Vollkommen und wunderbar musikalisch

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Das junge Ensemble Trifoi mit (von links) Eva Ivanova-Dyatlova (klassische Flöte), Maximilian Braisch (klassisches Fagott) und T
Das junge Ensemble Trifoi mit (von links) Eva Ivanova-Dyatlova (klassische Flöte), Maximilian Braisch (klassisches Fagott) und Theresa Braisch (klassische Klarinette) begeisterten bei ihrer Matinee im Marmorsaal nicht nur musikalisch. (Foto: Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

„Frischen Wind“ auf historischen Instrumenten hat die Matinee innerhalb der Musikfestwochen Donau-Oberschwaben mit dem Holzbläsertrio „Ensemble Trifoi“ – so heißt auf Rumänisch der Klee – versprochen. Und sie war zudem eine höchst informative Reise in ein randständiges Gebiet der Kammermusik, denn nicht viele Komponisten haben für diese Formation Flöte, Klarinette und Fagott eigene Literatur verfasst.

Allein die gelungene und ambitiöse Moderation des 1992 in Berlin geborenen Fagottisten Maximilian Braisch, der viele Jahre in Siebenbürgen gelebt hat, in Stichworten wiederzugeben, würde diesen Bericht sprengen. Denn nach den vier Sätzen der Eingangsserenade op. 25 in D-Dur, die Ludwig van Beethoven für Flöte und Streicher schrieb und vom Trio selbst arrangiert wurde, ging es mit Originalliteratur für diese Besetzung und eher weniger bekannten Komponisten um 1800 weiter, zu denen die Besucher viel Wissenswertes und Tiefgründiges erfuhren.

Der Beethoven war übrigens ganz famos umgesetzt: fröhlich, hüpfend, mit einem lebhaften Fagott, einem Andante, in dem das Ohr gleichsam mitatmete, mit Vogelpfiffen der volltönenden Flöte von Eva Ivanova-Dyatlova, der warm strahlenden Klarinette von Theresa Braisch. Kurzum – man vermisste kein einziges Mal die Streicher.

In dem Trio Nr. 1 in C-Dur in vier kurzen Sätzen des böhmischen Komponisten Johann Baptist Wanhal erklang das Fagott nur als Bassinstrument – ein Zeichen für die konservative Harmonik der Komposition, die aber sehr gemütvoll und schön gesetzt war. So eignete sich das Stück als Überleitung zu den „moderneren“ italienischen Komponisten Giuseppe Cambini und Giovanni Paisiello bestens. Das Trio op. 45/6, das Cambini während seines Engagements am Hof der Zarin Katharina II. 1776 bis 1784 schrieb, gab den drei Instrumenten endlich die Freiheit der drei eigenen Stimmfarben. Paisiellos „Divertimenti Nr. 4 Amabile und Nr. 8 Andante“, die das an der Musikhochschule Trossingen in Alter Musik ausgebildete Trio vor und nach der Pause spielte, klangen ein wenig nach Opernmusik.

Ein Tio als Grund zusammenzubleiben

Nun ging es nach Frankreich mit zwei Komponisten, die trotz ihrer deutschen Herkunft dort Karriere machten. Georg Friedrich Fuchs wirkte als Klarinettist in Paris und war bei der Gründung des Conservatoire de Paris im Jahr 1795 dabei. In seinem Trio Nr. 1 in G-Dur ließ er der wunderbar modulierenden Flöte den Vorrang, die von einem singenden Fagott untermalt wurde. Eine heitere Musik, die aus den jeweiligen Instrumenten immer ein Maximum herausholt. Dieses Trio, so erzählte Maximilian Braisch, sei der Grund für die Drei gewesen zusammenzubleiben: eine gute Idee der drei Studenten.

Zuletzt François René Gebauer, 1773 in Versailles geboren als Sohn eines deutschen Militärmusikers, er wurde als Fagottist bekannt und unterrichtete auch am Pariser Konservatorium. Sein Trio Concertant op. 21/3 in d-moll wirkte vielstimmig, lyrisch, heiter bewegt, aber auch nachdenklich und innerlich.

Das Publikum war von dieser Matinee, die so viel Professionalität, Präzision und Musikalität mit wissenswerter Information verband, hörbar hingerissen. Und für den großen Applaus hatte das Trio auch noch etwas in der Hinterhand, nämlich den fünften, vorher nicht gespielten Satz von Beethoven mit den passenden Tempi „Allegro vivace scherzando“.

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