Verkehrsminister Hermann präsentiert neuen Refrain für „Auf der schwäbischen Eisenbahn“

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Dietmar Hermanutz

„Stuttgart, Ulm und Biberach, Aulendorf und Durlesbach“ dichtete der Verkehrsminister Winfried Hermann und ordnete kraft ministerialer Verfügung an, dass ab sofort das bekannte Volkslied zur schwäbischen Eisenbahn mit diesem Refrain zu singen sei. Damit hatte keiner gerechnet, und Hermann setzte so einen gelungenen Schlusspunkt ans Ende seiner Festrede zum 150-jährigen Jubiläum des Eisenbahnknotenpunktes Aulendorf. Und gleich noch etwas passierte am Wochenende: Ein Vertreter der Bahn nennt einen Termin für die Modernisierung des Aulendorfer Bahnhofs.

Schön wäre es jetzt noch gewesen, wenn einer der beiden Aulendorfer Chöre Sängerbund und Liederkranz, im Zuge ihrer gelungenen, musikalischen Umrahmung der Veranstaltung, das legendäre Lied im Repertoire gehabt hätten – egal ob mit dem neuen oder dem althergebrachten Refrain.

Es war ein holpriger Start

In der nahezu voll besetzten Stadthalle wurde während des hundertminütigen Festakts die Bedeutung der Eisenbahn für Aulendorf früher, heute und in Zukunft betrachtet. Dass es ein holpriger Start in das Eisenbahnzeitalter in der Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen war, betonten nicht nur Hermann und Thorsten Krenz von der Deutschen Bahn. Auch eine Schülergruppe des Gymnasiums Aulendorf unter der Leitung von Anne Vallentin zeigte mit szenischen Einspielungen, wie es das zunächst einmal kritisch beäugte Dampfross schaffte, den Gesinnungswandel in der Bevölkerung herbeizuführen.

„Die Bahn ist unser Anschluss an die Welt“ lautete hier die Erkenntnis die mit der Eröffnung des Knotenbahnhofs anno 1869 einherging. Nachdem der Fanfarenzug Aulendorf mit „harter Musik“ – Originalton Winfried Hermann – den Festakt eröffnete und Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth die Ehrengäste aus Bundestag und Landtag begrüßte, war das Rednerpult für die Festansprache von Hermann frei. Humorig der Rückblick auf den damaligen Wettbewerb zwischen den Königreichen Bayern und Württemberg und die Erschließung des Bodensees mit der Eisenbahn. Ein Wettrennen, dass sich zur Zeit wiederholt, denn sowohl die Bayern als auch die Baden-Württemberger arbeiten unter Hochdruck an der Elektrifizierung der Bahnlinien nach Lindau.

Hermann appellierte, von den damaligen Bahnpionieren zu lernen, damit Infrastrukturmaßnahmen wieder schneller umgesetzt werden. Neben all der Bahntechnik rückte er den Faktor Mensch in Gestalt der Bahnhofsmission in den Fokus. Auch in Aulendorf begleitet ein Team Ehrenamtlicher die rund 8000 Reisenden, die Tag für Tag in Aulendorf ein- aus- oder umsteigen. Im ökumenischen Gottesdienst vor dem Festakt stellte Ulrich Köpfler von der Bahnhofsmission die Arbeit am reisenden Mitmenschen vor, die dazu beiträgt, dass die positiven Begegnungen beim Bahnreisen überwiegen.

Die beiden Pfarrer Anantham Antony und Jörg Weag widmeten ihre Aufmerksamkeit dem Knoten schlechthin, eine Sache die sowohl verbindet wie auch als Erinnerungshilfe für wichtige Dinge dienen kann. Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Stadtkapelle Aulendorf begleitet.

Schon 4000 Masten gesetzt

Im Festakt hatte Thorsten Krenz, seine genaue Funktionsbeschreibung ist „Konzernbevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg der Deutschen Bahn AG“, das schwere Los des zweiten Redners. Ein Los das mit ganzer Härte wirkte, denn es schien fast so, als ob Bahn und Ministerium denselben Redenschreiber unter Vertrag hätten, mutmaßte Krenz. Er konnte also zum Bahnknotenpunkt nicht mehr viel berichten. Seine Ausführungen zur Elektrifizierung der Südbahn waren jedoch etwas detaillierter und gingen über den Umstand hinaus, dass rund 4000 Oberleitungsmasten gesetzt wurden.

Außerdem hatte er noch ein nettes zweiminütiges Imagefilmchen mitgebracht. „Ein Stück starke Schiene“ so der Filmtitel, von dem auch Aulendorf in Zukunft profitieren wird. Bei der von Burth wiederholt angemahnten Bahnhofsmodernisierung und Barrierenbeseitigung wagte Krenz sogar die Nennung von konkreten Jahreszahlen zum Baubeginn, der 2021 oder 2022 erfolgen könnte. In der einstigen Dampfmetropole Aulendorf steht somit der nächste Schritt in der Mobilitätswende bevor, freute sich Burth am Ende des Festaktes. Zum anschließenden Mittagessen spielte der Musikverein Tannhausen auf.

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