Vermieter kritisiert Bürokratie-Chaos

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Das sanierte Elternhaus in der Bergstraße vermietet Karl Friedrich Rommel zu 80 Prozent an Flüchtlinge. Für teilweise verspätete
Das sanierte Elternhaus in der Bergstraße vermietet Karl Friedrich Rommel zu 80 Prozent an Flüchtlinge. Für teilweise verspätete Mietzahlungen macht er das Bürokratie-Chaos des Jobcenters verantwortlich. (Foto: Archiv: hey)

14 Wohnungen auf 1500 Quadratmetern Wohnfläche bietet der gebürtige Aulendorfer Karl Friedrich Rommel seit drei Jahren im sanierten Elternhaus in der Bergstraße an. 80 Prozent seiner Mieter sind Flüchtlinge. Diese wiederum bekommen die gesamten Mietkosten oder Zuschüsse vom Jobcenter des Landkreises erstattet. Die damit verbundene Mietabrechnung laufe für die Vermieter häufig zum Nachteil ab, kritisiert Rommel das „bürokratische Abrechnungs-Hickhack“. Vom Landratsamt Ravensburg werden die Vorwürfe entkräftet.

Das ehemalige Bauernhaus hat Rommel 2014 saniert und dem Landkreis Ravensburg mehrmals als Flüchtlingsunterkunft angeboten – ohne Erfolg (die SZ berichtete). Also vermietet der Ravensburger Solarstromunternehmer seine Wohnungen (jede verfügt über eine Küche und ein Bad) seitdem privat. Das klappt auch alles ganz gut, wie Rommel ausführt. Bis eben darauf, dass er seine Miete „nur häppchenweise bekommt“ und dem damit verbundenen „viel zu hohen Abrechnungsaufwand“.

Grund: Bei anerkannten Flüchtlingen ohne Einkommen erhalte er die komplette Miete pünktlich, die vom Jobcenter des Landkreises Ravensburg übernommen werde. Das seien die unproblematischen Fälle. Diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben, würden nicht die gesamte Miete vom Jobcenter bekommen, sondern unterschiedlich hohe Zuschüsse. Und hier beginnt laut Rommel der „bürokratische Blödsinn“. Denn: Bis das Jobcenter anhand der einzelnen Lohnabrechnungen „jeden Monat neu“ ausgerechnet habe, wie viel Mietzuschuss der jeweilige Flüchtling bekomme, vergehe zu viel Zeit und er als Vermieter bekomme das Geld erst am Ende anstatt am Anfang des Monats überwiesen.

Kritik: Dem Geld „hinterherlaufen“

Den Teil der Miete, die die Menschen selbst zahlen müssen, bekäme er durch die bürokratische Hin- und Her-Rechnerei auch erst viel zu spät – oder in Häppchen. „Ich muss ständig dem Geld hinterher laufen oder erst mühsam verschiedene Beträge einander zuordnen, zu wem sie überhaupt gehören und wie viel Miete noch fehlt“, kritisiert Rommel.

Fleißige Flüchtlinge werden bestraft

Seine Kritik geht dabei ausdrücklich ans Jobcenter beziehungsweise ans Landratsamt Ravensburg. Er verstehe nicht, warum er einen Teil der Miete vom Jobcenter und einen Teil von den Flüchtlingen direkt bekomme, die ja ohnehin bei Bankgeschäften nicht so ganz „durchblicken“ würden. „Die Behörden brummen den Vermietern die Abrechnungsgeschäfte auf“, schimpft Rommel. Das Jobcenter solle doch prinzipiell die gesamte Miete überweisen und die Differenzen je nach Einkommenslage direkt mit dem betreffenden Flüchtling selbst klären – dann müsse der Vermieter nicht der Mietdifferenz hinterherlaufen und auch für die Mieter wäre das einfacher.

„Kaum ein Vermieter will doch noch an Menschen mit Hartz IV oder an Flüchtlinge vermieten – genau aus diesen Gründen. Und Flüchtlinge die arbeiten gehen, werden sogar noch bestraft, weil sie durch diese behördlichen Abrechnungsgeschichten keine solventen Mieter mehr sind und das Geld zu spät überweisen.“ Denn wenn die gesamte Miete nicht am dritten Werktag vorliege, sei das bei Wiederholung ein Kündigungsgrund. Dabei käme die Verspätung ja nur durch den „Bürokratie-Wahnsinn“ des Jobcenters zustande. „Und das kann ja wohl nicht im Sinne des Erfinders sein.“

Landratsamt sieht Vorwurf als ungerechtfertigt an

Das Landratsamt Ravensburg reagierte auf SZ-Anfrage gelassen auf die Vorwürfe des Solarstromunternehmers: „Die Vertragspartner sind der Vermieter und der Mieter, nicht das Jobcenter oder das Landratsamt. Deswegen werden die Mietkosten oder die Mietzuschüsse nie an den Vermieter überwiesen, sondern immer an den Antragsteller“, kontert Pressesprecher Franz Hirth die Aussage Rommels als falsch, er bekomme die Mietkosten teilweise vom Jobcenter direkt überwiesen. Das sei nur der Fall, wenn der Landkreis selbst ein Gebäude oder Räume angemietet habe, nicht wenn ein Vermieter wie Rommel privat vermiete. Zudem würden bei den Flüchtlingen, die eine Arbeit gefunden haben, die Zuschüsse zur Miete nicht jeden Monat, sondern jeweils für ein halbes Jahr berechnet – die monatlichen Mietverspätungen müsse Rommel also selbst mit seinen Mietern klären und nicht die Probleme auf Dritte abwälzen.

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