Aus Hühnerstall soll Raum für Kultur werden

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Neuer Kulturraum in Volkertshaus
Bad Waldsee (hey) – Den großen leeren Hühnerstall in Volkertshaus möchte Stefan Grundner neu beleben – nicht mit Tieren, sondern mit Kultur.
Redaktionsleiter

Weitere Informationen zum Projekt und den Workshops gibt es bei Stefan Grundner per E-Mail: mail@stefan-grundner.de

Einen ehemaligen Hühnerstall in Volkertshaus will Stefan Grundner zu einem kulturellen Raum samt Färbewerkstatt namens „Naturraum Blau“ umbauen. Auch die Bewirtschaftung des angrenzenden Obstgartens spielt dabei ein Rolle. Insgesamt 100 000 Euro hat der Gärtner der Solidarischen Landwirtschaft Bad Waldsee für das Projekt veranschlagt.

„Hier liegt viel Potential, das brachliegt. Und das kann man sinnvoll wiederbeleben“, sagt Stefan Grundner mit Blick auf das Gelände neben der L316. Rund 50 alte Streuobstbäume umringen das ungenutzte Hühnerstall-Gebäude. Das soll sich ändern. Grundners Pläne sehen eine Sanierung vor – und zwar nach dem Vorbild einer Orangerie. Der gelernte Landwirt und studierte Landschaftsarchitekt hat die Skizzen dazu selbst entworfen. So soll die Südwand herausgerissen und durch eine Verglasung ersetzt werden. Das Dach wird neu eingedeckt und der Dachstuhl erneuert. Bis zum Frühjahr 2019 soll die Modernisierung abgeschlossen sein. „Der Raum liegt mitten im Obstgarten, da hat man den unmittelbaren Naturbezug“, so der 53-Jährige, der die Maßnahme mit dem Eigentümer abgestimmt hat. Nicht zuletzt möchte Grundner weitere Bäume anpflanzen und eigenen Apfelsaft anbieten.

In den neuen Räumlichkeiten will Grundner eine Färbewerkstatt realisieren und entsprechende Färbe-Workshops anbieten. Vor Kurzem hat er sich in Sachsen-Anhalt weitere Expertise zum Färben angeeignet und den Umgang mit dem Färberwaid gelernt. „Das ist eine alte europäische Kulturpflanze und die grünen Blätter erzeugen ein spektakuläres Blau“, betont Grundner das natürliche Farbspiel, das zuvor noch eine Überraschung bereithält. Schließlich verfärbt sich die Wolle, die in den speziellen Sud getaucht werden, zunächst gelb, ehe die Reaktion mit Sauerstoff den blauen Farbton ermöglicht. „Man sagt, dass die Redewendung Blau machen da her kommt. Denn die Färber hatten während dieses Prozesses nichts zu tun“, erklärt Grundner und gibt damit auch eine Erklärung für den ungewöhnlichen Projektnahmen „Naturraum Blau“. Die Workshop-Teilnehmer und Schüler sollen darüber hinaus die Möglichkeit haben, verschiedene Pflanzenfärbstoffe kennenzulernen. Beispielsweise Eichenrinde, die für einen olivgrünen Ton sorgt oder Walnussblatt, das in Richtung Ocker färbt.

Grundner nennt sein Konzept Umwelt- und Bauernhofpädagogik, die auch Schulklassen ansprechen soll. Geplant ist, selbst Apfelsaft produzieren zu lassen. „Die Schüler sammeln und waschen die Äpfel und können mit einer altherkömmlichen Kelter dann Apfelsaft herstellen.“ Bereits im Oktober sollen die ersten Apfeltage auf dem Gelände stattfinden. „Der Raum ist dann zwar noch nicht fertig, aber die Äpfel sind da und dann improvisieren wir einfach“, zeigt sich der gebürtige Würzburger motiviert. Einzig von Mitte Februar bis Mitte Mai soll der Raum etwas anders genutzt werden: dann ist die Jungpflanzen-Aufzucht der Solidarischen Landwirtschaft dort untergebracht und folglich ist der Raum geprägt von Tomate, Paprika und Gurke.

Auch kulturelle Veranstaltungen möchte Grundner im ehemaligen Hühnerstall verwirklicht sehen. Egal ob Konzerte oder Lesungen. Vorstellbar sind für den Mit-Organisator der Veranstaltungsreihe „Oberlandkultur“ unterschiedlichste Kulturformen. Warum? „Kultur ist für mich etwas Lebensnotwendiges“, begründet er sein Engagement und betont, dass der Ort für Kunst eben auch passen muss und das Gebäude inmitten der Obstbäume inspirierend wirkt.

Die Regionalentwicklung Mittleres Oberschwaben (Remo) unterstützt das Projekt durch die Leader-Förderung in Höhe von rund 25 000 Euro. „Dieser Zuschuss war essentiell. Sonst hätte ich es nicht gemacht“, verdeutlicht der Landwirt die Bedeutung der Förderung durch die EU und das Land Baden-Württemberg.

Weitere Informationen zum Projekt und den Workshops gibt es bei Stefan Grundner per E-Mail: mail@stefan-grundner.de

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