Wie Müll vermieden werden kann

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 Machen mit der Infoveranstaltung auf die Müllvermeidung und ökologisches Einkaufen aufmerksam (von links): Silvia Kellinger, El
Machen mit der Infoveranstaltung auf die Müllvermeidung und ökologisches Einkaufen aufmerksam (von links): Silvia Kellinger, Elisabeth Heiß, Amelie Prokop, Wolfgang Unger, Christiane Pepe und Christine Vogt. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Mit ihrer Veranstaltung „Unverpackt, Bio, Regional“ im Fotostudio Feininger haben die beiden Vorsitzenden des Aulendorfer Ortsverbands der Grünen, Elisabeth Heiß und Christine Vogt, einen Volltreffer gelandet. Der bis auf den letzten Platz besetzte Raum bewies, dass Appelle zu Müllvermeidung, dem Kauf biologischer Lebensmittel und dem Griff zu umwelt- und sozialverträglich hergestellter Ware immer mehr Menschen erreichen.

Auf Einladung der Organisatorinnen vermittelte ein Expertenteam – bestehend aus Amelie Prokop (Meckenbeuren) sowie den Aulendorfer Geschäftsinhabern Silvia Kellinger (Schuhhaus Weber-Henkel), Christiane Pepe (Modehaus Scheffold) und Wolfgang Unger (Kerzenwerkstatt Kunterbunt) Hintergrundwissen und Tipps zu den entsprechenden Themenkreisen.

Den Auftakt machte Amelie Prokop, deren Vortrag zur Müllvermeidung sich an den fünf in Englisch formulierten Begriffen „refuse“ – „reduce“ – „reuse“ – „replace“ – „recycle“ orientierte. Müll ablehnen hieße beispielsweise, Verpackungen zurückzuweisen, Gemüse in mitgebrachte Säckchen zu füllen, mit der Stofftasche zum Bäcker gehen. Oder die Papierflut von Werbeprospekten mittels eines Hinweises am Briefkasten abzublocken.

Reduzieren könne bedeuten, den Kleiderschrank auszumisten und die verzichtbaren Stücke an Hilfsorganisationen abzugeben, was sich mit dem Begriff „wiederverwenden“ deckt. Reduzieren ließe sich auch die Fülle von Plastikbehältern. Dusch- oder Haarwaschmittel könnten durch Seifenstücke ersetzt werden, Gefäße wie die beliebte Tupperware etwa durch Glas oder Metall. Die Referentin schloss ihre Ausführungen mit dem Hinweis auf irreführende Zahlen beim Thema Recycling. So ließen sich nicht, wie oft publiziert, bis zu 45 Prozent des Mülls wiederverwerten, sondern nur zehn bis 15 Prozent – ein weiterer Grund für die Dringlichkeit, Müll zu vermeiden.

Dann ergriff Wolfgang Unger das Wort. Er stellt selbst Kerzen her und verwendet als Wachs überwiegend Stearin, das aus Palmöl besteht. Bei dessen Einkauf achtet er darauf, dass der Rohstoff von umweltfreundlichen Mischplantagen stammt. Das billige Paraffinwachs hingegen werde aus Erdöl gewonnen. Bienenwachs sei rar, entsprechend teuer und zunehmend durch Umweltgifte belastet.

Dass sich auch die Schuhindustrie zunehmend auf ökologisch verträgliche Materialien einstellt und die Produktion ihrer Waren zwecks besserer Kontrolle wieder in Richtung Europa verlagert, berichtete Silvia Kellinger vom Schuhhaus Weber-Henkel. Lederprodukte aus Bangladesch seien absolut tabu. Firmen wie Meindl, Lowa, Leguano oder Marco Tozzi sowie Collo, der Hersteller von Schuhpflegemitteln, stünden besonders hinter dem Umweltgedanken.

Auch Christiane Pepe vom Modegeschäft Scheffold beobachtet ein steigendes Umweltbewusstsein in der Textilbranche. Man verwende vermehrt biologisch angebaute Materialien – wobei die Baumwolle problematisch sei, da die Plantagen horrende Mengen von wertvollem Wasser verbrauchten. Baumwolle lasse sich gut durch Fasern wie Viskose oder Lycocell (Tencel) ersetzen, die aus Holz gewonnen werden. Viel Textilmüll entstehe durch den Trend zu kurzlebigen Kleidungsstücken, was wiederum einen erhöhten Materialbedarf bedeute. Laut Umfragen würden bis zu 40 Prozent der im Schrank befindlichen Teile überhaupt nicht getragen.

Am Ende der überaus informativen Veranstaltung wies Elisabeth Heiß darauf hin, dass man Interessenten für die Bildung einer Genossenschaft suche mit dem Ziel, in Aulendorf einen Bio- und Unverpackt-Laden zu gründen. Bis dahin empfahl sie, biologisch erzeugte Lebensmittel in Hofläden zu kaufen, Non-Food-Waren in Aulendorfer Geschäften, die eine gute Beratung bieten.

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