Wälder brauchen dringend Regen

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Förster Christoph Tholl erklärt im Tannhausener Wald, warum Tannen in Zeiten des Klimawandels zukunftsfähiger sind als die bisla
Förster Christoph Tholl erklärt im Tannhausener Wald, warum Tannen in Zeiten des Klimawandels zukunftsfähiger sind als die bislang dominierenden Fichten. (Foto: Karin Kiesel)

Sie sind ein Reich der Erholung und eine Kraftquelle für neue Energie: die Wälder vor unserer Haustüre. Gleichzeitig sind sie Rohstofflieferant und Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Zum Internationalen Tag des Baumes am 25. April hat sich die „Schwäbische Zeitung“ mit Förster Christoph Tholl im Tannhausener Wald getroffen. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als im Wald zu sein. „Ich habe Spaß daran und ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen“, sagt der 52-jährige Leiter des Forstbetriebs Graf zu Königsegg-Aulendorf. Was ihm derzeit allerdings Sorge bereitet, ist die Trockenheit. Denn ohne Regen können Bäume nicht wachsen und die Gefahr für eine Borkenkäferplage steigt.

„Wir bräuchten dringend mehrere Tage andauernden Landregen“, erklärt der Förster bei einer Begehung im Tannhausener Wald. Weil es zuletzt kaum Niederschlag und in den Wintermonaten so gut wie keinen Schnee und dadurch wenig Feuchtigkeit gab, sind die Wälder ziemlich ausgetrocknet. „Das ist sehr problematisch, weil bei diesen Bedingungen die Wahrscheinlichkeit für Borkenkäferbefall steigt“, erklärt Förster Tholl. Der Schädling ist bei Temperaturen ab 18 Grad aktiv, bohrt Gänge in den Baumstamm und legt dort pro Käfer 30 bis 60 Eier ab. Danach braucht der Käfer sechs bis zwölf Wochen, um sich zu entwickeln. „2003 war es ganz schlimm. Das Jahr war extrem trocken und die Käfer haben schneller gebohrt, als wir die befallenen Bäume fällen konnten. Besonders die zweite und dritte Generation der Käfer war in diesem Jahr brutal“, erinnert sich Tholl.

Frost war gut für den Wald

Der Frost der vergangenen Tage war daher gut, denn durch den Kälteeinbruch war der Borkenkäfer nicht mehr so aktiv. „Für die Obst- und Weinbauern war der Frost eine Katastrophe, dem Wald tat es gut.“ Besonders im Mai und im Juni kontrollieren Förster Tholl und seine drei Waldarbeiter die Nadelbäume regelmäßig auf Borkenkäferbefall. Bei 2500 Hek-tar Wald ist das jede Menge Arbeit.

Damit die Bäume nicht mehr so „im Trockenstress“ sind und sich auch besser gegen Schädlinge wehren können (wenn der Stamm genügend Wasser transportiert, „ertrinken“ die Käfer, die sich ins Holz bohren), braucht der Wald dringend Regen. Gerade im Frühjahr ist ausreichend Wasser wichtig für die Triebe.

Weniger Fichten, mehr Tannen

Um sich auf die durch den Klimawandel geänderten Bedingungen einzustellen (längere Trockenphasen, Temperaturanstieg), soll die in den Wäldern dominierende Fichte reduziert werden. Dafür soll es künftig mehr Tannen, Lärchen und Douglasien geben. Der Grund: Die Fichte (übrigens „Baum des Jahres“ 2017) ist ein sogenannter „Flachwurzler“ und kann daher nur an oberflächliche Wasservorräte gelangen. Tannen, Lärchen und Douglasien sind „Herzwurzler“ und können mit ihren Wurzeln tiefere Bodenschichten und damit Wasser erreichen. „Zudem sind sie besser verankert im Boden und dadurch auch sturmresistenter“, erläutert Tholl.

Wichtig ist dem Förster die Nachhaltigkeit. „Unser Ziel ist: Bäume erst nutzen, wenn die Verjüngung gesichert ist.“ Denn auch nachfolgende Generationen sollen noch etwas von unseren Wäldern haben. Deshalb würden heutzutage auch keine Kahlschläge mehr gemacht. „Früher war es so: Die Bäume wuchsen sehr dicht aneinander und schlank nach oben. Dann folgte auf zwei bis drei Hektar ein Kahlschlag und das Holz wurde verkauft oder genutzt.“

Anstatt Kahlschlägen wollen Forstbetriebe die Reproduktion durch Samen nutzen und den Einzelbaum mehr freistellen. „Die Baumkronen waren früher oft nur zwei bis drei Meter, weil die Bäume zu dicht aneinander waren. Heutzutage sind die Kronen eine halbe Baumlänge. Das ergibt mehr Holz und die Bäume sind resistenter gegen Stürme“, erklärt Tholl. Kahlschläge wie beispielsweise zuletzt zwischen Aulendorf und Otterswang würden nur noch dann gemacht, wenn es notwendig ist. „Dort mussten kranke Eschen gefällt werden, auch wegen der Verkehrssicherheit.“

Erfreut ist Förster Christoph Tholl darüber, dass der Baumbestand nicht nur in Oberschwaben, sondern in ganz Deutschland zunimmt. In den vergangenen 50 Jahren seien in der Bundesrepublik eine Million Hektar Wald dazugekommen. „Das ist jedes Jahr die Fläche der Stadt Karlsruhe.“

Damit die Jungpflanzen gut wachsen können, muss nach Ansicht von Tholl allerdings mehr gejagt werden. Denn Rehe haben es auf die Triebe der Jungpflanzen abgesehen, knabbern sie ab und verhindern so das Wachstum der Pflanzen. Besonders gut schmecken den Tieren die Triebe von Tannen und Douglasien, Fichten lassen sie eher in Ruhe. „Wenn wir nicht nur Fichten haben wollen, muss der Wildbestand reduziert werden, sonst können wir unsere waldbaulichen Ziele nicht erfüllen“, sagt Tholl, der selbst Jäger ist.

Der Forstbetrieb Graf zu Königsegg-Aulendorf umfasst rund 2500 Hektar Wald und befindet sich zum überwiegenden Teil in und um Aulendorf, Königseggwald, Hoßkirch und Ebenweiler. Der jährliche Baumzuwachs beträgt 25000 Festmeter Holz. Das ist auch die Menge an Holz, die jedes Jahr „geerntet“ und verkauft wird. Der Nadelholzanteil beträgt 75 Prozent (hauptsächlich Fichten), das Laubholz (hauptsächlich Buchen) nehmen etwa 25 Prozent der Waldfläche ein.

Tag des Baumes

Der Internationale Tag des Baumes ist jedes Jahr am 25. April. Er wurde am 27. November 1951 von den Vereinten Nationen beschlossen und in Deutschland erstmals am 25. April 1952 begangen.

Der höchste Baum Deutschlands heißt übrigens „Waldtraut“ und ist schon 107 Jahre alt. Die Douglasie im Stadtwald von Freiburg legt pro Jahr 30 bis 33 Zentimeter zu – und ist mit 66,58 Metern offiziellen Angaben zufolge der höchste Baum Deutschlands.

Haben Sie einen besonderen Lieblingsbaum in Aulendorf oder in Bad Waldsee? Schicken Sie uns ein Foto mit dem Baum und einer Ortsbeschreibung sowie Ihrem Namen an: redaktion.waldsee@schwaebische.de (kik)

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