Vorzeigeprojekt „Lernwerkstatt Aulendorf“ weckt europaweites Interesse

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 Aljaffal Kohled aus Syrien (Zweiter von rechts) zeigt den Besuchern aus Schweden sein Werkstück (von links): Mia Flyckt, Niklas
Aljaffal Kohled aus Syrien (Zweiter von rechts) zeigt den Besuchern aus Schweden sein Werkstück (von links): Mia Flyckt, Niklas Andersson, Mari-Carmen Alcantara Velazquez, Äsa Sover und Tina Naga. (Foto: Claudia Buchmüller)
Claudia Buchmüller

Fünf Mitarbeiter der Arbeitsagentur Göteborg aus Schweden waren am Mittwoch in Aulendorf in der Lernwerkstatt zu Gast, um sich über das Projekt zu informieren. Der Kontakt war über Thomas Kreuz vom Landkreistag Baden-Württemberg zustande gekommen. „Als aus Göteborg die telefonische Anfrage nach einem empfehlenswerten Flüchtlingsprojekt eventuell mit Beteiligung von Arbeitgebern und Praxisbezug einging, dachte ich sofort an die Lernwerkstatt Aulendorf“, blickte der Berater für die regionalen ESF-Arbeitskreise (ESF = Europäischer Sozialfond) zurück. So kam es, dass das Aulendorfer Projekt mit den Kooperationspartnern Jobcenter Ravensburg, Stadt Aulendorf, Integrationsmanagement der Caritas und dem Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau den schwedischen Gästen vorgestellt wurde. Nach einem Besuch im Berufsbildungswerk stand am Nachmittag der Besuch der Lernwerkstatt auf dem Programm.

Im Unterrichtsraum begrüßte Monika Kordula vom Berufsbildungswerk Liebenau, zuständig für die Projektkoordination neben den fünf Gästen aus Schweden, Bürgermeister Matthias Burth, die Integrationsbeauftragte Sonja Hummel, Sozialdezernentin Diana Rädler, Dorothea Court und Ursula Huber vom Jobcenter Ravensburg, Sabrina Nestvogel von Caritas Bodensee-Oberschwaben, Mitglieder vom Helferkreis Asyl und weitere Besucher. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde gab es eine Powerpoint-Präsentation von der Idee bis zum derzeitigen Stand der Lernwerkstatt. Den Abschluss bildete eine Fragerunde, bei der die schwedischen Gäste gerne Auskunft über die Flüchtlingssituation in ihrem Land gaben. Sie berichteten, dass es in ihrem Heimatland doppelt so viele Flüchtlinge wie Einwohner gibt. Diese würden derzeit vorwiegend theoretisch auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, einen Praxisbezug gäbe es noch nicht. Deshalb sei das Aulendorfer Modell äußerst wertvoll.

Hervorgegangen aus einer Idee des Helferkreises Asyl startete im Februar 2018 das heutige Vorzeigeprojekt „Lernwerkstatt“. Im Auftrag des Jobcenters Ravensburg werden die Teilnehmer unter der Regie des Berufsbildungswerkes Liebenau sprachlich gefördert und in handwerklichen Fähigkeiten für den ersten Arbeitsmarkt qualifiziert. Am Vormittag etwa steht Deutsch auf dem Stundenplan, nachmittags verschiedene Berufsfelder mit dem Erwerb von fachpraktischen Fähigkeiten in den Bereichen Farbe, Holz und Metall. Zudem werden Grundarbeitstugenden und Sozialkompetenz vermittelt. Ziel der Maßnahme ist die direkte Vermittlung in Arbeit oder eine Ausbildung. Deshalb bekommen die Teilnehmer zusätzlich Bewerbungstraining und erhalten Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.

Die Finanzierung

Nicht nur das Projekt an sich, auch die Finanzierung hat Modellcharakter. Im laufenden Jahr verteilen sich die Kosten des Kooperationsprojektes auf Mittel aus dem Europäischen Sozialfond, der Stadt Aulendorf und dem Zweckerfüllungsfond Flüchtlingshilfe der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Für das Folgejahr 2019 gibt es bereits Zusagen der Stadt Aulendorf und der Diözese; der Antrag auf Fördergelder aus dem Europäischen Sozialfond wurde gestellt. Wie Thomas Kreuz auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mitteilte, ist er zuversichtlich, dass es weitere Fördermittel der Europäischen Union geben wird. Die Entscheidung hierüber fällt bei einer Vergabesitzung am 12. November.

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