Warum Bierbrauchen dem „Weibsvolk“ vorbehalten war

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Zuhörer schauen gespannt, was Sägmüller zu erzählen hat
Mehr als 50 meist Aulendorfer lauschten gebannt Paul Sägmüllers Vortrag über die Biergeschichte Oberschwabens. (Foto: Julia Kramer)
Julia Kramer

Geschichten über eine Bierfass-Wette, anekdotisches zu Brauerei-Dynastien in Oberschwaben und ein gut besuchtes Museum: das ist die Bilanz der Finissage der Sonderausstellung „Prosit-Biergeschichte(n) in Aulendorf“, zu der der Heimat- und Museumsverein Traditio am vergangenen Sonntagnachmittag eingeladen hatte.

Es war eine bunt gemischte Besucherschar, die sich auf den drei Etagen mischten – inmitten von liebevoll arrangiertem stadtgeschichtlichem Ensemble, zwischen Paramenten-und Fahnenstickereien und der Sonderausstellung zur oberschwäbischen Biergeschichte. Begeistert ließen sie sich von Kaffee und Kuchen und extra für diesen Anlass zubereiteten Apfelküchle in Bierteig verköstigen, und tummelten sich vor dem Bierausschank.

Woher das bekannte Logo kommt

Die Sonderausstellung zeigte in den vergangenen drei Jahren Bierkrüge und -fässer aller Art, Bierlieferungen und -rechnungen in Kurrentschrift , aber auch Bierpostkarten bis hin zu einem waschechten alten Biersiegel des alten Aulendorfer „Härle-Bock-Bieres“ – meisterhaft in Szene gesetzt mit dazugehörigem anachronistischem Stempelkissen. Umrahmt wurde die Ausstellung durch unzählige Bilder der oberschwäbischen Biertradition sowie den dazugehörigen informativen Tafeln. Michael Osdoba, stellvertretender Vorsitzender bei Traditio, führte am Sonntag in gewohnt kundiger wie ebenso launiger Weise durch die Ausstellung. So erfuhren die Besucher beispielsweise, dass das allseits bekannte Logo des Mannes mit dem Bierfass im Gepäck, wie es heute mit dem Gesicht von Braumeister Florian Angele auf dessen „Reibolf“ zu sehen ist, keineswegs ein neu erfundenes Motiv ist. Vielmehr geht diesem eine wahre Begebenheit aus früherer Zeit voraus. So habe ein Mann namens Reck gewettet, dass er es schaffe, ein 28,5 Liter Fass Bier zuzüglich des Eigengewichts dessen, vom Bahnhof bis zur Brauerei im wahrsten Sinne des Wortes zu schleppen – Wette gewonnen!

Sägmüller lockt Besucher ins Museum

Den Höhepunkt der Finissage setzte die informative wie gleichermaßen begeisternd-mitreißende Rede Paul Sägmüllers, seines Zeichens fachkundiger Oberschwäbler und Bierbuch-Autor. Er führte die stattliche Besucherzahl mit seinem Vortrag „Brauerei-Dynastien in Oberschwaben oder rund ums Bier“ durch die hiesige Bier- und Brauereigeschichte von anno dazumal zurück – gespickt mit erheiternden Anekdoten. Das Interesse war so groß, dass sogar noch weitere Sitzgelegenheiten beschaffen werden mussten. „I sag erschtamol Griaß Gott, weil des koscht scho mol gar nix“, lockerte Sägmüller zur Begrüßung auf. Weshalb er sich mit dem goldenen Gerstensaft beschäftige, begründete er dann ebenfalls in tiefstem Schwäbisch damit, dass er sich irgendwann einmal gedacht habe, „des guade Zeig bloß nabzumstürza“ sei eigentlich zu schade, damit könne man sich doch auch einmal etwas näher beschäftigen.

Warum Bierbrauchen dem „Weibsvolk“ vorbehalten war

Sägmüller berichtete von den Anfängen der Bierbrauerei Oberschwabens und nannte hierbei aus früheren Aufzeichnungen die Unsummen an Fässern, die beispielsweise in der Nachbargemeinde Bad Waldsee über die vorherige Jahrhundertwende geflossen waren, wobei er mit den Worten „Dia hond id gsoffa wia Waldseer, dia hond gsoffa wia d`Bürschdabinder“ den damaligen oberschwäbischen Bierkonsum auf den Punkt brachte. In seinem äußerst plastischen Vortrag gab er ferner einen Abriss über die oberschwäbische Brauereigeschichte und deren Dynastien. Neben vielen lustigen Anekdoten und beachtlichen Eckdaten des schon in früher Vorzeit verköstigten Biers, erfuhren die Besucher allerlei Interessantes und Erstaunliches über das gebraute Gold. Etwa, dass das Bierbrauen in früherer Zeit wie das Kochen und Backen dem „Weibsvolk“ vorbehalten war. Über hauseigene Braukunst, verschiedenste Brauarten, über das deutsche Reinheitsgebot ging er über zu allerlei Biersorten. Die Gäste erfuhren auch, dass die Gerste dem Bier nur des damaligen Mangels an anderem Getreide halber zugesetzt worden, da selbiges für die tägliche Nahrung zeitweise unabkömmlich gewesen war. Weizenbier sei daher erst viel später wieder in Mode gekommen.

Vereinsvorsitzende freut sich über reges Interesse

„Wir freuen uns sehr über die vielen Besucher, die den Weg zu uns gefunden haben und das rege Interesse am heutigen Tag“, sagte Antonia Kasten, Vorsitzende des Museumsvereins. Ansonsten hätten sich die Sonderausstellung mit Ausnahme der Eröffnung sowie das Bürgermuseum insgesamt in den letzten Jahren leider nicht allzu hoher Besucherzahlen erfreuen können. „Vielleicht haben wir die Sonderausstellung auch einfach etwas zu lange laufen lassen, so dass das Bier im Laufe der Zeit sprichwörtlich irgendwann abgelaufen war“, fuhr Kasten humorvoll fort.

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