Campingfreunde holen Palmen und Sand nach Bad Waldsee

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Dietmar Hermanutz

Französische Lebensart, das sprichwörtliche „savoir vivre“, lockte am Wochenende wieder tausende von Besuchern auf das Gelände des Erwin-Hymer-Museums. Nicht wenige der angereisten Campingfreunde hatten sich mit Ringelshirt und Baskenmütze in Schale geworfen. Die Stellplätze waren französisch dekoriert und der Fuhrpark umfasste französische Modelle wie Citroën, Peugeot sowie die Wohnwagen der französischen Firma Notin.

Wer beim französischen Campingurlaub an die Cote d´Azur denkt, hatte mit dem Stellplatz von Brigitte Kruse und ihrer Freundin Margit Schäfer den richtigen Ort gefunden. Mit 275 Kilogramm Sand, selbst gebastelten Palmen und Wegweisern haben die beiden charmanten Damen, die übrigens schon fünfmal mit ihren besonderen Einfällen bei den Summertime-Campingevents teilnahmen, einfach den mondänen Strand nach Bad Waldsee geholt. „Wir sind in Cannes im Urlaub am Meer“ verkünden sie freudestrahlend und über jeden Zweifel erhaben. Man ist gerne geneigt, das zu glauben, zumal gerade zwei französische Gendarmen um die Ecke biegen, um nach dem Rechten zu schauen. Es sind Matthieu Pallas und Jean-Yves Dousset, ein „Walking Act“, der unter dem treffenden Namen „Flic & Flic“ das Campinggelände observiert. Die Unterhaltung kommt dabei natürlich nicht zu kurz. Ein bisschen Comedy, viel Musik und der große Skizzenblock, auf dem Jean-Yves in minutenschnelle originelle Fahndungsbilder erstellt.

Auch Andreas Holdenried sind die musikalischen Gendarmen aufgefallen, die der versierte Musiker spontan mit seinem Sopransaxophon begleitet und schon ertönen stimmungsvolle Chansons wie „La vie en rose“ oder „La mer“. Holdenried ist stark frankophil, wie er selber sagt und deshalb ist er auch gleich mit zwei Fahrzeugen der Firma Notin angereist. Die Oldtimer, ein Wohnwagen und ein Wohnmobil, stoßen auf großes Interesse, als Susi Rauss-Dangel von der Museumsleitung eine Besuchergruppe über das Campingareal führt. Stolz und vor allem authentisch berichten die Fahrzeugbesitzer über ihre Liebe zum Campen und den mitgebrachten und in Gebrauch befindlichen Modellen, die oft mit akribischer Liebe zum Detail restauriert wurden.

Auch auf dem Besucherparkplatz für historische Fahrzeuge findet sich das eine oder andere Frankreichschätzchen. Peugeot, ein Renault R4, diverse Citroën 2CV die vom Volksmund liebevoll als Ente bezeichnet wurden. Besonderes Interesse erregt aber die hydropneumatische Federung, die Citroën in der DS verbaute (DS = Modellreihe von Citroën von 1955 bis 1975). Auch die Kameraleute des anwesenden SWR staunten und ließen sich gleich mehrmals zeigen, wie sich die Karosserie hob und senkte. Es gab vieles zu entdecken – nicht nur im Campinggelände, sondern auch in der Sonderausstellung „Vive la france“.

Ein Angebot, das auch Brigitte und Alexander Schneider aus Günzburg zusagte. Die beiden waren zum ersten Mal beim Summertime-Oldtimer-Event, „aber bestimmt nicht zum letzten Mal“, wie sie im Gespräch mit der SZ begeistert von der Veranstaltung schwärmten. Stilecht auch das Musikprogramm mit dem Quartett Montparnasse. Die vier Musiker verstanden es hervorragend, mit Akkordeon, Gitarre, Violine, Bass und Gesang eine wohldosierte Prise Pariser Charme über das Campinggelände zu verteilen.

War das Wetter am Samstag noch etwas durchwachsen, so konnten sich die Veranstalter am Sonntag über ideales Campingwetter freuen.

Übrigens: Das SWR Fernsehen Baden-Württemberg produzierte einen 30-minütigen Bericht über das Campertreffen vom Wochenende beim Erwin-Hymer-Museum. Dieser wird am 25. August zwischen 18.45 und 19.15 Uhr in der Sendung „Treffpunkt“ ausgestrahlt.

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