Stadt Aulendorf beschäftigt zu wenig Schwerbehinderte

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 Die Stadt Aulendorf erfüllt die gesetzlich geforderte Schwerbehindertenquote von fünf Prozent nicht und musste dafür in den ver
Die Stadt Aulendorf erfüllt die gesetzlich geforderte Schwerbehindertenquote von fünf Prozent nicht und musste dafür in den vergangenen Jahren jeweils eine Ausgleichsabgabe zahlen. (Foto: dpa/Friso Gentsch)

Wie kürzlich bekannt wurde, hatte das Land Baden-Württemberg 2017 zu wenig Schwerbehinderte beschäftigt und muss deshalb nach Angaben des Sozialministeriums eine sogenannte Ausgleichsabgabe in Höhe von rund 1,18 Millionen Euro an das Integrationsamt beim Kommunalverband bezahlen. Auch die Stadt Aulendorf erfüllt die gesetzlich geforderte Schwerbehindertenquote von fünf Prozent nicht. Zuletzt lag sie im Jahr 2018 bei 3,53 Prozent, was nach Angaben der Verwaltung 3,33 Vollkräften entspricht.

Auch in den vergangenen Jahren hat die Stadt Aulendorf die Quote nicht erreicht. 2017 lag sie bei 3,06 Prozent, 2016 bei 4,16 Prozent und 2015 bei 4,44 Prozent. Die Ausgleichsabgabe, die die Stadt dafür zahlen musste, variiert nach Auskunft der Verwaltung von Jahr zu Jahr, da auch Teilbeiträge von Rechnungen abgesetzt werden können (für Lieferungen von anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen). „Pro nicht besetztem Pflichtarbeitsplatz ist ein monatlicher Pauschalbetrag von 125 Euro zu bezahlen“, erläutert die Verwaltung. Für 2018 lag der Ausgleichsbetrag bei 1027 Euro.

Schwerbehindert werden immer zum Vorstellungsgespräch eingeladen

Wie die Stadt auf SZ-Anfrage erläuterte, werde ein Schwerbehinderter, der sich auf eine ausgeschriebene Stelle beworben hatte, grundsätzlich immer zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Allerdings sei die Anzahl der schwerbehinderten Bewerber meist gering. Das sei auch ein Hauptgrund, warum die Quote nicht erfüllt werden konnte. Zudem sei in den jüngsten Fällen die fachliche Qualifikation anderer Bewerber höher gewesen. „Haben die Bewerber die gleiche Qualifikation, hat jedoch der Bewerber mit Schwerbehinderung Vorrang“, erläutert die Verwaltung.

Die schwerbehinderten Mitarbeiter, die aktuell bei der Stadt Aulendorf arbeiten und laut Verwaltung verschiedene Beeinträchtigungen haben, sind in den Bereichen Verwaltung sowie Betriebshof/Kläranlage beschäftigt. Rollstuhlfahrer seien nicht dabei.

Zum Jahresende 2017 lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Dies waren nach Angaben des Amts rund 151 000 Menschen oder und damit zwei Prozent mehr als am Jahresende 2015. Als schwerbehindert gelten Personen, denen die Versorgungsämter einen Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt sowie einen gültigen Ausweis ausgehändigt haben.

In Deutschland lebten 2016/2017 rund 3,3 Millionen Schwerbehinderte im erwerbsfähigen Alter (Jahresbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen). Um diese Menschen besser in den Arbeitsprozess integrieren zu können, wurden Gesetze erlassen und die Integrationsämter sollen die Teilhabe von schwerbehinderten Menschen am Arbeitsleben fördern und sichern.

Arbeitgeber, die über jahresdurchschnittlich mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, haben auf wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze Schwerbehinderte zu beschäftigen. Diese Reform des Sozialgesetzbuchs trat am 1. Januar 2018 in Kraft. Schwerbehinderte Frauen seien dabei besonders zu berücksichtigen.

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