„Backmobil“ ersetzt die Cafeteria im Waldseer Krankenhaus

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Zehn Minuten Zeit bleiben der Belegschaft des Waldseer Krankenhauses jeden Vormittag, um sich am „Backmobil“ der Landbäckerei M
Zehn Minuten Zeit bleiben der Belegschaft des Waldseer Krankenhauses jeden Vormittag, um sich am „Backmobil“ der Landbäckerei Mohr mit Snacks und Salaten für den Arbeitstag einzudecken. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Keine fünf Monate nach Wiedereröffnung hat die Cafeteria im Waldseer Krankenhaus ihren Betrieb am 27. Juni bereits wieder eingestellt. Nach Angaben von OSK-Sprecher Winfried Leiprecht sah sich die Pächterin des Bistros aus „wirtschaftlichen Gründen“ zu diesem Schritt gezwungen. Nun springt ein „Backmobil“ in die Bresche und beliefert das Personal vormittags zehn Minuten lang mit Pausensnacks und Salaten. Und für Patienten und Besucher soll es an den Wochenenden zum Automaten-Kaffee bald ein Kuchenbuffet geben als Ersatz für „Gisis Caféstube“.

Von der Schließung des Bistros im Erdgeschoss der Klinik sind nach SZ-Informationen weder Belegschaft noch Patienten und Besucher des Krankenhauses begeistert. Gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ möchte sich allerdings niemand der Befragten dazu äußern. Aber dass es in einem zertifizierten Endoprothetikzentrum, wo sich täglich mindestens 200 Menschen aufhalten, kein Café mehr gibt, sorgt über das Krankenhaus für Gesprächsstoff in der Kurstadt.

Auch Bürgermeister Roland Weinschenk findet diesen Vorgang „bedauerlich“. Gleichwohl könne er die Entscheidung der Pächterin „nachvollziehen, weil sich das Café wohl wirtschaftlich nicht trägt“, führt er aus. „Ich bin aber davon überzeugt, dass die OSK eine Lösung finden wird, damit Patienten und Besucher nach wie vor mit Kaffee, Kuchen und Zeitschriften versorgt werden“, so das Stadtoberhaupt.

Die OSK-Geschäftsleitung in Ravensburg bewertet die Schließung des Bistros an ihrem Klinikstandort Bad Waldsee „als nicht so dramatisch wie es vielleicht dargestellt wird“, formuliert es deren Sprecher Leiprecht. „Ein Café das gut läuft, wird nicht geschlossen. Es ist also offensichtlich, dass sich die Cafeteria nicht gerechnet hat für die Betreiberin, obwohl wir keine Pacht erhoben haben“, so Leiprecht dazu weiter. Ähnliche Erfahrungen mit Bistros habe der OSK-Klinikverbund auch in den anderen, kleineren Häusern im Allgäu gemacht. „Im EK läuft das Bistro, aber hier gibt es auch den ganzen Tag eine weitaus höhere Frequenz an potentiellen Gästen als dies in einem kleinen Krankenhaus der Fall ist.“

Dennoch sei die OSK bestrebt, „das Beste aus der Situation zu machen für das Personal und für alle, die im Waldseer Krankenhaus unterwegs sind. Wir könnten zwar nochmals einen neuen Pächter suchen, aber das scheint wenig erfolgversprechend zu sein bei diesen Vorzeichen. Und es gehört auch nicht zum Kernbestand einer Klinik, ein solches Café selbst zu betreiben, weil wir das Personal für die Patientenversorgung benötigen“, räumt Leiprecht ein.

Die Geschäftsleitung habe deshalb mit dem „Backmobil“ der Landbäckerei Mohr aus Unteressendorf zunächst einmal die Versorgung der Mitarbeiter sichergestellt. „Das war nicht selbstverständlich, weil das Fahrzeug eine große Tour zu fahren hat mit eng gesteckten Zeiten“, weiß der OSK-Sprecher. Und deshalb bleiben der Fahrerin gerade ’mal zehn Minuten, um im Innenhof der Klinik unter freiem Himmel belegte Brötchen und Salate zu verkaufen. „Vorher war ich in den Waldseer Betrieben zur Vesperausgabe und jetzt geht’s gleich weiter in Richtung Kreis Biberach“, beschreibt die Verkäuferin ihre tägliche Fahrtroute.

Aber auch für Patienten, die das Bett verlassen können, sowie für Besucher und ambulante Patienten möchte das Klinikum zügig ein Ersatzangebot machen für das geschlossene Bistro: „Neben den bereits installierten Automaten für Kaltgetränke und Süßigkeiten werden wir zeitnah einen Kaffeeautomaten aufstellen in der Cafeteria und an den Wochenenden dort zudem für ein Kuchenbuffet mit Selbstbedienung sorgen“, sichert der OSK-Sprecher zu. Bezogen würden die Kuchen ebenfalls vom Bäcker Mohr. Leiprecht: „Das Geld kommt in ein aufgestelltes Kässchen - wir vertrauen da auf die Ehrlichkeit der Bad Waldseer.“ Die Automaten würden von externen Firmen aufgefüllt und gewartet.

Darüber hinaus soll es demnächst wieder ein kleineres Zeitungs- und Zeitschriftenangebot geben, auf das Patienten und Besucher bekanntlich gerne zurückgreifen in einer Klinik. „Der Verkauf wird direkt an der Empfangstheke erfolgen“, blickt Leiprecht voraus. „Und sollte den Leuten irgend etwas fehlen aus dem früheren Bistro-Sortiment, dann bekommen wir dazu immer rasch Rückmeldungen und können darauf entsprechend reagieren.“

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