Vollsperrung: Anwohner in Zollenreute sind genervt von „Schleichwegfahrern“

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Baustelle auf der Straße
Die offizielle Umleitungsbeschilderung aus Richtung Aulendorf kommend führt über Münchenreute, Wolpertswende nach Mochenwangen. (Foto: Claudia-Evelyn Buchmüller)
Claudia-Evelyn Buchmüller

Es ist kurz nach 17 Uhr und die Autoschlange, welche in beiden Richtungen durch das Baugebiet Großer Esch II in Zollenreute rollt, nimmt nicht ab. Anhand der Autokennzeichen ist erkennbar, dass es sich größtenteils um überörtlichen Durchgangsverkehr handelt.

Nur ab und an fährt ein Anwohner grüßend an Ortsvorsteher Stephan Wülfrath, der mit der „Schwäbischen Zeitung“ unterwegs ist, vorbei.

Grund für das hohe Verkehrsaufkommen ist die Vollsperrung der Mochenwanger Straße, die Landesstraße 284, aufgrund von Sanierungsarbeiten, die in zwei Bauabschnitte gegliedert sind. In Bauabschnitt 1, der am 19. August begonnen hat und voraussichtlich bis 11. Oktober dauert, finden Arbeiten zur Straßendeckenerneuerung statt.

 Ortsvorsteher Stephan Wülfrath ist froh, dass die Verkehrsbehörde die Aufstellung der Schilder „Sackgasse – keine Wendemöglichk
Ortsvorsteher Stephan Wülfrath ist froh, dass die Verkehrsbehörde die Aufstellung der Schilder „Sackgasse – keine Wendemöglichkeit für LKW“ genehmigt hat. (Foto: Claudia-Evelyn Buchmüller)

Zeitgleich verlegt der Wasserversorgungsverband Obere Schussentalgruppe neue Wasserleitungen und die Stadt Aulendorf erneuert schadhafte Gehwege. Im daran anschließenden Bauabschnitt 2 wird die Kurvenführung im Bereich Rankwirt verbessert. Das Ende der Maßnahme ist für Mitte November 2019 geplant.

Das interessiert leider die wenigsten Autofahrer, plötzlich sind alle Anlieger.

Ortsvorsteher Stephan Wülfrath

Laut Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Tübingen wird der überörtliche Verkehr während der gesamten Bauzeit in beiden Fahrtrichtungen großräumig über Münchenreute, Wolpertswende und Mochenwangen umgeleitet.

Dass dennoch so viele Autofahrer den Weg durch das Wohngebiet suchen, liegt nach Meinung des Ortsvorstehers mit daran, dass Autofahrer in Mochenwangen kein Schild „Ortsdurchfahrt Zollenreute gesperrt“ vorfinden, sondern statt dessen den Hinweis „Frei bis Fridolin-Stark-Straße“.

„Das stimmt natürlich, aber ich finde dies etwas unglücklich, da Ortsfremde vermuten, wenn bis dorthin frei ist, kommen wir schon irgendwie weiter“, erklärt Wülfrath, selbst betroffener Anwohner, den Verkehr aus südlicher Richtung.

Von Aulendorf her biegen viele Autofahrer nach der Kapelle links ab und fahren ein Stück weiter vorne wieder ins Wohngebiet, obwohl dort ein Anlieger-Frei-Schild aufgestellt worden ist. „Das interessiert leider die wenigsten Autofahrer, plötzlich sind alle Anlieger“, erklärt er kopfschüttelnd, zumal dieser Schleichweg auch noch am örtlichen Kindergarten vorbeiführt.

Viele Mails und Anrufe von Betroffenen

Als Ortsvorsteher habe er deshalb einige Anrufe und Mails von Betroffenen bekommen, mit der Bitte, entsprechende Verbotsschilder aufzustellen. Da müsse er dann stets erklären, dass dies eine Sache der Verkehrsbehörde ist, selbst die Stadt Aulendorf braucht hierzu eine Anordnung vom Landratsamt oder dem Regierungspräsidium.

Wir können unsere Kinder nicht mehr allein auf die Straße lassen.

Ortsvorsteher Stephan Wülfrath

Gute eineinhalb Wochen habe es gedauert, bis genehmigt wurde, in bestimmten Straßen des betroffenen Wohngebietes Sackgassen-Schilder mit dem Hinweis „keine Wendemöglichkeit für Lkw“ aufzustellen. Dabei sei dies wirklich dringlich gewesen, nachdem bereits Gartenbepflanzungen von rangierenden LKWs beschädigt worden seien. Dies bestätigt auch Manfred Roth, der schon mehrmals herumirrenden Lastwagenfahrern einen Weg durch das Wohngebiet aufgezeigt hat.

Irreführende Beschilderung

Eine weitere Anwohnerin ist der Meinung, dass dies an der irreführende Beschilderung liege, welche Lastwagenfahrer, die zu einer großen Firma vor Ort wollen, durcheinanderbringe. Anliegerin Trudi Wenzel begleitet ihren kleinen Sohn und erklärt: „Wir können unsere Kinder nicht mehr allein auf die Straße lassen. Die Gefährdung durch die vielen Autos, die oft auch noch zu schnell unterwegs sind, ist viel zu groß.“

Trotz allem bittet der Ortsvorsteher die Bevölkerung um Verständnis: „Bei der Sperrung handelt es sich um eine vorübergehende Maßnahme und das Ergebnis kommt allen zugute.“

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