Bei Kermes schwitzen nicht nur die Männer am Grill

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Die Männer der Gemeinde brutzelten bei Backofentemperaturen an großen Grills diese beliebten Hackfleischspieße namens „Adana“.
Die Männer der Gemeinde brutzelten bei Backofentemperaturen an großen Grills diese beliebten Hackfleischspieße namens „Adana“. Der Ventilator im Hintergrund brachte da kaum eine Abkühlung. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Mehrere hundert Besucher konnte die türkisch-islamische Gemeinde Bad Waldsee bei ihrer zweitägigen Kermes am Wochenende auf dem Gelände der Moschee begrüßen. Bei hochsommerlichem Wetter kamen dieses Mal aber nicht nur die Helfer an den großen Grillstationen ins Schwitzen. Auch den Gästen war’s heiß und sie waren dankbar für die vielen schattigen Sitzplätze an der Biberacher Straße 118. Den größten Andrang verzeichneten die Veranstalter temperaturbedingt an beiden Tagen jeweils erst in den Abendstunden.

Das Frühlingsfest der türkisch-islamischen Gemeinde wird von den Mitgliedern als „Fest der Begegnung mit allen Waldseer Bürgern“ betrachtet. „Wir freuen uns jedes Jahr sehr darüber, dass nicht nur unsere eigenen Mitglieder zur Kermes kommen, sondern auch viele Gäste aus der Stadt“, betonte Ümit Güzelaydin, Vorsitzender der Gemeinde, gegenüber der SZ.

Traditionell sind vor allem am ersten Festtag einige Nicht-Muslime zu Gast auf dem Gelände. Sie genießen unter freiem Himmel die Spezialitäten der türkischen Küche und kommen auf diese Weise niederschwellig mit den Gemeindemitgliedern ins Gespräch. „Der Zulauf auf unsere Kermes hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und es ist einfach schön, wenn wir dabei unsere Nachbarn, Arbeitskollegen und Bekannten willkommen heißen dürfen und uns austauschen“, freut sich Erkan Durna, der bis 2012 zum Vorstand der Gemeinde gehörte.

Im Mittelpunkt stand wieder die Begegnung miteinander und der Genuss kulinarischer Spezialitäten aus der türkischen Küche. Die Männer brutzelten bei Backofentemperaturen an großen Grills, was das Zeug hielt. Besonders begehrt waren wieder Koteletts und natürlich „Adana“, wie die Spieße mit Hackfleisch aus Lamm und Rind in der türkischen Sprache heißen. Sogar ein ganzes Lamm drehte sich stundenlang am Spieß. „Eine echte Spezialität, die es nicht in jedem Jahr gibt“, weiß Durna.

Aber auch die gefüllten Fladen, für die Frauen aus der Gemeinde stundenlang an niedrigen Holztischen große Teigmengen auswellen, sind beliebt bei den Gästen. Wem der Sinn nach Süßem stand, der kaufte sich eine Waffel oder feinen orientalischen Kuchen zum türkischen Kaffee – und das alles zu fairen Preisen.

Für ein kleines Kinderprogramm hat die Gemeinde ebenfalls gesorgt und mehrere Privatleute verkauften an ihren Ständen Haushaltswaren und Bücher. Auch Führungen durch die sanierte Moschee mit dem örtlichen Imam Fikret Atici waren im Angebot.

Und natürlich durften im Jahr der Fußball-WM Fernsehübertragungen der Spiele auf dem Vereinsgelände nicht fehlen. Grüppchenweise versammelten sich die Kermes-Besucher vor den Bildschirmen und verfolgten die Begegnungen des Achtelfinales. „Also ich hätte der deutschen Mannschaft den Sieg gegönnt – jetzt fehlt es doch ein bisschen an Spannung bei diesem Turnier“, sagt Emine Güzelaydin, bevor sie sich wieder nützlich macht vor oder hinter den Verkaufstheken.

„Obwohl wir in diesem Jahr erst nach dem Ramadan feierten und es jetzt Ende Juni wirklich heiß ist, sind wir zufrieden mit der Resonanz auf die Kermes 2018 und freuen uns heute schon auf die Kermes 2019“, so Durna.

Da alle türkisch-islamischen Gemeinden in der Region im Frühjahr ihre Tage der offenen Moscheen anbieten, spreche man sich untereinander ab mit den Terminen, um Überschneidungen möglichst zu vermeiden. Durna: „Das klappt nicht immer ganz und so fiel unsere Kermes dieses Mal mit der in Bad Wurzach zusammen.“

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