1000 Zigarettenkippen sammeln Stadtreiniger wöchentlich ein

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 Jürgen Lohr sammelt die Zigarettenreste mit einer kleine Zange selbst hin und wieder ein.
Jürgen Lohr sammelt die Zigarettenreste mit einer kleine Zange selbst hin und wieder ein. (Foto: Wolfgang Heyer)
Redaktionsleiter

Sie liegen auf dem Boden, in den Ritzen der Pflastersteine, im Gebüsch und auf den Wiesen entlang des Stadtsees: Achtlos weggeschnipste Zigarettenkippen. Der Müll ärgert nicht nur Leser Jürgen Lohr, der die „Schwäbische Zeitung“ auf die vielen Zigarettenstummel auf den Straßen aufmerksam gemacht hat. Auch die Stadt sieht darin ein Ärgernis.

Lohr muss sich tief bücken, um die einzelnen Zigarettenkippen mit einer kleinen Zange greifen und anschließend in einem Müllbeutel sammeln zu können. Beim kurzen Rundgang über die Hochstatt und die Grabenmühle findet der Rentner beinahe bei jedem Schritt einen orangen Zigarettenrest und schnell füllt sich seine Abfalltüte. Mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit will der Bad Waldseer sensibilisieren, „damit sich in der breiten Bevölkerung das Bewusstsein für dieses Umweltproblem schärft, denn die Stadtreinigungen alleine können es nicht bewältigen.“

Wie eine Anfrage bei Rathaussprecherin Brigitte Göppel ergab, sieht auch die Stadt die weggeworfenen Zigarettenkippen als Ärgernis an: „Ganz besonders ärgerlich ist natürlich, wenn um den Mülleimer mit Ascher dennoch zahlreiche Kippen auf dem Boden liegen, wie zum Beispiel auf der Hochstatt. In der Altstadt haben wir vor Jahren Mülleimer mit speziellen Aschenbechern aufgestellt, dennoch liegen überall in der Stadt Kippen zwischen den Fugen.“ Für die Mitarbeiter der Stadtreinigung sei das Aufsammeln mit den Greifstangen eine sehr zeitintensive Sisyphusarbeit. Warum? Das zeigen die eindrücklichen Zahlen, die die Presseanfrage ergeben hat: wöchentlich sammeln die städtischen Mitarbeiter in der Innenstadt etwa 500 bis 700 Kippen auf. „An Jahrmarkttagen, wie beim Ostermarkt am Dienstag deutlich mehr. Hier hat der Kollege von der Straßenreinigung einen bis zur Hälfte gefüllten 20-Liter-Eimer nur mit Zigarettenkippen eingesammelt“, berichtet Göppel. Um den Stadtsee seien es wöchentlich schätzungsweise 300 bis 400 Stück.

Fünfmal pro Woche wird sauber gemacht

Die Innenstadt werde fünfmal pro Woche sauber gemacht – auch am Sonntag. Um den Stadtsee herum werde mindestens zweimal pro Woche gereinigt. Bei gutem Wetter in den Monaten April bis Oktober würde viermal wöchentlich Müllsammeln auf dem Arbeitsplan stehen. „Auf den Spielplätzen finden wir glücklicherweise weniger. Dennoch kommen auch hier in der Woche 50 bis 100 Kippen zusammen“, teilt Göppel mit und macht noch auf ein anders Übel in Zusammenhang mit den Kippen aufmerksam: „Wer die Gewohnheit hat, Zigarettenstummel in die Toilette oder in den Abwasserkanal zu werfen, trägt dazu bei, dass das Abwasser aufgrund der vielen schädlichen Stoffe stark verunreinigt wird. Ein Zigarettenstummel kann bis zu 1000 Liter Wasser verseuchen und braucht viele Jahre, um zu verrotten.“ Die Rathaussprecherin kennt die ordnungsgemäße Entsorgung der Zigarettenreste, nämlich im Restmüll.

Inwiefern die Stadt gegen die Raucher vorgehen kann, die ihre Zigaretten einfach in der Umwelt entsorgen, scheint schwierig. „Wir können nur an die Vernunft der Raucher appellieren“, so Göppel. Es gebe zum Beispiel „Aschenbecher zum Mitnehmen“. „Oder sie werfen die Kippen in die Mülleimer. Wir haben in der Altstadt Abfallbehälter mit speziellen Aschenbechern. Hier können die Zigarettenreste fachgerecht entsorgt werden“, betont die Rathaussprecherin und zeigt auf, dass demnächst zusätzlich 20 neue Abfalleimer mit Aschenbecher rund um den Stadtsee aufgestellt werden.

Lohr las zuletzt den Zeitungsbericht „250 Euro für weggeworfenen Kaugummi: Mannheim bittet Umweltsünder zur Kasse“. Dort drohen Kippen-Wegwerfern zukünftig 75 Euro. Wäre ein Bußgeld auch in Bad Waldsee vorstellbar? Dazu Göppel: „Eine Ahndung wegen unerlaubter Abfallentsorgung wäre rein rechtlich möglich, wenn der Verursacher auf frischer Tat ertappt und nach Feststellung seiner Personalien an das Landratsamt zur Anzeige gebracht würde. Für abfallrechtliche Verstöße ist allerdings das Landratsamt zuständig.“

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