Bad Waldsee will inklusive Stadt werden

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 Im Sitzungssaal wurde rund 90 Minuten über das Inklusionsprojekt der Stadt und der „Liebenau Teilhabe“ gesprochen.
Im Sitzungssaal wurde rund 90 Minuten über das Inklusionsprojekt der Stadt und der „Liebenau Teilhabe“ gesprochen. (Foto: Wolfgang Heyer)
Redaktionsleiter

Bad Waldsee möchte eine inklusive Stadt werden. Gemeinsam mit der „Liebenau Teilhabe“ hat die Kurstadt am Mittwochabend hierfür einen „Runden Tisch“ im Rathaus einberufen. Im Mai soll es sogar eine eigene Aktionswoche für und mit Menschen mit Behinderung geben.

Mehr als 20 Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Betroffene haben sich im Sitzungssaal über „ein gutes Miteinander in Bad Waldsee“ ausgetauscht über das Projekt, das von der „Aktion Mensch“ gefördert wird, informiert. Brigitte Fluhr von der „Liebenau Teilhabe“ erklärte, dass zunächst die erwachsenen Menschen mit Behinderung in den Fokus genommen werden, ehe im Hauptprojekt alle Menschen mit Behinderung angesprochen werden sollen. „Menschen mit Handicap sollen in Bad Waldsee in den Fokus gerückt und Räume für Begegnung geschaffen werden, um Teilhabe und Mitbestimmung im Gemeinwesen zu ermöglichen“, zeigte Fluhr das Projektziel auf.

Mithilfe eines Fragebogens, der auf unterschiedlichsten Wegen an die Betroffenen herangetragen werden soll, möchten die Verantwortlichen die Anliegen der Menschen mit Behinderung erfassen. Hierbei sollen anonymisierte Angaben und Wünsche eingeholten werden. Außerdem ist eine Aktionswoche im Mai angedacht. „Die Aktionswoche ist der öffentliche Auftakt zum Inklusionsprojekt“, sagte Fluhr und ergänzte: „Wir würden uns freuen, wenn wir Aktionen für eine ganze Woche zusammenbekommen, aber wenn es zwei oder drei Tage sind, ist auch auch schon viel.“ Je mehr Kooperationspartner und lokale Akteure zur Unterstützung gefunden würden, desto mehr Angebote könnten im Mai realisiert werden. Als Beispiele nannte sie spezielle Lesungen, Filme oder Informationsveranstaltungen. Die Aktionswoche soll am 5. Mai beginnen – also am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

In der Folge brachten die Teilnehmer ihre Ideen ein. So bot Bernhard Schultes an, die Fragebogen bei „Wirtschaft im Gespräch“ vorzustellen und konnte sich eine Aktion beim diesjährigen Lauffieber am 11. Mai vorstellen. Schultes sowie die evangelische Pfarrerin Birgit Oehme sprachen sich zudem dafür aus, Betroffene mit in die Arbeitsrunden aufzunehmen. Rathaussprecher Alfred Maucher regte an, die ehemalige Bundes-Behindertenbeauftragte, Verena Bentele, zur Aktionswoche einzuladen. VHS-Leiterin Beate Scheffold nannte als mögliche Aktion „den Kurs Yoga im Sitzen“.

Der Vorsitzende des Bad Waldseer Stadtseniorenrats, Helmut Brecht, ging auf den Begriff „Behinderung“ ein und sensibilisierte auf die Leiden der Senioren. „Wenn jemand im Winter mit dem Rollator nicht zur Seniorensprechstunde kommen kann, dann wird er auch aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.“ Fluhr machte deutlich, dass es Synergieeffekte gebe. Wenn eine Barriere für Menschen mit Behinderung beseitigt werde, dann könnten davon auch Senioren profitieren.

Rudi Heilig, Vorstand der Suppenküche, informierte sich nach der Anzahl der Menschen mit Behinderung in Bad Waldsee. Wie Fluhr erläuterte, sei ihr vom Landratsamt mitgeteilt worden, dass „rund zehn Prozent der Bevölkerung in irgendeiner Form betroffen ist“. Haisterkirchs Ortsvorsteherin Rosa Eisele machte sich dafür stark, dass die Fragebogen sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortschaftsverwaltungen ausgelegt werden.

Und so endete der erste „Runde Tisch“ nach rund 90 Minuten. Bürgermeister Roland Weinschenk hob noch hervor, dass sich weitere Akteure und Interessierte anschließen können und bis zum 13. Februar rückmelden sollten, ehe Fluhr das Fazit zum Abend verkündete: „Das war heute ein guter Anfang.“

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