Bewährungsstrafe: Mann bestellt Waren und zahlt einfach nicht

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Justitia
Das Gericht hat einen 54-jährigen Mann verurteilt. (Foto: Symbol: David-Wolfgang Ebener/dpa)
Rudolf Heilig

Wegen gewerbsmäßigem Computerbetrug ist ein 54-jähriger Mann aus einer nördlichen Kreisgemeinde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Da das Strafregister in Berlin aber bisher keinerlei Einträge des Angeklagten aufweist, setzte Amtsgerichtsdirektor Feurle diese Strafe für eine Bewährungszeit von drei Jahren aus.

Der betrügerische Internethandel geschah schon in den Jahren 2015 und 2016. Die Masche war im Prinzip immer dieselbe. Er bestellte unter Angabe falscher Adressen und Telefonnummern und verschiedenen Geburtsdatums, auch wechselte er immer wieder die Mailadressen. Getestet hatte der Angeklagte seine Betrugstour mit der Bestellung einer Armbanduhr im Wert von 239 Euro. Verständlicher Weise wünschte er die Bezahlung per Rechnung oder auch Ratenkauf. So galt es nur noch, in dem vom Versender genannten Zeitfenster den Postzusteller schon auf der Straße abzufangen. Jetzt erklärte er dem Boten, dass er als Hausmitbewohner berechtigt sei, Pakete anzunehmen. Nun, einmal geklappt, ging es Schlag auf Schlag weiter mit den betrügerischen Machenschaften.

Die Adressen verteilte der Straftäter auf den gesamten süddeutschen Raum. Von Offenburg bis weit hinter München verwendete er Adressangaben. Von 28 zur Anzeige gekommenen betrügerischen Bestellungen klappten die Paketübergaben der Spediteure in hohem Maße. Lediglich bei einem Viertel der Bestellungen schöpften die Fahrer Verdacht und lieferten nicht aus. Bei wenigen Fällen nahmen tatsächlich die angegebenen Personen die Sendungen an, schickten diese aber postwendend zurück. Bei den bestellten Waren ging es neben Bekleidung öfters um auch Kaffeemaschinen, Luftbefeuchter, Fernseher, Geschirrspüler, Laptops und auch Winterreifen. Auf die Frage des Richters: „Was haben sie dann mit diesen ergaunerten Gegenständen gemacht“, lautete die Antwort des Angeklagten: „Mit dem halben Preis lässt sich auch ohne Garantie auf den Flohmärkten alles verkaufen“.

Eine mit der Vernehmung des Angeklagten beauftragte Polizeihauptkommissarin stufte den Straftäter als korrekt, höflich und auch freundlich ein. Bereitwillig habe er bei der Aufarbeitung der umfangreichen Betrügereien mitgeholfen. Erste Staatsanwältin Christine Weiss zeigte sich gar erfreut über den sehr zügigen Verhandlungsverlauf: „Das vollumfängliche Geständnis sowie eine Entschuldigung des Angeklagten möchte ich sehr zu Gute halten. Doch die Taten sind nicht unerheblich, hatten System und Professionalität. Sie wolle aber nicht so weit gehen wie sein Verteidiger, welcher formulierte‚ der verursachte Schaden betreffe ja nur Großkonzerne, diese hätten ja solche Mätzchen bereits bei ihrer Kalkulation eingepreist.“

Bei der Urteilsverkündung blieb Feurle zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Neben der Bewährungsstrafe muss der Angeklagte 80 Sozialstunden ableisten. Weil wegen der aktuellen Lage am Arbeitsmarkt solche Stellen rar sind, kann der Verurteilte mit einer Zahlung von 800 Euro an die Bahnhofsmission Aulendorf diese Stunden auch auslösen. Den verursachten Schaden in Höhe von 8 749 Euro wird die Staatsanwaltschaft zur Forderung erheben. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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