sich hier auch die alten bunten Fensterscheiben der Kirche. Hier wusste der Kirchenführer, dass Pfarrer Schitterer diese gerne zu Geld gemacht hätte. Doch das Denkmalamt hinderte ihn daran. Der Abschluss der Führung galt dem Glockenturm. Peter Bohner ließ spontan zwei Glocken läuten. Nach zwei Stunden Information dankten die Besucher mit Beifall und einer Spende für den Freundeskreis St. Peter.

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