Turbulentes und bestes Storchenjahr in Aulendorf

 Ein Storchenpaar in Aulendorf.
Ein Storchenpaar in Aulendorf. (Foto: Fotos: Bruno Sing)
Elke Klein

In Aulendorf gibt es derzeit fünf Storchennester. Zwei davon in „Citynähe“: in der Hauptstraße und in der Zollenreuter Straße. Die weiteren Horste sind in Münchenreute, Tannweiler und Haslach. Wie Bruno Sing, Vorsitzender des BUND Aulendorf, mitteilte, war das Jahr 2022 ein turbulentes, das für einige Überraschungen bei den großen Vögeln sorgte.

Es ging im Frühjahr vielversprechend los mit fünf Jungstörchen in Aulendorf, die prächtig gediehen. Davon konnte sich auch Ute Reinhard, die Storchenbeauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen, bei der Beringung der Jungstörche am 7. Juni überzeugen.

Die Feuerwehr sorgte für den reibungslosen Ablauf der Aktion, bei der festgestellt wurde, dass die Jungstörche der Zollenreuter Straße jeweils stattliche drei Kilogramm auf die Waage brachten.

Das Schicksal meinte es mit Jungstörchen nicht gut

Auch die zwei Jungstörche vom Hauptstraßen-Nest wurden von Ute Reinhard beringt. Es stellte sich heraus, dass diese zwei etwas zierlicher waren. Während das Storchenpaar in Haslach in diesem Jahr auf Nachwuchs verzichtet hat, gab es in Tannweiler und Münchenreute ebenfalls Junge. Dabei meinte es das Schicksal mit den beiden Münchenreuter Jungstörchen nicht gut. Sie wurden am 29. Juni tot im Nest aufgefunden.

Bruno Sing berichtet, dass eine tierärztliche Untersuchung ergeben habe, dass beide Vögel Frakturen an Kopf und Genick aufwiesen, die auf eine Attacke durch einen Fremdstorch hingewiesen hätten. Letztlich seien sie dann aber nicht an den Verletzungen gestorben, sondern an Futter-und Wassermangel. Wahrscheinlich waren sie auf Grund ihrer Frakturen nicht mehr in der Lage gewesen, sich genügend Nahrung zu besorgen.

Storch stirbt nach Kollision mit Zug oder Elektroleitungen der Bahn

Ein weiterer Schock war der Fund eines ausgewachsenen toten Storches am 20. August in der Nähe des Bahnhofs. Es handelte sich hierbei um einen unberingten Storch – also keinen Aulendorfer. Wie sich herausstellte, war dieses Tier an einer Kollision mit einem Zug oder mit den Elektroleitungen der Bahn gestorben.

Den Jungstörchen in Aulendorf geht es nach Angaben von Sing jedoch prächtig. Wer sich davon überzeugen möchte, kann ein Nest über die dort durch den BUND installierte Webkamera beobachten. Der extrem trockene, heiße Sommer 2022 ist für die Störche kein großes Problem gewesen.

Viel wichtiger für ein gutes Gedeihen sei, so Bruno Sing, dass es im Frühjahr keinen Kälteeinbruch gibt und dass kein Starkregen in der kritischen Phase zur Gefahr wird. Dies geschieht, wenn sie nicht mehr Platz unter dem schützenden Gefieder der Altstörche finden, selbst aber noch nicht kräftig genug sind.

Solch ein Unwetter zur Unzeit ist in diesem Jahr ausgeblieben und daher wären die Aulendorfer Störche fit für den Flug in den Süden. Ob sie die weite Reise jedoch alle auf sich nehmen werden, ist noch ungewiss. Feststeht, dass die Altstörche der Zollenreuter Straße im letzten Jahr ihr Winterquartier am nahen Bodensee hatten. Oft hat man sie auch im Winter in Aulendorf gesehen.

Störche sind wählerisch bei Standortwahl

Dass Störche wählerisch in ihrer Standortwahl sind, zeigte sich auch in Aulendorf. Das für sie neu vorbereitete Nest auf dem Schloss verschmähten sie und zogen zur Hauptstraße um. Auch der Panoramablick ins Schussental, ihrem Futtergebiet gerade im heißen Sommer, konnte sie nicht vom Neubau überzeugen.

Bruno Sing zieht für das Jahr 2022 folgendes Fazit: „Es war das beste Storchenjahr seit Jahrhunderten.“ Er freut sich, dass Ute Reinhard, die nach dieser Saison in den Ruhestand geht, den Aulendorfer Störchen treu bleibt und auch im nächsten Jahr noch die Beringung der hiesigen Störche durchführen will. Das Amt der Storchenbeauftragten im Regierungspräsidium wird 2023 Judith Opitz übernehmen.

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