Containerdorf beim Friedhof Reute wird abgebaut

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In dieser Containerwohnanlage neben dem Friedhof in Reute waren ab Mitte 2015 teilweise bis zu 50 Flüchtlinge aus Syrien unterge
In dieser Containerwohnanlage neben dem Friedhof in Reute waren ab Mitte 2015 teilweise bis zu 50 Flüchtlinge aus Syrien untergebracht. Im neuen Jahr soll sie abgebaut werden. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Der Landkreis Ravensburg baut nach und nach seine provisorischen Container-Wohnanlagen in den Gemeinden ab, die seit Mitte 2015 geflüchteten Menschen aus Kriegsgebieten als Unterkunft dienten. Auch das leerstehende Flüchtlingsheim beim Friedhof in Reute, wo vorübergehend knapp 50 Bewohner ein Dach über dem Kopf fanden, soll demontiert werden, wenn das laufende Bieterverfahren des Landratsamtes seinen Abschluss gefunden hat.

Wie Kreissprecher Franz Hirth auf SZ-Anfrage informierte, stehen die genannten Container am Ortsrand von Reute zum Verkauf, weil sie für die Unterbringung von geflüchteten Menschen aufgrund rückläufiger Zahlen nicht mehr benötigt werden. Aber erst nach Ablauf des Bieterverfahrens stehe fest, ob sich ein Käufer gefunden habe für diese Anlage. Hier fanden ab Juli 2015 zeitweise bis zu 50 Männer aus Syrien eine Bleibe. „Das weitere Procedere erfolgt dann in Abstimmung mit dem Käufer und deshalb kann der Kreis heute noch keinen genauen Termin nennen für den Abbau der Anlage in Reute“, so Hirth, der weitere Auskünfte frühestens Mitte Januar in Aussicht stellen kann.

Laut Ortsvorsteher Achim Strobel wurde in Reute vor dreieinhalb Jahren die erste Containeranlage zur Erstaufnahme auf Waldseer Gemarkung errichtet. Beim dortigen Friedhof standen bereits nach 1990 solche Wohncontainer, als zahlreiche Spätaussiedler aus dem russischen Sprachraum nach Oberschwaben kamen und um Aufnahme ersuchten. Im Rückblick auf den Bezug der Anlage im Sommer 2015, als Woche für Woche Flüchtlinge in den Landkreis kamen, zieht Strobel eine positive Bilanz des Zusammenlebens zwischen Einheimischen und Neubürgern.

Ortsvorsteher dankt den Helfern

„In Reute-Gaisbeuren gab es eine große Welle der Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge, die teilweise ein Jahr lang auf der Flucht waren. Schnell hat sich ein Helferkreis gegründet, der den Menschen in Fragen des Alltags eine wichtige Hilfe war und uns vonseiten der Ortschafts- und Stadtverwaltung damit richtig toll unterstützt hat. Hut ab vor diesen Bürgern, die alle einen Beruf und Familie haben und sich trotzdem so eingebracht haben und das teilweise bis heute tun und die Neubürger weiter unterstützen“, zollt der Ortsvorsteher den Helfern Respekt für die vielen Stunden Freizeit, die sie für die Integration der Betroffenen aufgebracht haben.

Strobel berichtet, dass man damals auf Initiative des Ortschaftsrates direkt am Ankunftstag ein „Welcome Dinner“ für die Flüchtlinge im Dorfgemeinschaftshaus Gaisbeuren ausgerichtet habe. Die Neuankömmlinge aus Syrien wurden in Begleitung ehrenamtlicher Helfer mit Applaus von den Bürgern willkommen geheißen. „Wir wollten ihnen von Anfang an signalisieren, dass wir offen sind und dass sie hier erst einmal zur Ruhe kommen können“, erinnert sich Strobel zurück an diese aufregende Zeit mit wöchentlich steigenden Flüchtlingszahlen und der damit verbundenen Frage, wo die Kommunen diese Menschen aus Kriegsgebieten unterbringen sollten.

Inzwischen hat sich die Situation bekanntlich geändert, die provisorischen Unterkünfte werden nicht mehr benötigt für die Flüchtlingsaufnahme und mit dem Abbau der Wohncontainer in Reute wird dies 2019 auch öffentlich sichtbar.

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