Weihnachten zwischen Kitsch, Konsum und Brauchtum

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Seit August wieder im Angebot: Lebkuchen bei Kaufland.
Seit August wieder im Angebot: Lebkuchen bei Kaufland. (Foto: Rimkus)
Claudia Buchmüller

Kaum sind die Sommerferien vorbei, liegen in den Supermarktregalen Spekulatius und Lebkuchen - Köstlichkeiten, die eigentlich in die Weihnachtszeit gehören. Aber was passierte an Weihnachten und in der Adventszeit in früheren Zeiten und welche Bedeutung hat es heute?

Diese Fragen beantwortete der promovierte Kirchenhistoriker Joachim Werz von der Goethe-Universität Frankfurt bei einem Vortrag im katholischen Gemeindehaus in Aulendorf.

Gut 35 Gäste waren der Einladung der katholischen Erwachsenenbildung gefolgt und lauschten den Worten des sympathischen Redners mit oberschwäbischen Wurzeln, Mitverfasser vieler Publikationen und früherer Organist in der Kirchengemeinde St. Martin.

Konkurrenz zu heidnischen Festen

In seinem Vortrag gab er den Anwesenden einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit. Er zeigte biblisch-historische Hintergründe aus theologischer Sicht auf und spannte einen Bogen von der liturgischen Feier zur Geschichte der deutschen Weihnacht mit ihren Bräuchen und Traditionen.

 Der promovierte Historiker Johannes Werz mit dem Team der katholischen Bildungsarbeit Aulendorf (von links) Ulrike Maigler, Rit
Der promovierte Historiker Johannes Werz mit dem Team der katholischen Bildungsarbeit Aulendorf (von links) Ulrike Maigler, Rita Dittrich und Margit Herkommer. (Foto: Claudia-Evelyn Buchmüller)

Hervorgehend aus den Wintersonnwendfeiern erhielt das Geburtsfest Christi im 12. Jahrhundert den Namen Weihnachten. Als Konkurrenz zu heidnischen Festen gedacht, traf das Fest von Beginn an den Nerv der Zeit. Dabei machte der Redner deutlich, dass das neue Geburtsfest und auch die Wochen zuvor, die Adventszeit, keineswegs nur als Erinnerung an Christi Geburt zu sehen ist, sondern eindeutig auch auf Ostern und die Endzeit verweist.

Weltliteratur Weihnachsgeschichte

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas, von welcher Martin Walser sagt, dass sie ein Stück Weltliteratur ist, sei eigentlich ein österlicher Text, führte Werz aus und zeigte dies auch anhand von Bildern, welche neben der Geburt des Kindes im Stall auch die Kreuzigung darstellen.

„Weihnachten zeigt vom Ursprung her dasselbe Erlösungsgeschehen wie das Osterfest“, legte er den Anwesenden als Kernaussage ans Herz.

Nach einem Ausflug in die Liturgie der Weihnachtstage tauchte er in die Geschichte der deutschen Weihnacht mit ihren Bräuchen und Traditionen ein. Die Zuhörer bekamen viele Informationen über Krippenspiele, Christbaum, Weihnachtslieder, Weihnachtskrippen und das stilisierte familiäre Weihnachtsfest.

Woher stammen Traditionen?

„Wer hat‘s erfunden?“, fragte der Referent humorvoll und berichtete dann über den Einzug des Christbaums in die Wohnzimmer und was es mit dem Schmuck daran auf sich hat. Wobei auch hier mit der Tradition, Äpfel an die Zweige zu hängen, wieder ein eindeutiger Hinweis auf das Oster- und das Paradiesgeschehen aufgezeigt werde.

Eindrucksvoll auch die Schilderung, dass während der Zeit des Naziregimes das Aufstellen von Christbäumen verboten war, was letztendlich dazu führte, dass als Ausdruck der Opposition in Privathäusern letztendlich eher mehr davon standen.

Im abschließenden Gespräch mit der SZ bekräftigte der Redner seine Überzeugung: „Das Christentum hat in Bezug auf das Weihnachtsfest nie versucht, Dinge die vorhanden waren, auszulöschen, sondern diese mit der eigenen Botschaft parallel zu besetzen.“

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