Afghane ist Koch-Azubi mit Leidenschaft

Lesedauer: 6 Min
Gutes Team: Koch-Chef Horst Schmidt (rechts) und sein Auszubildender Nabiullah Safizada.
Gutes Team: Koch-Chef Horst Schmidt (rechts) und sein Auszubildender Nabiullah Safizada. (Foto: Wolfgang Heyer)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Jeder zweite Koch-Azubi in Deutschland bricht seine Ausbildung vorzeitig ab. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2018 hervor. Es gibt aber auch positive Beispiele, wie Nabiullah Safizada. Der gebürtige Afghane ist 2015 nach Deutschland geflüchtet und hat im November 2016 seine Ausbildung zum Koch im Landgasthof Kreuz in Mattenhaus begonnen – und ist mit Leidenschaft dabei.

„Es macht Spaß. Ich habe einen guten Chef und gute Arbeit. Und Koch ist mein Lieblingsberuf“, sagt der 20-Jährige und bereitet mit geschickten Handgriffen ein Steak mit Spinat und Brokkoli zu. In Afghanistan und im Iran hat er als Jugendlicher als Kellner gearbeitet. Der Arbeitsplatz rund um den Gastraum ist ihm also schon länger bekannt. Die abwechslungsreiche Arbeit in der Küche hat es ihm aber besonders angetan. Selbst die Hektik an den Töpfen und Pfannen schätzt Safizada, wie er mit einem Lächeln betont: „Der Stress in der Küche ist positiv, das brauche ich.“

Insgesamt drei Jahre dauert eine Koch-Ausbildung üblicherweise. Nach eineinhalb Jahren attestiert Horst Schmidt seinem Schützling große Fortschritte. „Ich bin sehr zufrieden. Die anfänglichen sprachlichen Mängel hat er schnell mit Einsatz und Engagement ausgeglichen.“ Lediglich beim Schreiben und Lesen hätte Safizada noch Defizite. Daher sucht Schmidt nach ehrenamtlichen Deutschlehrern, die den Azubi hier und da unterstützen.

Safizada kam einst in der Flüchtlingsnotunterkunft in der Stadthalle unter. Der Helferkreis Global stellte damals den Kontakt zu Schmidt her und der Kreuz-Koch bot dem jungen Flüchtling ein Praktikum an. Schnell war klar, Safizada möchte sich hier ausbilden lassen. Schmidt ermöglichte es ihm. Zwischenzeitlich wohnt der 20-Jährige sogar im Landgasthof. Im Hotel hat „die Familie“, wie er seinen Chef und das ganze Team nennt, ihm ein Zimmer mit Wohnküche und Dusche hergerichtet. „Er wollte auch nahe bei der Arbeit wohnen, schließlich hat er ein großes Pensum zu absolvieren“, betont Schmidt.

Ausgefüllter Tagesplan

Der Tagesplan von Safizada ist ausgefüllt. Von 10 bis 16 Uhr arbeitet er in der Küche, um 17 Uhr beginnt sein VHS-Integrationskurs in Aulendorf. Gegen 22 Uhr fällt er müde ins Bett. „Ich wollte immer Koch werden und bin so froh, hier zu sein“, fasst der Lehrling seine Freude in Worte. Die langen Arbeitstage machen ihm nichts aus. Auch Abend- oder Wochenendeinsätze schrecken ihn nicht ab. Doch genau diese besonderen Arbeitszeiten führen bei vielen Auszubildenden zum Abbruch der Lehre.

Schmidt ist langjähriges Mitglied der IHK-Prüfungskommission für den Ausbildungsberuf Koch. Ihm sind die Gründe der Abbrecher bekannt: „Viele haben ein falsches Berufsbild vor Augen und kommen mit den Arbeitszeiten nicht klar.“ Dabei hätten die freien Tage unter der Woche auch ihren Reiz. „Aber klar, in der Clique ist man plötzlich nicht mehr so häufig dabei. Das ist man aber auch nicht, wenn man zum Studieren in eine andere Stadt geht“, verdeutlicht Schmidt die Veränderung, die ein neuer Lebensabschnitt eben mit sich bringt. Auch den Grund der hohen Arbeitsbelastung will Schmidt für seinen Berufsstand nicht gelten lassen. „Arbeiten muss man überall“, sagt der 45-Jährige und lacht. Grundsätzlich rät er allen interessierten Azubis dazu, ein Schnupper-Praktikum im anvisierten Berufsfeld zu absolvieren. Auf diese Weise kann ein Einblick in den Arbeitsalltag eingeholt werden.

Das Erfolgsgeheimnis

In seinem Landgasthof hat Schmidt seit 1994 zehn Auszubildenden das Kochen beigebracht. Keiner hat abgebrochen. Sein Erfolgsgeheimnis? „Wir sind ein familiär geführter Betrieb und wir gehen auf die Wünsche beim Dienstplan ein“, erklärt der Koch. Außerdem bemühe er sich darum, den Lehrlingen den Spaß an der Arbeit zu vermitteln. Die Mühe nimmt er gerne auf sich, schließlich handle es sich um den potentiellen Koch-Nachwuchs.

Safizada ist jedenfalls glücklich mit seiner Ausbildung. Einzig eine Sorge bleibt derzeit. Sein Asylantrag wurde abgelehnt und er hat Widerspruch eingelegt. Er hat zwar eine Aufenthaltsgenehmigung und doch befindet sich sein Anliegen in einem sogenannten schwebenden Verfahren. „Ich hoffe das klappt alles“, meint er und wendet gekonnt das Steak.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen