Bad Waldseer Stadtkapelle reist musikalisch um den Globus

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In Aktion: Dietmar Ruf (links) dirigiert die Stadtkapelle.
In Aktion: Dietmar Ruf (links) dirigiert die Stadtkapelle. (Foto: Dietmar Hermanutz)
Schwäbische Zeitung
Dietmar Hermanutz

Zehnmal landete der musikalische Flieger, in dem sich die Musiker der Stadtkapelle und des Jugendblasorchesters Bad Waldsee befanden, im Programm des Jahreskonzerts. Frankreich, Italien, Irland, Österreich, aber auch exotischere Destinationen wie Brasilien, Korea und die Vereinigten Staaten erhielten musikalische Stippvisiten und begeisterten die Besucher bei den Konzerten am Samstagabend und Sonntagnachmittag.

Mehr als 250 Gäste verzichteten auf die finale „Wetten, dass…?“-Sendung am heimischen Fernseher und bevorzugten stattdessen die unvergleichliche Atmosphäre eines Livekonzerts, bei dem insgesamt mehr als 100 aktive Musiker auf der Bühne standen. Ein beeindruckender Klangkörper, der auf technischen Schnickschnack verzichten konnte und stattdessen vom gemeinsame Spiel unter der Leitung des Dirigenten Dietmar Ruf und der Stimme der Solistin Brigitte Thaler lebte.

Für die Musiker der Stadtkapelle mit am anspruchsvollsten zu spielen, dafür aber auch mit dem stärksten Applaus bedacht, war „Neapolitan Holiday“ von Philipp Sparke. Wechselnde Rhythmen, dominantes Schlagwerk und dazwischen immer wieder Melodiefragmente, die man aus italienischen Opern oder Schlagern zu kennen meint. All das mündet in einem äußerst kraftvollem Finale, mit dem die Besucher in die Pause entlassen wurden.

Den Auftakt des Konzertabends bestritt das Jugendblasorchester (JBO), in dem Jungmusiker der Stadtkapelle, der Jugendmusikschule und der Musikvereine aus Reute-Gaisbeuren, Michelwinnaden und Haisterkirch spielen. Mit der irischen „Kilkenny Rhapsodie“ von Kees Vlak wurde der grünen Insel ein musikalischer Besuch abgestattet, der zwischen Riverdance-Stepp-Rhythmus und Rosemarie-Pilcher-Sehnsuchtsmelodien ein breites musikalisches Spektrum bediente.

Mit sehr eingängigen, erfrischenden Melodien führte die musikalische Reise in die Welt der Ozeane, wo der Clownfisch Nemo aus dem gleichnamigen Animationsfilm zur Titelmusik von Charles Trenet gesucht wurde. In eine ebenfalls ungewöhnliche Welt geleitete die Stadtkapelle mit den Variationen über ein koreanische Volkslied von J. Barnes Chance. Die Musik bediente die Phantasie, die abwechselnden Einsätze der verschiedenen Register, der Gong und das schnelle Xylophon – all das lässt einen an ekstatische Drachentänze, wehende bunte Bänder und fröhlich lachende Gesichter denken.

Im zweiten Teil des Konzerts dominierten Medleys mit populären, eingängigen Melodien. Bestes Beispiel dafür ist die schwedische Popgruppe ABBA, deren Vielfalt an Hits, die hier vorgetragen wurden, beeindruckte. Brasilianische Bossa-Nova-Standars von Antonio Carlos Jobim waren eine vielfältige Spielwiese der Percussiongruppe der Kapelle, die durch den samtweichen Gesang der Sängerin Brigitte Thaler besonders gut zur Geltung kamen.

Waren die südamerikanischen Rhythmen eine entspannende Angelegenheit, so herrschte bei den Kinotitelmelodien von John Williams sowohl beim Publikum wie auch bei den Musikern höchste Konzentration, denn schließlich drohte der Weiße Hai aufzutauchen und die Sternenflotte aus „Star Wars“ zog musikalisch ihre Kreise über dem Planeten.

Keine geht ohne Zugabe

Für die Darbietungen gab es vom Publikum begeisterten Applaus, keiner durfte die Bühne ohne Zugabe verlassen. Das JBO hatte dafür das Stück „Lemon Tree“ von Fools Garden einstudiert, Brigitte Thaler sang „My heart will go on“ aus dem Film „Titanic“ und die Stadtkapelle hatte einen Marsch im Gepäck. Uncle Teddy von Julius Fucik war kraftvoll, schmissig und mit satten Bläsereinsätzen – ein Marsch und eine Zugabe, wie sie den Freunden der Blasmusik gefällt.

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