Altkleiderdieb in Gaisbeuren auf frischer Tat ertappt

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Die Altkleidercontainer der Malteser an der Müllumladestation: Immer Mittwochs waren sie bereits vor der Leerung geplündert. (Foto: Kara Ballarin)
Kara Ballarin

Wie kann das sein, fragte sich Thomas Gäßler schon seit Längerem. Immer mittwochs, wenn die vier Container für Altkleider an der Müllumladestation zwischen Gaisbeuren und Bad Waldsee geleert werden sollen, ist nichts drin. Im Gegensatz zu den Leerungen dort montags und freitags. Warum immer mittwochs, was ist da los? Und warum gibt es keinerlei Schäden an den Containern?

Thomas Gäßler ist als Gebietsleiter bei der Firma Striebel Textil in Langenenslingen beschäftigt, die unter anderem für den Malteser Hilfsdienst die Altkleidercontainer in Gaisbeuren leeren. Nach drei Wochen hatte er den Plan, dem Rätsel nachzugehen. Einen Detektiv einschalten? Das hatte er kurz angedacht, dann aber entschieden, sich selbst auf die Lauer zu legen. „Ich habe das vorher mit der Polizei in Bad Waldsee abgeklärt“, sagt er. Und er hatte bereits einen Verdacht, wer der Übeltäter sein könnte.

Der von ihm Verdächtigte wurde mit seinem Transporter noch am Dienstagabend in Ulm gesichtet, berichtet Gäßler. Das bedeutete für ihn, dass er sich nicht zu früh auf die Lauer in Gaisbeuren legen musste. „Die Polizei in Bad Waldsee hat gesagt, dass in der Nacht dann die Polizei in Weingarten zuständig ist“, sagt Gäßler. Also hat er sie in seine Aktion eingeweiht, bevor er sich zu Hause um 3 Uhr auf den Weg in Richtung Bad Waldsee machte.

Um kurz vor 4 Uhr in der Nach auf Mittwoch war er da. „Beim Dranklopfen an die Container hab‘ ich gehört, dass was drin ist“. Der Altkleiderdieb war also noch nicht da. Gäßler setzte sich in sein Auto, das er etwas versteckt abgestellt hatte. Lange warten musste er nicht. „Um kurz nach vier kam er.“ Und Gäßler sah den Mann. Es war der, den er verdächtigt hatte, den er kannte. „Er hat mal bei einer Entsorgungsfirma von uns gearbeitet“, sagt Gäßler. Damals sei er beim Klauen erwischt und gekündigt worden.

Und nun begriff Gäßler auch, warum die Container nach den Beutezügen nicht beschädigt waren: Der Mann hatte sich damals den Schlüssel dafür nachmachen lassen.

Um 4.22 Uhr hat Gäßler die Weingartener Polizei alarmiert und sich dann mit dem Fotoapparat an den Kleiderdieb herangepirscht. Er wurde entdeckt, es kam zum Handgemenge. „Ich war geblendet, weil der Mann eine Stirnlampe aufhatte“, sagt Gäßler, der Prellungen und Schürfwunden von dem Gerangel davontrug. Er schnappt sich auch Gäßlers Kamera.

Die Polizei kam, der Mann flüchtete in seinem Transporter in Richtung Bad Waldsee. „Das war eine richtige Verfolgungsjagd“, sagt Gäßler. In Waldsee stellten die Polizisten den Mann. Sie beschlagnahmten das Diebesgut, das im Laderaum des Transporters war und nahmen den Mann fest.

„Der Mann betreibt gewerbsmäßig einen Handel mit Altkleidern“, ein entsprechendes Gewerbe ist angemeldet, sagt Klaus Blaser, Sprecher der Polizeidirektion Ravensburg, auf Anfrage der SZ. Der 35-jährige Mann, der in einem Nachbarkreis von Ravensburg ansässig ist, hat auch eigene Container für Altkleider, „mit denen ist alles in Ordnung“, sagt Blaser. Nichtsdestotrotz habe er sich auch schon mehrfach an anderen Containern, die nicht seine eigenen sind, vergriffen. „Er ist schon einschlägig vorbestraft“, sagt Blaser. Auf Entscheidung der Staatsanwaltschaft Ravensburg befindet sich der Mann zwischenzeitlich wieder auf freiem Fuß.

„Ich konnte das nicht fassen, dass der schon wieder frei ist“, sagt Gäßler. Er selbst hat im Weingartener Krankenhaus 14 Nothelfer seine Wunden vom Gerangel versorgen und sie durch Fotos dokumentieren lassen. Bis Montag ist er noch krankgeschrieben. Bleibende körperliche Schäden wird es wohl nicht geben, sagt Gäßler, „aber die Psyche arbeitet“, sagt er.

Ein Ermittlungsverfahren gegen den 35-Jähriger läuft laut Polizeisprecher Blaser nun – wegen eines besonders schweren Falls des Diebstahls und auch der Tatbestand des Raubs wird geprüft. Die entsprechenden Ermittlungen unternimmt die Polizei Bad Waldsee.

Gäßler bezeichnet den Diebstahl als keinen Einzelfall. „In letzter Zeit wird in bestimmten Regionen massiv geplündert, besonders am Bodensee“, sagt er. Die Diebstähle häufen sich seit etwa zwei bis drei Jahren nach seinen Beobachtungen. Gäßler glaubt, dass viele die geklauten Kleider nicht selbst tragen, sondern weiterverkaufen. Schlimm findet Gäßler vor allem, dass die Kleider, die einem guten Zweck zukommen sollen, so nie bei den Maltesern landen.

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