Török erklärt die Macht der Erinnerung

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Török erklärt die Macht der Erinnerung

Der Schriftsteller Imre Török aus Leutkirch hat am Freitagabend sein neues Buch „Insel der Elefanten" im Parksanatorium in Aulendorf vorgestellt. Török las Auszüge aus seinem neuen Roman, der sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigt.

Mit der Abfahrt zur Insel der Elefanten taucht der Leser ein in eine paradiesische Umgebung, in der irdische Probleme auf Wachträume und die Macht der Erinnerungen treffen. Für Imre Török besteht sein Buch aus zwei Teilen. Zum einen geht es um das Aufeinandertreffen zweier Menschen, die früher tiefe Gefühle füreinander hegten und um die Frage, ob diese Gefühle wiederaufleben können. Zum anderen geht es aber auch um Erinnerungen, um den Versuch „aus alten Wunden neue Wunder geschehen zu lassen“, wie sich Török ausdrückt.

Die Hauptpersonen sind Valentin und Ilona. Zwei Deutsch-Ungarn, die sich früher einmal liebten und nun mit einem gemeinsamen Urlaub auf einer Mittelmeerinsel versuchen, ihre mittlerweile scheinbar rein platonische Beziehung zu festigen. Doch für Valentin bringt die Insel nicht die erhoffte Entspannung. Die Geister der Vergangenheit quälen ihn. Immer wieder muss er an seinen ungarischen Vater denken. Ihn überfallen Attacken quälender Sehnsucht nach seinem Vater. Dies sei, sagt Török, etwas zutiefst Ungarisches.

Török lässt in sein Buch ein Stück weit seine eigene Lebensgeschichte einfließen. Auch er ist -- wie die beiden Hauptpersonen -- Deutsch-Ungar. Er kam als Jugendlicher nach Deutschland und kennt sich somit aus mit der Frage nach der Heimat. Sein neues Buch beschreibe nicht zuletzt den Versuch sich „einzuwurzeln“, sagt Török.

Valentin versucht das, indem er sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Er erinnert sich an Szenen aus dem Leben seines Vaters -- Szenen, an die er sich eigentlich gar nicht erinnern kann, weil sie weit vor seiner Zeit spielen. Hier zeigt sich der magische Charakter der Insel. Erinnerungen sind auf der Insel der Elefanten nicht nur Erinnerungen ,sondern magische Situationen. Auf dieser Insel schreiten Elefanten durch das Gedächtnis. Der Elefant steht in Töröks Buch für eben dieses -- für das Gedächtnis und das Erinnern.

Durch die zahlreichen Erinnerungen Valentins an seinen Vater erzählt Török fast wie nebenbei die Geschichte Ungarns im letzten Jahrhundert. Es geht um die rote Revolution nach dem ersten Weltkrieg, um Nationalsozialismus und den eisernen Vorhang. Török möchte mit seinem Buch über das deutsch-ungarische Verhältnis erzählen. Er möchte „Brücken bauen“. Außerdem geht es um Wertefragen. Ilona und Valentin sind auf Sinnsuche und bewegen sich dort zwischen Erotik und Verzweiflung, zwischen Vergangenheit, Zukunftssehnsucht und Heimatsuche.

Török hat ein Buch geschrieben, das man auf vielerlei Weisen verstehen kann. Es geht um den Wert der Erinnerung, um die Frage "wo gehöre ich hin", um Ungarn und um eine scheinbar erloschene Liebe. Diese so unterschiedlichen Themen stehen sich aber nicht im Weg. Im Gegenteil. Als Zuhörer bekommt man nach diesem Leseabend eher den Eindruck, dass diese Geschichte genauso erzählt werden musste.

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