Auf dem Weg zur barrierefreien Innenstadt

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 So oder so ähnlich könnte die „Rolli-Bahn“ aussehen.
So oder so ähnlich könnte die „Rolli-Bahn“ aussehen. (Foto: Freiraumplanung Sigmund)
Redaktionsleiter

Für Rollstuhlfahrer, Senioren, die auf den Rollator angewiesen sind, oder Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung kann der Aufenthalt in der Bad Waldseer Altstadt mitunter beschwerlich sein. Hier und dort stellen sich ihnen Hindernisse in den Weg, wie beispielsweise Treppen, hohe Randsteine oder rutschiger Pflasterstein. Um die Barrierefreiheit in der Innenstadt zu verbessern, haben die Stadtverantwortlichen das Planungsbüro Sigmund mit der Erarbeitung einer Konzeption beauftragt. Die ersten Ergebnisse dazu hat Jörg Sigmund dem Ausschuss für Umwelt und Technik in seiner jüngsten Sitzung vorgestellt.

Wie Sigmund erläuterte, führte das Büro eigens eine Bestandsaufnahme durch und ließ sich von Betroffenen die Hindernisse in der Altstadt aufzeigen. In der dazugehörigen Foto-Dokumentation finden sich die „eindrücklichen Beispiele“, wie es Sigmund nannte, wieder. So ist es einem Rollstuhlfahrer beispielsweise kaum möglich, die Trinkwasserstelle auf der Grabenmühle zu erreichen, weil der Pflasterstein darum herum erhöht ist. Für seheingeschränkte Menschen stellen die Sitzgelegenheiten auf der Hochstatt ein Hindernis dar. Und so manche große Fuge zwischen den Pflastersteinen lässt den Rollator stocken.

Im Hinblick auf problematische Flächen machte Sigmund vier Hauptstellen aus: Der Spitalhof, der Übergang zwischen Hochstatt und Grabenmühle, die Anbindung vom Hirschhof zur Ravensburger Straße sowie der Zugang zum Bürgerbüro. Doch nicht nur der Bodenbelag wurde in der Konzeption berücksichtigt. Auch die fehlende Querungsinsel in der Friedhofstraße wurde aufgezeigt sowie weitere technische Mängel. So gibt es an der Ampelanlage bei der Stadthalle beispielsweise keine Taster für Blinde.

Große Platten als Spur

Die aufgezeigten Lösungsvorschläge des Büros widmeten sich den drängendsten Problemstellen. Um dem Pflasterstein seine Tücken zu nehmen und eine möglichst reibungslose Orientierung zu ermöglichen, wurde eine „Rolli-Bahn“ vorgeschlagen. Mithilfe großformatiger Platten könnte eine Spur als Roll- und Leitstreifen durch die Altstadt geschaffen werden. „Beim Spitalhof liegt die Lösung auf der Hand: das Pflaster herausreißen. Aber vielleicht gibt es auch eine alternative Lösung“, sagte Sigmund und sprach sich – auch aufgrund des Gefälles – für ein entsprechendes Leitsystem aus, das die Besucher und Bewohner über barrierefreie Wege zum Eingang führt.

Das rund 100 Seiten starke Konzept soll nun unter anderem den Fraktionen, dem Handels- und Gewerbeverein, dem Stadtseniorenrat und den Kreisbehinderten-Beauftragten zugehen. Sie alle haben bis März 2019 die Möglichkeit Stellungnahmen abzugeben, ehe der endgültige Beschluss gefasst wird. „Zusammenfassend kann man sagen: In der Altstadt gibt es viele positive Beispiele für Barrierefreiheit, aber das große Manko sind die Belagsflächen. Das könnte mit einer großformatigen Belagsspur durch die Altstadt gelöst werden“, erklärte Sigmund.

Die Ausschussmitglieder nutzten in der Folge die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Karl Schmidberger (SPD) fragte beim Standort Spitalhof gezielt nach einer kurzfristigen Lösung: „Die Fugen sind sehr tief, kann man die auffugen oder auffüttern?“ Sigmund machte deutlich, dass im Einzelfall schnelle Verbesserungen herbeigeführt werden könnten, „ohne gleich die endgültige Lösung auszuführen“. Sonja Wild (CDU) informierte sich bei den Ampelanlagen nach zügig umsetzbaren Verbesserungen. Jürgen Bucher vom Tiefbauamt verwies auf die Zuständigkeiten: „Der Großteil der Ampeln befindet sich im Eigentum des Landes oder des Kreises. Da fehlt uns als Stadt der direkte Zugriff.“ Die Entscheidung fälle das Regierungspräsidium Tübingen. „Über die Erhebung haben wir nun aber Know-How, das wir dem Land und Kreis zur Verfügung stellen können“, so Bucher. Roland Schmidinger machte sich außerdem für einen Stadtbehindertenbeauftragten stark.

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