Bilanzbuchhalter veruntreut 60 000 Euro Spendengelder

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 Ein 50-jähriger Bilanzbuchhalter hat sich wegen Veruntreuung von Spendengeldern vor dem Amtsgericht Bad Waldsee verantworten mü
Ein 50-jähriger Bilanzbuchhalter hat sich wegen Veruntreuung von Spendengeldern vor dem Amtsgericht Bad Waldsee verantworten müssen. (Foto: dpa)

Weil er gewerbsmäßig fremdes Vermögen veruntreute, hat sich ein 50-jähriger Bilanzbuchhalter vor dem Amtsgericht Bad Waldsee verantworten müssen. Seit mehreren Jahren bei einer sozialen Einrichtung beschäftigt, oblag ihm auch die Verwaltung von Spendengeldern. Da es hier neben Banküberweisungen auch zu Bareinzahlungen kam, gab es dafür eine Spendenkasse. Diese wurde auch mit Belegen und einem Kassenbuch geführt. Auf Wunsch wurde den Spendern sogar eine Spendenquittung zugestellt. In diesem Kassenbuch wurde auch die präzise Verwendung der Spenden dokumentiert und dann auch den entsprechenden Einrichtungen gutgeschrieben.

Veruntreuungen geschahen 2017 bis 2019

Die Veruntreuungen geschahen von den Jahren 2017 bis zum Juni 2019. In regelmäßigen Abständen wurden der Spendenkasse Beträge entnommen. Bei Entdeckung der Straftat hatte sich die Summe der veruntreuten Gelder auf 60 874 Euro belaufen, die der Buchhalter in die eigene Tasche gesteckt hatte. Bei ersten Recherchen der Verwaltung wurden dieser fingierte oder manipulierte Belege gezeigt. Im Verlauf von weiteren Gesprächen hatte der Bilanzbuchhalter die Veruntreuung dann zugegeben. Es folgte die fristlose Kündigung des Mitarbeiters und eine polizeiliche Anzeige.

„Was hat Sie geritten, dass Sie Gelder, welche für Menschen in Not bestimmt waren, einfach in die Hosentasche gesteckt haben“ – mit diesem Satz konfrontierte Amtsgerichtsdirektor Kurt Feurle den Mann auf der Anklagebank. „Als Bilanzbuchhalter müssten Sie etwas anderes studiert haben“. Dabei handelt es sich bei dem Angeklagten um einen bislang völlig unbescholtenen Familienvater. Sogar als Schöffe bei Gerichten war er einige Zeit tätig. Das gemeinsame Nettoeinkommen der Eheleute betrug etwa 4000 Euro. Davon musste eine Wohnhausfinanzierung sowie das Studium der Kinder finanziert werden.

Geld wurde nach Erbschaft knapp

Auslöser seiner „Finanzkrise“ sei eigentlich das Vermächtnis seiner Tante gewesen. In den letzten Lebensjahren vom Angeklagten und seiner Ehefrau gepflegt, vererbte sie ihm als Alleinerbe ein Immobilienvermögen im Wert von einer Million Euro. Da hieraus Erbschaftssteuer sowie aus der Vermietung auch Einkommensteuer fällig wurden und zudem auch Renovierungen am Gebäude anstanden, wurde das Geld knapp. „Wir leben ja sparsam, aber es halt hinten und vorne nicht mehr gereicht“, so der Angeklagte. Da ein Bankkredit verworfen wurde und eine Veräußerung des geerbten Hauses nicht angedacht war, kam bei ihm diese kriminelle Idee auf.

„Es tut mir furchtbar leid, ich werde den Schaden in voller Höhe begleichen.“ Diesen reumütigen Satz belegte der Angeklagte mit einem Kaufvertragsentwurf seines geerbten Hauses. Am 21. März ist dafür ein Notartermin anberaumt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft plädierte auf eine zweijährige Haftstrafe sowie eine empfindliche Geldbuße in Höhe von 20 000 Euro. Verteidiger Jacob Ramsauer nahm wohlwollend die in Aussicht gestellte Aussetzung der Freiheitsstrafe auf Bewährung zur Kenntnis.

Obwohl mit etwas „Bauchweh“ übernahm Richter Feurle den Antrag von Oberamtsanwalt Guido Lauber, wenn auch mit dem Kommentar: „Ich hätte mir eine noch höhere Geldbuße vorstellen können, es soll ja richtig wehtun“. Auch die nicht unerheblichen Kosten des Verfahrens schlagen dem untreuen Geldverwalter zu Buche.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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